Wetter Orkan "Anna" wütet über Norddeutschland

Mit bis zu 180 Stundenkilometern ist das Tief "Anna" über Norddeutschland hinweggezogen. Rettungskräfte sind im Dauereinsatz. Mindestens drei Menschen kamen ums Leben.


Hamburg: Ein Feuerwehrmann versucht einen umgestürzten Baum vom Bürgersteig zu ziehen
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Hamburg: Ein Feuerwehrmann versucht einen umgestürzten Baum vom Bürgersteig zu ziehen

Hamburg - In Hamburg starben zwei Menschen. Sie stiegen nach Angaben eines Feuerwehrsprechers am Nachmittag in der Hansestadt aus ihrem Autos aus, als ein Baum im Wind umkippte und beide unter sich begrub. Der Notarzt habe nur noch den Tod feststellen können. Auch in Niedersachsen stürzte ein Baum auf ein Auto, dabei wurde der Fahrer getötet, zwei Kinder in dem Wagen überlebten.

Außerdem gab es in Hamburg wegen des Sturms zahlreiche Sachschäden, Bäume kippten auch auf U-Bahngleise und Straßen. Die Rettungskräfte hatten bis 18 Uhr 850 Einsätze. Der U-Bahn-Verkehr musste teilweise eingestellt werden. Fußgänger wurden im Radio vor herumfliegenden Teilen gewarnt. Auch der Bahnverkehr wurde behindert.

Am späten Dienstagnachmittag erreichte der Orkan "Anna" in Norddeutschland eine Spitzengeschwindigkeit von 180 Stundenkilometern. Dieser Wert wurde nach Angaben von Jörg Kachelmann vom Wetterdienst Meteomedia im schleswig-holsteinischen Elpersbüttel gemessen. "Dieser Orkan ist einer der fettesten Sorte", sagte Kachelmann. Auch auf den nordfriesischen Inseln tobte der Orkan: Auf Amrum wurden 150 und auf Sylt 144 Stundenkilometer gemessen. Ab 118 km/h sprechen Meteorologen von einem Orkan.

Ein umgestürzter Baum behinderte den Zugverkehr auf der ICE-Strecke Hannover-Hamburg. Nach Angaben der Deutschen Bahn AG fiel der Baum wegen des starken Windes auf die Gleise bei Deutsch Evern im Kreis Lüneburg. Die Strecke wurde für eine Stunde voll gesperrt und war danach nur eingleisig befahrbar.

Im Harz kam es auch zu starken Regenfällen, Graupelschauern und Windgeschwindigkeiten von bis zu 166 Kilometern pro Stunde. Das teilte die Wetterstation auf dem Brocken mit.

In Hannover deckte "Anna" nach Angaben der Feuerwehr das Dach einer etwa hundert Meter langen Häuserzeile ab. Im Hafen von Emden riss sich kurzfristig ein Autofrachter durch die Kraft des Sturms los. Auf der Autobahn A 7 bei Schwarmstedt kippte nach Polizeiangaben ein Autoanhänger um. In Wilhelmshaven wurde eine Autofahrerin verletzt, als eine Pappel auf ihr Auto stürzte. Dort deckte der Sturm nach Polizeiangaben Dutzende Häuserdächer ab.

In Bielefeld wurde ein älteres Ehepaar beim Spazierengehen von einem herab fallenden Ast schwer verletzt. Wegen starken Seitenwinds stürzte in der Gemeinde Gescher ein Lkw-Anhänger von der Fahrbahn ab. In der Ortschaft Heek wurde ein unbeladener Lkw von der Fahrbahn geweht. Auf dem Feldberg im Schwarzwald wurde am Mittag laut Wetterdienst bereits 126 Stundenkilometer gemessen.

In den schleswig-holsteinischen Westküstenkreisen entwurzelte der Sturm zahlreiche Bäume. In Itzehoe blockierte eine umgeknickte Tanne den Verkehr erheblich. Im Kreis Nordfriesland deckte der Sturm außerdem zahlreiche Dächer ab. Die Feuerwehr musste etliche Schornsteine sichern, wie ein Polizeisprecher mitteilte. Auf der Bundesstraße 5 bei Witzwort wehte der Wind einen Wohnwagen um; dem Fahrer des Gespanns passierte jedoch nichts. In Glückstadt wurde ein Toilettenhäuschen durch die Luft gewirbelt. In Marne im Kreis Dithmarschen kam es während des Sturms zu einem Stromausfall.



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