Wetterwisser Jörg Kachelmann Eine erste Schneedecke ist denkbar

Es ist noch keine böse Dauerfrostlage, aber: Richtung Wochenende wird es kühl im Nordosten Deutschlands. Und im Süden bleibt es weiterhin zu warm? Fünf Fragen an den Wetterexperten.
Wolkenfront in Bayern

Wolkenfront in Bayern

Foto: Karl-Josef Hildenbrand / dpa

Wie sieht’s aus?

Es sieht so aus, als ob es Richtung Wochenende zum ersten Mal seit langer Zeit im Nordosten Deutschlands deutlich unternormale Temperaturen geben wird, auch eine erste Schneedecke ist denkbar. Eben hatten wir ja noch Wärmerekorde für die mittlere Novemberdekade, aber das ist erst mal durch, auch wenn alles knapp wird. Man sieht an der Vorhersage des europäischen Modells für die Temperaturabweichung vom Normalwert am Samstag 13 Uhr, dass der Süden weiterhin zu warm bleiben soll – andere Termine via Menü .

Wie ist das zu erklären?

Über Skandinavien verstärkt sich ein Hochdruckgebiet, damit ist die Bahn frei für kalte Luft aus Nordosteuropa, die Luft wird aus dem Osten Finnlands und dem äußersten Nordwesten Russlands zu uns kommen. Das ist eine ziemlich ideale Richtung für kalte Luft in dieser Jahreszeit – käme das Ganze aus Norden, würde die noch warme Ostsee wärmen, reiner Ostwind käme aus Gebieten, die noch nicht von Schnee bedeckt sind.

Wie geht’s weiter?

Man sieht am Beispiel des 14-Tage-Trends für Berlin (andere Orte via Menü ), dass die Kälte im Nordosten ein paar Tage dableiben mag, bevor es später kommende Woche wieder wärmer werden kann. Auch mithilfe des Klimawandels ist es noch keine böse Dauerfrostlage, die in dieser Jahreszeit durchaus auch schon möglich wäre. Aber es wird für die betroffenen Gebiete ein scharfer Kontrast sein zu dem, was bisher war und mit dem begleitenden Wind ein erster Test, wie Menschen heizen und was mit den Gasreserven passiert.

Was sollte ich tun?

Für gewerbliche Gebäude in den Kaltluft-Erwartungsgebieten ist es wichtig, ab Wochenmitte nichts mehr zu kühlen – auch wenn es im Serverraum und in manchen Büros mit vielen Wärmequellen wie Computern erst noch ein bisschen zu warm sein wird – das Wetter wird das mit der Kühlung selbst für Sie hinbekommen. Die Heizgradtagzahlen werden scharf ansteigen, hier die Werte für Samstagmittag  (Erklärung unter dem i auf der Seite).

Und was tun Sie?

Ich habe das Beißholz und das Brechbecherchen in steter Griffnähe für alle die frei erfundenen Clickbait-Geschichten mit der Weihnachtsvorhersage – das ist bis Mitte Dezember völlig sinnlos. Und ich weiß, dass auch in Klimakrisenzeiten alles möglich ist – ein im Schnitt zu warmer Winter ist immer die wahrscheinlichste Lösung, aber auch zwei Wochen brüllende Gesäßkälte sind keinesfalls ausgeschlossen. Es wird aufs Wetter ankommen.

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