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Waldbrände in Südeuropa Hitzewelle rollt jetzt auch auf Deutschland zu

In der Nähe von Madrid ist ein Mann auf offener Straße an einem Hitzschlag gestorben, Italien, Frankreich und Spanien kämpfen gegen Waldbrände. Und: In Deutschland werden Temperaturen von bis zu 40 Grad erwartet.
Temperaturanzeige in Toulouse

Temperaturanzeige in Toulouse

Foto: Valentine Chapuis / AFP

Die Hitze hat vor allem Südeuropa fest im Griff, doch nun kommen auch auf Deutschland sehr hohe Temperaturen zu: Am Dienstag wird es vielerorts mehr als 35 Grad warm, im Westen sogar bis zu 40 Grad, wie der Deutsche Wetterdienst mitteilte. Auch in weiten Teilen Südeuropas soll es heiß bleiben. In Westfrankreich gilt die höchste Hitzewarnstufe, Italien rechnet mit einer erneuten Hitzeperiode.

In Spanien ist ein Mann auf offener Straße an einem Hitzschlag gestorben. Der 50-Jährige lief nach Angaben des Rettungsdienstes am Sonntag in Torrejón de Ardoz auf der Straße entlang, als er zusammenbrach. Sanitäter konnten ihm nicht mehr helfen, seine Körpertemperatur war auf 40 Grad gestiegen, wie auch spanische Medien berichten.  

Am Sonntag stiegen die Temperaturen in Madrid auf 39 Grad, dort war am Vortag bereits ein Mitarbeiter der Straßenmeisterei an einem Hitzschlag gestorben. In Sevilla im Süden des Landes wurden 39,7 Grad gemessen; der Rekordwert von 43,3 Grad wurde aus Don Benito im Osten des Landes gemeldet.

In Spanien gab es am Sonntagabend noch etwa 30 aktive Waldbrände. Die Brände vernichteten in den vergangenen Tagen Zehntausende Hektar Land, wie der staatliche Fernsehsender RTVE unter Berufung auf die verschiedenen Regionalbehörden berichtete.

In Portugal kämpften am Sonntagabend unterdessen rund eintausend Einsatzkräfte gegen 16 aktive Waldbrände. Nach Angaben der Naturschutzbehörde ICNF vernichteten die Flammen in Portugal in einer guten Woche rund 30.000 Hektar Wald.

In beiden Ländern der iberischen Halbinsel gab es derweil in Erwartung sinkender Temperaturen Grund zur Hoffnung. In Portugal wollte die Regierung deshalb den zum Montag auslaufenden »Estado de contingência«, den dritthöchsten Notstand, nach einer Woche vorerst nicht verlängern. »In den kommenden Tagen wird ein Temperaturrückgang zwischen zwei und acht Grad erwartet«, erklärte Innenminister José Luis Carneiro. Auch in Spanien sollen die Temperaturen etwas sinken.

Die hohen Temperaturen kommen nun auch auf Großbritannien zu, wo erstmals überhaupt eine rote Wetterwarnung wegen Hitze für Montag und Dienstag gilt. Erwartet werden in großen Teilen Englands bis zu 40 Grad. Der Temperaturrekord liegt bislang bei 38,7 Grad. Die Regierung hatte wegen des erwarteten Hitzerekords den Katastrophenfall ausgerufen.

Auch Frankreich hat Menschen im Land angesichts des erwarteten Temperaturanstiegs zu besonderer Vorsicht aufgerufen. Der Wetterdienst Météo France verhängte bis Montagnachmittag für die französische Atlantikküste und weitere westliche Gebiete die höchste Warnstufe Rot. Ziemlich sicher sollen hier Temperaturrekorde gebrochen werden.

Mit der anhaltenden trockenen Hitze und heftigen Winden setzt sich südlich von Bordeaux der erbitterte Kampf gegen zwei große Waldbrände fort. Am Sonntagnachmittag verschlimmerte sich die Lage. Der Brand bei Teste-de-Buch erreichte das Meer und flammte von dort gen Süden. Wechselnde Winde ließen den Waldbrand bei Landiras wachsen. Bisher verbrannten knapp 13.000 Hektar Land in der Gegend. Mehr als 16.000 Menschen mussten ihre Häuser verlassen.

Obst und Gemüse verbrennt auf den Feldern

Neben immer wieder aufflammenden Waldbränden macht Italien auch der ausbleibende Regen zu schaffen. Der Bauernverband Coldiretti warnte am Sonntag vor Ernteverlusten von gebietsweise bis zu 70 Prozent. Obst und Gemüse verbrenne auf den Feldern, hieß es in einer Mitteilung. Betroffen seien Sorten von Paprika bis zu Melonen, Aprikosen, Tomaten und Auberginen. Auf Sizilien und Sardinien hoben die Behörden die Waldbrand-Warnstufen in manchen Teilen der Inseln erneut an. Auf Sizilien gilt örtlich bereits die höchste Stufe drei.

Auch die griechische Feuerwehr schätzt das Risiko für Waldbrände in vielen Landesteilen weiterhin als »sehr hoch« ein. Am Montag seien vor allem die Region Attika mit der Hauptstadt Athen sowie die Inseln Euböa, Kreta, Lesbos und Samos und der Nordosten der Halbinsel Peloponnes betroffen. Schwierigkeiten bereiten vor allem die teils starken Winde, die in der Ägäis wehen – sie können ein fast ersticktes Feuer im Nu wieder anheizen und vorantreiben.

In den Niederlanden ist wegen der angekündigten Hitzewelle der erste Teil einer traditionellen Wanderung mit Zehntausenden Teilnehmern abgesagt worden. Der für Dienstag vorgesehene erste Teil des »Vierdaagse«-Marschs (Viertagesmarsch) sei abgesagt worden, weil die Folgen des Wetters »zu viel Druck« auf die medizinische Betreuung ausgeübt hätten, erklärten die Organisatoren. Es ist das erste Mal in der mehr als hundertjährigen Geschichte des berühmten Ereignisses, dass eine solche Entscheidung aus Wettergründen getroffen wurde.

Zwar blieben die Niederlande von der derzeitigen Hitzewelle in Teilen Westeuropas bislang verschont. Aber am Dienstag könnte es laut dem Institut für öffentliche Gesundheit bis zu 38 Grad heiß werden.

Marburger Bund fordert nationalen Hitzeschutzplan

In Deutschland fordert der Ärzteverband Marburger Bund einen nationalen Hitzeschutzplan und eine Aufklärungskampagne. »Die Politik muss ihre Anstrengungen für Schutzmaßnahmen in Hitzephasen deutlich ausbauen«, sagte die Vorsitzende Susanne Johna dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND). Städte und Kommunen brauchten Hitzeschutzpläne, damit sich Senioreneinrichtungen oder Krankenhäuser besser auf Hitzewellen vorbereiten könnten. Wichtig seien auch konkrete Verhaltensregeln, »zum Beispiel durch eine Aufklärungskampagne«. Nötig seien Fortbildungen zu hitzebedingten Erkrankungen sowie zur sicheren Aufbewahrung von Medikamenten.

Die Gewerkschaft Ver.di verlangt Erleichterungen für Arbeitnehmer. »Bei extremer Hitze fordern wir natürlich längere Pausen oder ein früheres Ende der Arbeit – Hitzefrei – auch wenn darauf kein rechtlicher Anspruch besteht«, sagte Norbert Reuter, der Leiter der tarifpolitischen Grundsatzabteilung bei Ver.di, dem RND.

kha/dpa/AFP