Hitzewelle Bislang heißester Tag des Jahres in Deutschland erwartet

Viel trinken und direkte Sonne vermeiden: Wenn an diesem Dienstag die Hitzewelle über Deutschland rollt, raten Gesundheitsbehörden zur Vorsicht. Im Südwesten und Westen sind bis zu 40 Grad möglich.
Kurz nach Sonnenaufgang: Kühe auf einer Weide in Baden-Württemberg

Kurz nach Sonnenaufgang: Kühe auf einer Weide in Baden-Württemberg

Foto: Thomas Warnack / dpa

Nun kommt die Hitze wirklich nach Deutschland: Am Dienstag könnte es den bis dahin wärmsten Tag des Jahres in Deutschland geben. Laut Deutschem Wetterdienst (DWD) sind Temperaturen von verbreitet 34 bis 38 Grad, im Südwesten und Westen bis zu 40 Grad möglich.

Der bisher heißeste Tag in diesem Jahr war am 19. Juni: Laut Wetterdienst waren da mit 39,2 Grad die wärmsten Orte Cottbus und Dresden. DWD-Sprecher Andreas Friedrich sagte: »Wir können davon ausgehen, dass dieser Rekord am Dienstag geknackt wird.«

Laut DWD liegt der Hitzerekord in Deutschland bei 41,2 Grad – gemessen am 25. Juli 2019 in Duisburg. »Es ist möglich, dass wir am Dienstag entlang des Rheins in ähnliche Bereiche kommen«, sagte Friedrich den Zeitungen der Funke Mediengruppe.

Am Mittwoch verlagert sich die Hitze in den Osten und Nordosten

»Aber eigentlich ist es unerheblich, ob es am Dienstag dann 38 oder 40 Grad werden – es wird eine Hitzewelle geben, das kann man mit Sicherheit sagen.« Die Hitze sei eine Folge des Klimawandels. »Seit dem berühmten ›Jahrhundertsommer‹ 2003 erleben wir die 40 Grad zwar nicht jedes Jahr, aber immer öfter«, erklärte er. Am Mittwoch verlagert sich die Hitze den Meteorologen zufolge in den Osten und Nordosten.

Grund für das hochsommerliche Wetter ist ein Hoch über Mitteleuropa, das langsam weiter ostwärts wandert und von Südwesten zunehmend heiße Luft subtropischen Ursprungs bringt. Der Deutsche Wetterdienst spricht von einer »starken Wärmebelastung«. Gesundheitsbehörden mahnen zur Vorsicht und raten: viel trinken und direkte Sonne vermeiden.

Vor allem schwächere Menschen dürften die Wärmebelastung zu spüren bekommen. Angesichts der hitzebedingten Gefahr für Pflegebedürftige hat der Sozialverband VdK einen Hitzeschutzplan mit umfassenden Vorgaben für Pflegeheime gefordert. »Wir brauchen dringend ein Krisenkonzept für Hitzeereignisse, die gerade Menschen in Pflegeheimen und Krankenhäusern besonders belasten«, sagte VdK-Präsidentin Verena Bentele dem Redaktionsnetzwerk Deutschland.

Die Behörden und Feuerwehr in Hamburg warnten vor Hitzebelastungen. »Trinken Sie ausreichend, vermeiden Sie direkte Sonne und körperlich anstrengende Aktivitäten, halten Sie ihre Wohnung kühl«, empfahl die Gesundheitsbehörde. »Besonders Kinder, ältere Personen und Menschen mit Unterstützungsbedarf können unter zu viel Sonneneinstrahlung und Hitze leiden, da sie das Risiko nicht genau einschätzen können.«

»Sonnenbrand, Kopfschmerzen und Sonnenstich bei zu viel direkter Sonneneinstrahlung sind die größten Gefahren«, sagte Jan-Arne Lauffs, Leiter der Zentralen Notaufnahme im Universitären Notfallzentrum, in Rostock in Mecklenburg-Vorpommern.

Beschädigtes Rollfeld am Flughafen durch erhöhte Temperaturen

Unter der Gluthitze leiden auch Menschen in anderen Teilen Europas. In Großbritannien teilte der Wetterdienst Met Office mit, dass die Temperaturen in Teilen Englands auf bis zu 41 Grad steigen könnten. Die extreme Hitze sorgte am Montag am Londoner Flughafen Luton für erhebliche Störungen. Durch die hohen Temperaturen sei die Oberfläche des Rollfeldes beschädigt worden, teilte der Flughafen mit. Berichten zufolge mussten mehrere Flüge gestrichen oder umgeleitet werden.

Verkehrseinschränkungen löst das Wetter auch in Frankreich aus. Wegen Luftverschmutzung verhängte die Region Grand Est im Osten des Landes Einschränkungen für Autofahrer. Zu den Maßnahmen, die ab Dienstagmorgen 6 Uhr greifen sollten, zählt eine Temporeduzierung um 20 Kilometer pro Stunde auf Autobahnen und Straßen mit zwei Richtungsfahrbahnen.

In den Niederlanden erwartet der Wetterdienst am Dienstag Höchsttemperaturen von mehr als 40 Grad. Es gilt »Code Oranje«: Das heißt, Menschen sollen körperliche Anstrengungen vermeiden, viel trinken und möglichst nicht in die Sonne gehen. Eigentlich sollte Europas größtes Wanderereignis – die »Vierdaagse« von Nimwegen – am Dienstag starten. Doch der erste Tag des vier Tage dauernden Wandermarathons von täglich mehr als 50 Kilometern wurde mit Blick auf die hohen Temperaturen gestrichen.

In Italien sind von hohen Temperaturen und schwüler Luft unter anderem Bozen, Brescia, Florenz und Perugia betroffen. Zudem sind die Feuerwehren weiter in Alarmbereitschaft und kämpfen landesweit gegen Wald- und Buschbrände. Der Zivilschutz auf Sizilien sprach für Dienstag in einigen Gegenden die höchste Gefahrenstufe für Waldbrände aus.

Weiterhin brannte es auch in Teilen Spaniens, Portugals und Frankreichs.

Bei den schweren Bränden in Portugal sind ein Mann und eine Frau ums Leben gekommen, als sie vor den immer näher auf ihr Haus vorrückenden Flammen fliehen wollten. Das Ehepaar im Alter von um die 70 Jahren sei in seinem Auto von der Straße abgekommen, sagte der Bürgermeister von Murça, Mario Artur Lopes. »Das Auto ist komplett verbrannt, die beiden sind im Inneren gestorben.«

In Spanien zerstörten die seit etwa zehn Tagen wütenden Brände nach amtlichen Schätzungen bisher insgesamt 25.000 Hektar Wald sowie Dutzende Häuser, Läden und Fabriken. Hier gab es aber eine gute Nachricht: Die Hitzewelle, die Spanien schon seit dem 9. Juli im Griff hat, werde am Dienstag zu Ende gehen, versicherte der dortige Wetterdienst Aemet. Auch im Westteil Frankreichs dürfte es gebietsweise abkühlen.

kha/dpa/AFP
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