Wechselhaftes Wetter Jetzt kommt der Dschungelsommer

Wenig sommerlich geht es gerade in weiten Teilen Deutschlands zu: Blitze steckten Häuser in Brand, Starkregen setzte Straßen unter Wasser. Meteorologen zufolge bleibt es wechselhaft - Schwüle und Unwetter inklusive.

DPA

Hamburg - Schwüle Luft, Gewitter, Tornados - das alles hat nichts mit Hochsommer zu tun. Doch eine Südwestwetterlage sorgt derzeit in Deutschland für Wetter-Extreme. Am Donnerstag und Freitag führte dies bereits zu heftigen Niederschlägen, für die kommenden Tage rechnen Meteorologen weiterhin mit sehr wechselhaftem Wetter - teils unerträglich Hitze begleitet von heftigen Gewittern.

Von einem regelrechten "Dschungelsommer" sprach Diplom-Meteorologe Dominik Jung vom privaten Wetterdienst wetter.net. "Die tropische Luft setzt sich bei uns in den nächsten Tagen fest. Wir müssen daher täglich mit schweren Unwettern rechnen", sagte Jung. Wegen der großen Schwüle werde die Luft als sehr unangenehm empfunden, geradezu "unerträglich schwül" werde es vielerorts am Samstag.

Lediglich der Montag bringe mit Höchstwerten zwischen 18 und 27 Grad kurzzeitig ein wenig Abkühlung. Bereits am Dienstag steige das Thermometer wieder auf Werte von bis zu 30 Grad. Im Verlauf der zweiten Wochenhälfte werde es dann immer heißer.

Schwerer Unfall auf nasser A33

Am Freitag brachten schwere Unwetter in vielen Regionen Deutschlands den Berufsverkehr durcheinander. Nach Blitzschlägen musste die Feuerwehr zahlreiche Brände an Häusern und Bauernhöfen löschen, es entstand Millionenschaden. Auf Bahnlinien in Schleswig-Holstein und Hessen führten Blitze zu Störungen. In der Nähe von Lüneburg schlug am Freitag sogar der Blitz in ein Stellwerk ein und löste Behinderungen im Bahnverkehr aus.

Am Freitagnachmittag prasselte in Köln ein Wolkenbruch nieder. Die Feuerwehr sei zu rund hundert Einsätzen wegen vollgelaufener Keller und Tiefgaragen oder umgestürzter Bäume gerufen worden, sagte ein Sprecher. In Bielefeld berichtete die Feuerwehr von 150 Einsätzen bis zum Nachmittag. Tiefgaragen und Aufzugsschächte liefen voll. Ein Bagger in einer Baugrube versank ganz und gar in den Fluten.

In der Nacht zum Freitag habe es über Nordrhein-Westfalen beim Durchzug des Tiefdruckgebiets Lisa rund 10.000 Blitze gegeben, sagte Franzjosef Molé vom Deutschen Wetterdienst (DWD). Ein Autofahrer kam auf der Autobahn 33 nahe Stukenbrock-Senne auf der nassen Fahrbahn ins Schleudern. Der Wagen überschlug sich, der Mann wurde schwer verletzt. In Bielefeld fiel bei schweren Gewittern kurzzeitig der Strom aus.

In Hessen wurden nach einem Blitzeinschlag auf der Bahnstrecke bei Weimar-Niederwalgern fünf Personenzüge vorübergehend gestoppt, wie die Deutsche Bahn berichtete. Starker Regen behinderte die Autofahrer auf der Bundesstraße 54 bei Haiger: Wegen Überschwemmungen sei die Straße am Morgen für etwa 40 Minuten gesperrt worden, teilte die Polizei mit. Auch in Schleswig-Holstein behinderte ein Blitzschlag den Betrieb einer Regionalbahn.

Wenigstens im Süden erreichte der Sommer schon einen Rekord: Der Juni 2012 geht in den Alpen als einer der wärmsten Juni-Monate in die Geschichte ein. In Österreich war es laut Zentralanstalt für Meteorologie der viertwärmste Juni der vergangenen hundert Jahre. In Deutschland sei der Juni unterm Strich aber auf normalem Temperaturniveau gewesen, teilte der DWD mit. Nur im Süden sei er etwas zu warm ausgefallen, in den nördlichen Bundesländern war es kühler als im Durchschnitt.

siu/dpa/dapd



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