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Kachelmann über die bevorstehende Hitze Sie wollen erben? Dann raten Sie Ihren Lieben, am Wochenende die Fenster zu schließen

Am Samstag und Sonntag werden teils 35 Grad erwartet. Die Hitze kommt aus Tunesien, wo der historische Temperaturrekord geknackt werden könnte. Wetterexperte Jörg Kachelmann ärgert sich über die Tipps der Behörden.
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Thomas Warnack / dpa

Wie sieht’s aus?

Wir werden am Wochenende in Deutschland zum ersten Mal in diesem Jahr die 35-Grad-Marke knacken. Schwerpunkt der Hitze wird der Südwesten sein. Über 90 Prozent der Bevölkerung werden zumindest 30 Grad erleben. Die ost- und nordfriesischen Inseln erleben am Sonnabend mit 25 bis 30 Grad einen Sommertag, an der Ostsee ist es am Sonntag am wärmsten mit immerhin 20 bis 25 Grad in Wassernähe.

Wie ist das zu erklären?

Die Hitze kommt von Nordafrika zu uns, in Tunesien wird es am Samstag bis nahe ans Mittelmeer an die 50 Grad geben, dort könnte der Allzeit-Hitzerekord fürs Land geknackt werden. Auf dem Weg übers Wasser Richtung Norden kühlt sich die Luftmasse ab, weshalb bei uns das Ganze etwas gemäßigter ankommt, auf Sardinien wird es allerdings auch über 40 Grad geben. Man kann sich den Temperaturverlauf der kommenden zehn Tage im Modellvergleich ansehen für jeden Ort .

Wie geht’s weiter?

Wie man an den Vorhersagen sieht, wird es kommende Woche schnell wieder kühler. Der Übergang wird wieder mit örtlichen Unwettern verbunden sein, schon am Samstagabend ganz im Westen, am Sonntag dann am ehesten in der Westhälfte, Richtung Montag auch weiter östlich.

Was sollte ich tun?

Wenn Sie nicht dringend erben wollen, ignorieren Sie die üblichen »Hitzetipps« von Behörden und Krankenkassen, die offenbar aktive Sterbehilfe abseits parlamentarischer Entscheidungen über die Hintertür einführen wollen. Es gibt bei uns wohl auch so viele Hitzetote, weil im Ergebnis häufig zynisch aufgefordert wird, tagsüber Fenster zu schließen und womöglich dazu noch feuchte Tücher aufzuhängen. So entlastet man die Rentenkasse und schafft Wohnraum, aber es ist nicht das, was ich mir von einer fürsorglichen Gemeinschaft erwarte. Wenn Menschen zu Hause sind und nicht in einem Schloss wohnen, ist es überlebenswichtig, dass sie steten Durchzug haben und idealerweise noch einen Ventilator vor der Nase. Nein, er macht nicht krank und auch keinen steifen Nacken. Er garantiert das Überleben. Der Player ist nicht die Temperatur, sondern die Luftfeuchtigkeit. Deswegen zwar Rollos runter, aber Fenster auf und Ventilatoren auf Dreifachwumms, damit das Schwitzgut abgeführt werden kann.

Und was tun Sie?

Ich werde wie immer traurig sein über den beispiellosen Zynismus der zu erwartenden Hitzeempfehlungen und wünsche mir, dass die Autor:innen derselben sich doch mal versuchsweise in ihr Auto setzen mögen, alle Fenster schließen (»die Hitze aussperren«) und gleichzeitig noch ein feuchtes Tuch aufhängen, um ihre Ratschläge für eine meist nur kurze Zeit selbst umzusetzen. Informieren Sie vorsichtshalber Ihre Angehörigen.