Werbepanne bei Online-Händler Adams Kostümversand

Der französische Modeversand La Redoute hat auf seiner Internetseite ein Foto mit vier Kindermodels am Strand veröffentlicht. Die Jungs trugen Sommermode, der Mann im Hintergrund hatte leider seine Badehose vergessen.

Screenshot der La-Redoute-Seite: Nackedei ist im Preis nicht inbgriffen

Screenshot der La-Redoute-Seite: Nackedei ist im Preis nicht inbgriffen


Hamburg - Wer im Internet kauft, will wenigstens sehen, was er bestellt. Wenn er schon selbst nichts befühlen kann. Deshalb haben die Versandhändler die Zoom-Funktion erfunden: Jeder kann damit jedes Detail genau unter die Lupe nehmen.

Der französische Versandhandel La Redoute ist da keine Ausnahme. Am Mittwoch stellte er das Foto vierer spielender Kinder auf seine Bestellseite. Die Jungs auf dem Bild sind vier, fünf, vielleicht sechs Jahre alt und tragen T-Shirts, die La Redoute für 9,99 Euro vertreibt. Das Foto ist eine Allerweltsaufnahme vor sommerlicher Kulisse: Strand, Sonne, blaues Meer, gute Laune.

Wie immer, wenn ein Skandal ins Rollen kommt, geht die Frage nach dem Warum ein wenig unter: Warum untersuchen Internetkäufer das Foto halbnackter Jungs am Strand mit der Zoom-Funktion? Was sie dabei gefunden haben, hat La Redoute nun in die Bredouille gebracht.

Im halbhohen Wasser watet auf dem Foto ein Mann durchs Meer, vielleicht 20 Meter entfernt. Er ist deutlich zu erkennen, auch ohne Zoom-Funktion. Schaltet man sie aber ein, wird der Betrachter mit den Segnungen hochauflösender Digitalfotografie konfrontiert: Der Mann ist nackt.

Interne Untersuchung bei La Redoute

Als die ersten Internetnutzer La Redoute auf den Nudisten aufmerksam machen, bricht dort eine Atmosphäre aus, die Emmanuelle Picard heute als "hektisch" bezeichnet. Picard muss das Drama nun der Öffentlichkeit erklären. Sie erledigt ihren Job mit viel Geduld.

Anruf in Paris: "Ja, La Redoute bedauert den Fehler. Nein, ich weiß nicht, wie der Mann auf dem Foto heißt. Ja, er ist nackt. Nein, es ist nicht Dominique Strauss-Kahn. Ja, es gibt eine interne Untersuchung."

Picard kann sogar noch ein bisschen lachen, obwohl sie seit gestern 14 Stunden am Tag erklären muss, wieso niemand in der ziemlich gut besetzten Werbeabteilung des Unternehmens den Nackedei entdeckt hat. Letzte Frage also, weil die Stimmung gerade so gut ist: "War der Nackte vielleicht Absicht?"

Tim und Struppi und der Nackte

Kurze Stille in Paris. Nach ihrem "Nein" muss Madame Picard sich dann auch anderen Aufgaben zuwenden. Verständlich, denn im Internet, das an Verschwörungstheorien nicht arm ist, zieht die Causa La Redoute ihre Kreise. Nicht wenige halten den Nackten für eine schräge Werbestrategie, ein Mem ist er schon jetzt. "Benetton und Abercrombie & Fitch machen das, um über die Diskussion Aufmerksamkeit auf die Marke zu ziehen", sagt ein Markenmanager in der "Huffington Post". "Das könnte sein. Oder die arbeiten echt schlampig da."

Madame Picard lernt in Paris gerade die praktische Bedeutung der Volksweisheit, nach der Spott auf Schaden folgt: Fast minütlich tauchen neue satirische Bearbeitungen der Internetseite mit dem Werbe-Nackten auf: Tim und Struppi und die La-Redoute-Affäre, Sarkozy und der Nackte, Barbie und der Nackte, Der Nackte als Computerspiel, der Nackte auf dem Mond, der Nackte spielt Tom Hanks, Hillary Clinton gruselt sich vor dem Nackten.

Es hört einfach nicht auf.

jbr

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