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19. April 2009, 18:46 Uhr

Wertvoller Fund in Köln

Bautrupps stoßen in Stadtarchiv-Trümmern auf intakten Keller

Die Bergungstrupps hatten die Hoffnung schon aufgegeben. Jetzt sind sie aber in den Trümmern des eingestürzten Stadtarchivs in Köln auf einen Keller gestoßen. Die Archivleitung jubelt: Ein wesentlicher Teil des kostbaren Bestands könnte das Unglück unversehrt überstanden haben.

Köln - Es ist ein unverhoffter Fund, wo eigentlich nur noch Trümmer erwartet wurden: Auf dem Areal des im März eingestürzten Historischen Stadtarchivs sind Arbeiter unerwartet auf intakte Kellerräume des Archivs gestoßen. Darin lagert hochwertiges Archivgut, das nun geborgen werden soll.

Deshalb verzögern sich auch Rückbauarbeiten in den Trümmern. Eigentlich hätten die Abtragungsarbeiten bereits an diesem Wochenende beendet werden sollen. Wie die Stadtverwaltung am Sonntag mitteilte, wurden die Funde bereits am Freitag gemacht. Im sogenannten Bibliothekskeller unter dem Lesesaal sowie im südlichen Teilbereich des Magazinkellers befinden sich den Angaben zufolge insgesamt rund 1200 Regalmeter Archivgut. Archivleiterin Bettina Schmidt-Czaia zeigte sich "erfreut und dankbar für die unerwartete Chance, einen nicht unwesentlichen Teil des Archiv- und Bibliotheksbestandes Anfang dieser Woche hoffentlich unversehrt bergen zu können".

Nachdem die intakten Kellerbereiche entdeckt wurden, entschied die Stadtverwaltung, vor Abschluss der Rückbauarbeiten zunächst das Archivgut in den Kellerbereichen zu bergen. Die nötigen Vorbereitungen sind inzwischen nahezu abgeschlossen. Die Bergungsarbeiten werden zu Beginn der neuen Woche durchgeführt, so dass der Abschluss der Rückbau- und Verfüllarbeiten Mitte der Woche erfolgen kann. Alle Beteiligten seien bemüht, den Betrieb einer nahe gelegenen Schule durch die anstehenden Bergungs- und Bauarbeiten so wenig wie möglich zu stören, hieß es.

Oberbürgermeister Fritz Schramma (CDU), der im Zuge des Unglücks kritisiert worden war und nun auf eine erneute Kandidatur für das Bürgermeisteramt verzichtet, hatte sich am Samstag ein Bild über den aktuellen Stand der Bergungsarbeiten am Waidmarkt gemacht. Er wisse nun, "wie Kräfte zehrend und körperlich hart die Arbeit in den Trümmern ist. Was die Helfer seit dem Einsturz leisten, verdient unsere größte Anerkennung. Glücklicherweise werden ihre Mühen immer wieder durch die Funde wertvoller, teilweise unversehrter Archivalien belohnt."

Beim Einsturz des Stadtarchivs und zweier benachbarter Gebäude waren am 3. März zwei Männer im Alter von 17 und 24 Jahren ums Leben gekommen. Ein Wassereinbruch in die U-Bahnbaustelle am Stadtarchiv gilt als wahrscheinlichste Unglücksursache.

beb/ddp/AFP

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