Wertvoller Fund in Köln Bautrupps stoßen in Stadtarchiv-Trümmern auf intakten Keller

Die Bergungstrupps hatten die Hoffnung schon aufgegeben. Jetzt sind sie aber in den Trümmern des eingestürzten Stadtarchivs in Köln auf einen Keller gestoßen. Die Archivleitung jubelt: Ein wesentlicher Teil des kostbaren Bestands könnte das Unglück unversehrt überstanden haben.


Köln - Es ist ein unverhoffter Fund, wo eigentlich nur noch Trümmer erwartet wurden: Auf dem Areal des im März eingestürzten Historischen Stadtarchivs sind Arbeiter unerwartet auf intakte Kellerräume des Archivs gestoßen. Darin lagert hochwertiges Archivgut, das nun geborgen werden soll.

Deshalb verzögern sich auch Rückbauarbeiten in den Trümmern. Eigentlich hätten die Abtragungsarbeiten bereits an diesem Wochenende beendet werden sollen. Wie die Stadtverwaltung am Sonntag mitteilte, wurden die Funde bereits am Freitag gemacht. Im sogenannten Bibliothekskeller unter dem Lesesaal sowie im südlichen Teilbereich des Magazinkellers befinden sich den Angaben zufolge insgesamt rund 1200 Regalmeter Archivgut. Archivleiterin Bettina Schmidt-Czaia zeigte sich "erfreut und dankbar für die unerwartete Chance, einen nicht unwesentlichen Teil des Archiv- und Bibliotheksbestandes Anfang dieser Woche hoffentlich unversehrt bergen zu können".

Nachdem die intakten Kellerbereiche entdeckt wurden, entschied die Stadtverwaltung, vor Abschluss der Rückbauarbeiten zunächst das Archivgut in den Kellerbereichen zu bergen. Die nötigen Vorbereitungen sind inzwischen nahezu abgeschlossen. Die Bergungsarbeiten werden zu Beginn der neuen Woche durchgeführt, so dass der Abschluss der Rückbau- und Verfüllarbeiten Mitte der Woche erfolgen kann. Alle Beteiligten seien bemüht, den Betrieb einer nahe gelegenen Schule durch die anstehenden Bergungs- und Bauarbeiten so wenig wie möglich zu stören, hieß es.

Oberbürgermeister Fritz Schramma (CDU), der im Zuge des Unglücks kritisiert worden war und nun auf eine erneute Kandidatur für das Bürgermeisteramt verzichtet, hatte sich am Samstag ein Bild über den aktuellen Stand der Bergungsarbeiten am Waidmarkt gemacht. Er wisse nun, "wie Kräfte zehrend und körperlich hart die Arbeit in den Trümmern ist. Was die Helfer seit dem Einsturz leisten, verdient unsere größte Anerkennung. Glücklicherweise werden ihre Mühen immer wieder durch die Funde wertvoller, teilweise unversehrter Archivalien belohnt."

Beim Einsturz des Stadtarchivs und zweier benachbarter Gebäude waren am 3. März zwei Männer im Alter von 17 und 24 Jahren ums Leben gekommen. Ein Wassereinbruch in die U-Bahnbaustelle am Stadtarchiv gilt als wahrscheinlichste Unglücksursache.

Historisches Archiv der Stadt Köln
Geschichte
Die Anfänge des Archivs reichen in das frühe 12. Jahrhundert zurück. Die für die Stadt wichtigen Schriftstücke hatten 1322 noch Platz in einer Kiste im Hause eines Patriziers , wuchsen aber zeitgleich mit Kölns Entwicklung zur freien Reichsstadt rasch an. Als der Rat 1406 den Bau des Rathausturms beschloss, gehörte zum Bauprogramm auch ein Archivgewölbe. Damals wurde das erste, noch heute erhaltene Archivinventar angelegt.
Den Zweiten Weltkrieg hatten die ausgelagerten Archivbestände ohne Verluste überstanden. Dagegen sind die damals noch in den städtischen Dienstgebäuden lagernden Akten aus der Zeit der Weimarer Republik seit etwa 1927 und der NS-Zeit während des Krieges weitgehend vernichtet worden.
Das Haus beherbergt zahlreiche Schätze der Kultur-, Kirchen- und Verwaltungsgeschichte. Zum Bestand gehören Herrscherurkunden und zahlreiche kostbare Handschriften . Köln ist nach Angaben von Historikern auch eines der wichtigsten Archive der deutschen Hanse , weil 1593/94 auf Beschluss des Hansetages die Urkunden und Akten des seinerzeit größten Kontors , das in Antwerpen lag, in die sicheren Mauern Kölns gebracht wurden.
dpa
Bestände
Das Archiv umfasst Dokumente aus über tausend Jahren Kölner, rheinischer und preußischer Geschichte . Mit der Ernennung Leonard Ennens zum ersten Kölner Stadtarchivar 1857 wurde der Ausbau des Archivs wesentlich auf den Weg gebracht. Mehr als 65.000 Urkunden aus dem Raum Köln ab dem Jahr 922, 104.000 Karten und Pläne, 50.000 Plakate und rund eine halbe Million Fotos. Zudem sind dort 780 Nachlässe und Sammlungen, unter anderem von Literaturnobelpreisträger Heinrich Böll gelagert worden.
dpa

beb/ddp/AFP

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