"Weißer Wind" Über 40 Soldaten erfrieren in Chiles Anden

Noch steht die genaue Zahl der Toten nicht fest, der Präsident des Landes aber hat schon Staatstrauer angeordnet: In den Anden sind wahrscheinlich 42 Soldaten der chilenischen Armee umgekommen. Sie waren zu einer Übung ausgerückt, obwohl Meteorologen einen Schneesturm angekündigt hatten.


Santiago de Chile - Inzwischen wurden 14 Leichen geborgen. Damit gilt das Unglück schon jetzt als schlimmster Schlag für die chilenischen Streitkräfte zu Friedenszeiten. Heereschef General Juan Emilio Cheyre sagte, aller Wahrscheinlichkeit seien aber mindestens 42 Soldaten erfroren.

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Die Temperaturen in der Unglücksregion 500 Kilometer südlich der Hauptstadt Santiago lagen bei 20 Grad unter Null, hinzu kamen heftige Winde und starker Schneefall. Der General enthob drei Kommandeure der betroffenen Militäreinheit in der Stadt Los Angeles ihrer Posten und ordnete eine Untersuchung durch die Militärstaatsanwaltschaft an.

Angehörige erheben Vorwürfe

Präsident Ricardo Lagos rief eine dreitägige Staatstrauer aus und sprach den Angehörigen der Opfer sein Beileid aus. Verzweifelte Angehörige warfen dem Militär vor, die unerfahrenen Rekruten trotz eines angekündigten Unwetters zu dem Übungsmarsch geschickt zu haben. Das Verteidigungsministerium widersprach Berichten, die Soldaten seien nicht mit ausreichend warmer Kleidung ausgerüstet gewesen. Es räumte aber ein, dass der Wetterbericht missachtet worden sei.

Die Soldaten gehörten zu einer Einheit von insgesamt 433 Mann, die am Mittwoch bei einem Marsch über 25 Kilometer in der Region des 2985 Meter hohen Vulcans Antuco in einen Schneesturm geraten waren. Besonders gefürchtet ist der "weiße Wind" mit Orkanböen und starken Schneefällen. Cheyre sprach von einem "Schnee-Tsunami".



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