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Dauerregen in Deutschland: Sandsäcke und Straßensperren

Foto: Swen Pförtner/ dpa

Dauerregen im Sommer Die Mitte Deutschlands wird überschwemmt

Der Regen ist nicht nur unangenehm, sondern langsam gefährlich: In Thüringen rief der Wetterdienst die höchste Unwetterwarnstufe aus. Im niedersächsischen Hildesheim wurde eine Notunterkunft eingerichtet.

Binnen 24 Stunden ist in Teilen Deutschlands mehr Regen heruntergekommen als gewöhnlich im ganzen Juli - und die Folgen bereiten den Einsatzkräften langsam Sorgen.

Vor allem rund um den Harz werden kleine Flüsschen breiter. In Niedersachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen müssen Rettungskräfte wegen überfluteter Straßen, vollgelaufener Keller und über die Ufer getretener Bäche ausrücken. Feuerwehr und Technisches Hilfswerk mussten am Dienstag Straßen sperren, Gebäude leerpumpen und Sandsäcke einsetzen.

Besonders stark betroffen waren neben dem Harz etwa die Region Hannover und die Landstriche unmittelbar südlich davon. Der bei Urlaubern beliebte Brocken war nicht mehr per Bahn erreichbar.

Im niedersächsischen Hildesheim drohen Überflutungen. Der Wasserstand des Flusses Innerste sei am Dienstag stark gestiegen, sagte ein Sprecher der Stadt. Sollte der bisherige Höchststand von sieben Metern überschritten werden, müsse ein Wohngebiet evakuiert werden. Davon wären laut Stadt 1100 Menschen betroffen. Sie wurden am Abend vorsorglich gewarnt.

Nach Angaben der Stadt erreichten die Wassermassen des Flusses am frühen Abend 6,50 Meter. Vor Beginn des Regens am Montag seien es 2,50 Meter gewesen. Anwohner in dem betroffenen Gebiet wurden aufgerufen, ihre Autos aus der Gefahrenzone zu bringen. Die Stadt richtete in einer Turnhalle eine Notunterkunft ein. Rettungskräfte füllten Sandsäcke. Mehrere Straßen wurden gesperrt.

In einem Betrieb drang Wasser durch das Hallendach und gefährdete die Produktion. In mehreren Stadtteilen liefen nach Angaben der Feuerwehr Keller voll, Straßen waren nicht mehr passierbar. In einem Reitverein mussten die Helfer die Pferde in Sicherheit vor den Wassermassen bringen.

Unwetterwarnung des Deutschen Wetterdienstes

Im niedersächsischen Springe trat ein Bach im Ortsteil Eldagsen über die Ufer. "Da laufen reihenweise die Keller voll", sagte Feuerwehrsprecher Stefan Quentin. Feuerwehrleute mussten immer wieder Keller auspumpen, weil das Wasser zum Teil gleich wieder nachdrückte. "Mit Sandsäcken werden an dem Bach jetzt Dämme errichtet."

In Thüringen rief der Deutsche Wetterdienst (DWD) bis Mittwochabend die höchste Unwetterwarnstufe aus. Im Nordwesten des Landes könnten innerhalb von 48 Stunden mehr als 100 Liter Regen pro Quadratmeter fallen, hieß es.

Grund für den Dauerregen ist das Tief "Alfred", das sich langsam von Südpolen nach Norden verlagert. Im niedersächsischen Alfeld fielen bis Dienstagnachmittag 115 Liter Regen pro Quadratmeter, im langjährigen Mittel gehen dort im Juli 68,5 Liter herunter.

Den zweithöchsten Spitzenwert erreichte Artern in Thüringen mit mehr als 110 Liter Regen pro Quadratmeter, sagte ein DWD-Sprecher. Das ist ziemlich genau das Doppelte der dort üblichen Juli-Menge (54,5 Liter).

In Sachsen-Anhalt stiegen wegen des Dauerregens die Wasserstände einiger Flüsse stark an. Für die Holtemme im Harz galt an einem Pegel schon die höchste Alarmstufe 4, so die Hochwasservorhersagezentrale.

Auch in Brandenburg bereitete Hochwassergefahr Sorgen. Dort sollte Weidevieh auf sichere Flächen gebracht werden, rieten Behörden unter anderem für den Elbe-Nebenfluss Stepenitz.

Dauerregen machte auch der Berliner U-Bahn Probleme: Zwei Linien konnten am Dienstagmorgen streckenweise nicht fahren. Berlin ist in diesem Sommer ein Regenloch. "Wir haben jetzt schon 304 Prozent des Mittelwerts für einen Juli gemessen", sagte Heiko Wiese, Meteorologe an der Freien Universität. "Das ist am Rand der Fahnenstange."

Nach Auskunft des DWD wird es bis Mittwoch vielerorts in Deutschland weiter regnen. In weiten Teilen Ostdeutschlands soll das schlechte Wetter laut bisheriger Vorhersage bis in die Nacht zum Donnerstag weitergehen.

Im Westen Deutschlands rechnen Experten trotz des vielen Regens nicht mit Hochwasser an Rhein, Ruhr und Mosel. "Zum derzeitigen Zeitpunkt kann man noch entspannt bleiben", sagte Martin Klimmer von der Fachstelle Gewässerkunde der Generaldirektion Wasserstraßen und Schifffahrt in Mainz. Auch das Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt in Duisburg geht zunächst nicht von Hochwasserpegeln aus.

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sun/dpa
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