"Wetten, dass ..." Bundestag stoppt Gottschalks Wetteinsatz

Thomas Gottschalks Chancen für einen Auftritt im Deutschen Bundestag stehen schlecht. Der Entertainer hatte die Stadtwette in seiner Sendung in Graz verloren und wollte zur "Strafe" im Reichstag reden. Politiker aller Couleur lehnen das ab. Tenor: Das Parlament ist keine Showbühne.


Thomas Gottschalk will seine Wettschuld im Bundestag einlösen
AP

Thomas Gottschalk will seine Wettschuld im Bundestag einlösen

Berlin/Köln - Gottschalk hatte sich am Samstagabend in Graz dazu verpflichtet, eine Rede im Bundestag zu halten. Das dürfte deshalb schwierig werden, weil nach der Geschäftsordnung des Parlaments nur gewählte Bundestagsabgeordnete vom Rednerpult aus im Plenarsaal sprechen dürfen. Seltene Ausnahmen werden nur für ausländische Staatsoberhäupter wie US-Präsident George W. Bush oder Russlands Staatschef Wladimir Putin gemacht.

Gottschalks Ansinnen stößt bei den Parlamentariern auf große Ablehnung. Wolfgang Wiemer, Sprecher von Bundestagspräsident Wolfgang Thierse, sagte dem Kölner "Express": "Dafür müsste sich Gottschalk erstmal wählen lassen, sonst hat er kein Rederecht."

Über Ausnahmegenehmigungen kann nur der Ältestenrat entscheiden, in dem auch der grüne Bundestagsabgeordnete Volker Beck sitzt. Beck sagte dem Blatt, er halte davon gar nichts. "Wir haben so schwere Probleme zu lösen, keine Zeit für solche Ansinnen", fügte er hinzu. "Da muss er sich eine andere Plattform suchen."

Als völlig abwegig bezeichnete der Bundestags-Vizepräsident Norbert Lammert die Idee: "Der Deutsche Bundestag ist kein Showbühne." SPD-Fraktions-Vize Michael Müller meinte in der Zeitung, man sollte die Politik nicht lächerlich machen.

Ex-Arbeitsminister Norbert Blüm outete sich zwar als Fan von Thomas Gottschalk. Er kritisierte jedoch: "Wenn da erst das Schicksal von Arbeitslosen erörtert wird und danach Gottschalk Trallala macht, dann kann ja gleich Dieter Bohlen kommen und im Parlament seine Superstars wählen lassen."

Gegenstand der von Gottschalk verlorenen Wette war die Aufgabe, den Hauptplatz von Graz zum größten Open-Air-Fitness-Studio Europas zu machen. Tausende Grazer hatten sich anschließend mit verschiedensten Fitness-Geräten dort versammelt. Sie bewiesen auch, dass die Heimatstadt des früheren "Mister Universum" Arnold Schwarzeneggers noch immer über Muskelmänner mit einem Bizeps-Umfang von mindestens 50 Zentimetern verfügt.



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