Weiterer Verdacht gegen Sniper Mord aus Scheidungsfrust

Die mutmaßlichen Heckenschützen John Lee Malvo und John Allen Muhammad haben möglicherweise einen weiteren Mord begangen. Bereits im Februar sollen sie einer 21-Jährigen irrtümlich ins Gesicht geschossen haben. Eigentliches Ziel war vermutlich deren Tante, die sich während der Scheidung Muhammads auf die Seite von dessen Frau gestellt hatte.


Ermittlungen in Waffengeschäften in Tacoma, Washington State
AP

Ermittlungen in Waffengeschäften in Tacoma, Washington State

Tacoma - Als die 21-jährige Kenya Cook am 16. Februar in Tacoma im US-Staat Washington die Tür ihres Hauses öffnete, krachte ein Schuss. Er traf sie mitten ins Gesicht, sie überlebte nicht. Nun werden die beiden mutmaßlichen Heckenschützen von Washington, John Lee Malvo und John Allen Muhammad, verdächtigt, auch Cook auf dem Gewissen zu haben.

David Brame, Polizeichef von Tacoma, sagt, ein ortsansässiger Mann habe nach der Festnahme der Verdächtigen in der vergangenen Woche Kontakt mit der Bundespolizei FBI aufgenommen. Er habe ausgesagt, den beiden Männern während deren Aufenthalt in seinem Haus seine Waffen geliehen zu haben. Mit einer dieser Waffen wurde Kenya Cook niedergestreckt.

Angehörige mutmaßen, die tödliche Attacke habe der Tante der 21-Jährigen gegolten. Sie war in den neunziger Jahren Buchhalterin in Muhammads Autowerkstatt gewesen und freundete sich damals mit dessen Frau an. Bei der Scheidung des Paares habe sich die Buchhalterin auf die Seite von Muhammads Frau gestellt. Möglicherweise sei die Tante das eigentliche Ziel des Mörders gewesen aus Rache für ihr Verhalten während der Scheidung.

Im US-Staat Virginia wurde am Montag sowohl gegen Malvo als auch gegen Muhammad Anklage wegen Mordes erhoben. Dem 17-jährigen Malvo droht dort trotz seines jugendlichen Alters die Todesstrafe.

Route 70, Maryland: Der Wagen John Allen Muhammads wird sichergestellt
REUTERS

Route 70, Maryland: Der Wagen John Allen Muhammads wird sichergestellt

Möglicherweise haben die beiden noch mehr auf dem Kerbholz. Die Polizei geht auch der Frage nach, ob Muhammad in eine Schießerei in einer Synagoge Anfang Mai verwickelt war. Die Waffe, die damals zum Einsatz kam, war ebenfalls von dem Zeugen aus Tacoma verliehen worden.

Am Montag war auch bekannt geworden, dass der 17-jährige Malvo möglicherweise einen der insgesamt zehn Morde selbst begangen hat. Es bestehe der Verdacht, dass er den tödlichen Schuss auf eine FBI-Beamtin am 14. Oktober abgegeben haben könnte, teilte der zuständige Staatsanwalt mit. Malvo und Muhammad waren am Donnerstag verhaftet worden.

Verhaftet: John Allen Muhammed (r.) und John Lee Malvo
Reuters

Verhaftet: John Allen Muhammed (r.) und John Lee Malvo

Es ist weiterhin unklar, vor welchem Gericht der erste Prozess gegen die beiden Verdächtigen stattfindet, da die Morde in verschiedenen US-Staaten verübt wurden. In Virginia könnten beide zum Tode verurteilt werden, Maryland schließt dieses Strafmaß für Minderjährige aus, und im District of Columbia gibt es keine Todesstrafe. Die Staatsanwaltschaft in Alabama hat außerdem Anklage wegen Raubmordes erhoben.



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