Wetter Auch in der Nacht tobten Unwetter über Deutschland

Im Bahnverkehr gibt es wegen der Unwetter weiter große Störungen. Die schweren Stürme zogen in der Nacht in Richtung Osten ab. Nun soll sich das Wetter beruhigen.

DPA

Heftige Unwetter sind in der Nacht zum Freitag über Deutschland hinweggezogen. Betroffen waren vor allem die östlichen Bundesländer und Berlin. In der Hauptstadt fielen an den Flughäfen Schönefeld und Tegel in der Nacht erneut Flüge aus oder starteten verspätet, wie die Flughafengesellschaft mitteilte.

"In Tegel erwarten wir, dass bis 9 Uhr alles wieder planmäßig läuft, in Schönefeld im Laufe des Vormittags", sagte ein Sprecher. Dennoch könne es weiterhin zu Verspätungen kommen. An gestrandete Reisende wurden nach Angaben des Sprechers Decken und Wasser verteilt, Feldbetten wurden aufgestellt.

In Brandenburg musste die Polizei laut RBB zu knapp 20 Verkehrsunfällen ausrücken. Zudem seien Bäume entwurzelt und Ziegel von Dächern geweht worden, größere Schäden seien in der Nacht jedoch nicht bekannt geworden. In Berlin wurde ein Radfahrer dem Bericht zufolge von einem umstürzenden Baum eingeklemmt und verletzt. In einigen Straßen habe das Wasser knapp einen halben Meter hoch gestanden. Die Feuerwehr rechnete mit weiteren vollgelaufen Kellern.

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Unwetter: Umgestürzte Bäume, gesperrte Bahnstrecken

In Thüringen schlugen Blitze in drei Wohngebäude ein, wie die Landeseinsatzzentrale in Erfurt mitteilte. Wegen eines Erdrutschs musste eine Landstraße im Landkreis Nordhausen gesperrt werden. Auch im Süden Deutschlands gewitterte es am späten Donnerstagabend heftig, das große Chaos blieb dort aber aus. Zuvor hatten schwere Stürme vor allem im Norden Deutschlands schwere Verwüstungen angerichtet, zwei Menschen kamen bei wetterbedingten Unfällen in Niedersachsen ums Leben.

Ein 50-Jähriger wurde in der Nähe von Uelzen in einem Auto von einem umstürzenden Baum erschlagen. Im Kreis Gifhorn starb eine 83 Jahre alte Frau, nachdem sie mit ihrem Auto durch das Geäst eines umgestürzten Baumes gefahren war.

Video: Wetterleuchten in Berlin

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Am Bremer Hauptbahnhof waren nach Polizeiangaben zeitweise mehr als 800 Menschen gestrandet. Sie wurden versorgt, kamen in umliegenden Hotels unter oder setzten ihre Reise mit anderen Verkehrsmitteln fort. In Hamburg, Hannover, Bremen und Kassel stellte die Bahn Züge mit Schlafwagen als Notunterkünfte bereit.

Die wichtige Ost-West-Fernverkehrsstrecke zwischen Berlin und Düsseldorf ist seit den frühen Morgenstunden wegen Unwetterschäden zwischen Bielefeld und Gütersloh gesperrt, wie die Bahn mitteilte. Die Züge werden umgeleitet. Auch der Regionalverkehr sei betroffen, sagte eine Bahnsprecherin.

Am Morgen war zudem die Route zwischen Hamburg und Hannover weiterhin gesperrt. Auch im Raum Magdeburg kam es noch zu Einschränkungen. Die Strecke zwischen Hamburg und Bremen war in der Nacht hingegen wieder freigegeben worden. Mit Verspätungen und einzelnen Zugausfällen müsse dort aber weiterhin gerechnet werden, sagte die Sprecherin. Reisende wurden aufgefordert, sich vor Antritt der Fahrt über die aktuelle Lage auf der Internetseite der Bahn zu informieren.

In Hannover musste ein Guns-N'-Roses-Konzert unterbrochen werden. Die Band spielte die Show vor 70.000 Zuschauern später zu Ende. Die Feuerwehr musste in der Stadt zu mehr als 500 Einsätzen ausrücken. In einen Versorgungsschacht des Hauptbahnhofs drangen mehr als 60.000 Liter Wasser ein. Auch die Gänge des Gebäudes waren großflächig vom Regen überspült. In der Kinderklinik auf der Bult wurde ein OP-Bereich überflutet.

Besucher beim "Hurricane"-Festival in Scheeßel bei Bremen flohen am Abend kurzzeitig vor dem Regen in ihre Autos. Der Veranstalter bat anreisende Gäste, möglichst erst am Freitag zu kommen. In Hamburg wurde das Konzert von Schlagerstar Andreas Gabalier abgesagt. In der Hansestadt war zudem ein Tornado gesichtet worden.

Am späten Nachmittag erwischte es auch Hessen. Vor allem die Mitte und der Norden des Landes waren betroffen. In Kassel schlug der Blitz in einen Schornstein ein. Eine 67-jährige Bewohnerin wurde von herabfallenden Trümmerteilen getroffen und leicht verletzt. In Gießen rückte die Polizei zu insgesamt 95 Einsätzen aus. Der Zugverkehr im Gießener Großraum war unterbrochen.

Der Süden Deutschlands war nach Hitzerekorden am Tag bis zum Abend verschont geblieben. Dann zogen auch hier in manchen Regionen Bayerns heftige Unwetter durch. Polizeisprecher berichteten von umgestürzten Bäumen, abgedeckten Dächern und vollgelaufenen Kellern. Verletzte oder höhere Sachschäden gab es aber nicht.

In der Nacht zogen die Unwetter dann über Berlin und die östlichen Bundesländer in Richtung Osten ab. Am frühen Morgen hob der Deutsche Wetterdienst (DWD) viele seiner Warnungen auf. Mit weiteren Gewittern ist am Freitag nur noch in Südbayern, südlich der Donau zu rechnen. "Dabei kann es vereinzelt auch zu Starkregen und größeren Hagelkörnern kommen", sagte ein Sprecher des DWD. In den anderen Bundesländern hört mit den Unwettern auch die große Hitze auf.

An Nord- und Ostsee fallen die Temperaturen am Freitag laut Prognose auf 17 bis 20 Grad. Im mittleren Deutschland ist mit Temperaturen von bis zu 25 Grad zu rechnen. Heiß soll es am Oberrhein und in Freiburg mit Temperaturen von bis zu 33 Grad bleiben.

Berlin: Blitze schlagen in Fernsehturm ein

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wit/dpa



insgesamt 3 Beiträge
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Hofnarr1 23.06.2017
1. Dauerproblem bei der Bahn
Bäume die in Oberleitung oder auf Gleise stürzen, wären kein ständiges Problem mehr, wenn man die Schutzbereiche neben den Trassen (wieder) vergrößern würde. Aber das kostet natürlich Geld, offenbar mehr als Reparaturen und Entschädigungen. Wieder an der falschen Stelle gespart?
moev 23.06.2017
2.
Geld kostet das vor allem wegen den unzähligen Prozessen von dutzenden Ortsgruppe die grade diesen oder jenen Baumbestand retten wollen.
forumgehts? 25.06.2017
3. Ja, ja,
ds Wetter! Da seit 19.6. alle meine Beiträge bei spon zensiert werden, brauche ich mir wohl auch zu diesem Thema wohl keine Forumsgedanken machen. Die Deahanken sihind frei, man soll sie nicht äussern ......
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