3 Gründe, warum es sich für Männer lohnt, Feministen zu sein

Ein Gastbeitrag
Von Herr & Speer

Dieser Beitrag wurde am 08.03.2019 auf bento.de veröffentlicht.

Feminismus ist unter Männern noch immer kein wahnsinnig beliebtes Wort. Viele denken dabei an verkniffene Frauen, die Männern nichts gönnen, alles verbieten wollen und einfach keinen Humor haben. Das ist nicht nur Quatsch, sondern auch sehr schade, denn wenn Männer Feministen sind, gewinnen dabei alle – auch die Männer.

Zu den Autoren

Vincent-Immanuel Herr und Martin Speer sind Autoren, Aktivisten, Feministen. Sie setzen sich für ein geeintes Europa und eine gerechtere Gesellschaft ein. Sie sind deutsche UN Women #HeForShe Botschafter. Im November erschien ihr neues Buch, "#TunWirWas".

Hier sind drei gute Gründe, warum es sich für Männer lohnt, Feministen zu sein – mal ganz abgesehen davon, dass es natürlich das Mindeste ist, für eine gerechte Gesellschaft und Zukunft einzutreten, in der Frauen und Männer dieselben Rechte und Möglichkeiten haben. 

1 Feministen sind gesünder und glücklicher.

Ein Bericht der Weltgesundheitsorganisation  hat im vergangenen Jahr gezeigt, dass Männer in Ländern mit hoher Geschlechtergerechtigkeit gesünder sind und länger leben als in weniger gerechten Gesellschaften. Lebensstile, die eher dem traditionellen Männerbild entsprechen, steigern demnach das Risiko für Herzkrankheiten, Krebs oder Diabetes. Das Modell des Mannes als Familienversorger steigert außerdem den Stress im Job.

Studien  zeigen auch eine höhere romantische Zufriedenheit von Männern in gleichberechtigten Partnerschaften. Feminst zu sein macht also gesund und glücklich. 

2 Feminismus kurbelt die Wirtschaft an.

Die Beratungsfirma McKinsey  hat 2015 den wirtschaftlichen Vorteilen einer gleichberechtigen Gesellschaft eine Zahl verpasst: Um zwölf Billionen Dollar (sprich: 12.000.000.000.000) könnte die Weltwirtschaft bis 2025 wachsen, wenn alle Länder Frauen die gleichen Möglichkeiten wie Männern einräumen würden. 

In der EU könnte ein höheres Level an Geschlechtergleichheit mehr als zehn Millionen Arbeitsplätze bis zum Jahr 2050 schaffen und den individuellen Mitgliedsstaaten ein Wirtschaftswachstum von bis zu zehn Prozent ermöglichen. (European Institute for Gender Equality )

Das gleiche gilt übrigens auch für Firmen und Unternehmen. So führt mehr Diversität in der Führungsetage zu allerlei Vorteilen: Sie sichert die langfristige Perspektive des Unternehmens und steigert die Wettbewerbsfähigkeit (McKinsey ) und Firmen mit mehr Frauen in Entscheidungspositionen sind im Durchschnitt innovativer und anpassungsfähiger (Scientific American )

Irgendwie logisch, dass es ein Vorteil ist, nicht nur das Potenzial der Hälfte der Bevölkerung zu nutzen, sondern das von allen Menschen. 

3 Feminismus sichert Frieden und stärkt die Politik. 

Es gibt wenig Bereiche, in denen Frauen weiter hinter den Männern zurückliegen, als bei Zugängen zu Machtpositionen. Nur 24 Prozent aller Parlamentsangehörigen weltweit sind Frauen. Im Januar 2019 dienten gerade mal elf Frauen als Staatsoberhaupt und zehn als Regierungschefin. (UN Women 

Was für eine verpasste Chance. Denn weder Wohlstand, noch Demokratisierung oder religiöse Identität sind der sicherste Indikator für die Friedfertigkeit eines Landes, sondern das Level an Gleichberechtigung zwischen Männern und Frauen. Wenn Frauen zum Beispiel in Friedensbildungsprozesse einbezogen werden, ist die durchschnittliche Aussicht auf Erfolg deutlich höher, als wenn nur Männer am Tisch sitzen. (UN Women ) 

Und ein Extragrund: Wer kein Feminist ist, ist kein Ehrenmann. Punkt. 

Männer – vor allem weiße, heterosexuelle – haben im Vergleich zu Frauen wenig bis keine Diskriminierung zu befürchten. Sie werden in eine Gesellschaft hineingeboren, die sie sozial, ökonomisch, politisch und kulturell immer noch besser stellt. Das ist nicht ihre Schuld, aber auch nicht ihr Verdienst. 

Aus diesem Privileg entsteht die Verantwortung, Teil der Lösung zu sein und nicht Teil des Problems. Das Mindeste, was Mann tun kann, ist: zuhören, helfen und die eigene Position hinterfragen.

Viele Männer haben sich schon mal sexistisch benommen, einen doofen Spruch gebracht oder abfällig über Frauen gedacht. Das Gute ist: Jeder kann bei sich selbst anfangen und das ändern. 

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