Werbepanne Getürkter Grieche bekommt Schadensersatz

Eine Molkerei warb jahrelang mit dem Foto eines Mannes für ihren türkischen Joghurt. Nun muss sie dem 77-Jährigen rund 200.000 Euro Schadensersatz zahlen. Er ist nämlich Grieche.


Stockholm - Minas Karatzoglis trägt einen weißen Rauschebart, ist Rentner, 77, und war jahrelang unwissentlich als Model im Einsatz. Eine schwedische Molkerei zeigte sein Konterfei mit dem markanten Bart und einer roten Mütze auf ihren Plastikdosen mit "Joghurt türkischer Art". Karatzoglis erfuhr von seiner Reklame-Rolle erst, als sein Foto schon acht Jahre lang im Einsatz war - und forderte Schadensersatz dafür, als Türke dargestellt worden zu sein.

Nun will die Molkerei Lindahl dem Rentner zwischen 1,5 und 2 Millionen Kronen (160.000 bis 220.000 Euro) zahlen, wie Tomas Axelsson, ein Vertreter des Unternehmens, am Mittwoch sagte. Im Gegenzug dürfe die Firma das Foto weiter verwenden. Beide Seiten hätten eine entsprechende Einigung unterzeichnet.

"Wir zahlen lieber freiwillig diesen Betrag, um uns alle möglichen Prozesse in Griechenland zu ersparen", so Molkereichef Anders Lindahl. Karatzoglis hatte zunächst eine wesentlich höhere Summe verlangt, die die Firma aber als aberwitzig ablehnte - sie erziele pro Jahr gerade mal so viel Umsatz mit dem Joghurt.

Die Familie des Rentners will mit Anwälten beratschlagen, ob sie das deutlich niedrigere Angebot annimmt. Der in Schweden lebende Grieche war von Freunden auf das Bild auf dem Joghurtbecher hingewiesen worden. Die Beziehungen zwischen den Mittelmeernachbarn Griechenland und Türkei sind traditionell schwierig.

Die Molkerei erklärte, es handele sich um ein Missverständnis: Sie habe das Foto von einer Bilderdatenbank bekommen. Sie will versuchen, das Geld von ihrer Werbeagentur erstattet zu bekommen.

siu/dpa/AFP



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