Zwei Orkantiefs nacheinander Sturmfronten erreichen Deutschland – Warnung vor Flut

Gleich zwei Orkantiefs ziehen in kurzer Zeit über Deutschland, der Wind dreht mächtig auf. In NRW und einigen anderen Bundesländern müssen die Kinder nicht zum Unterricht. Die Bahn warnt vor Zugausfällen. Der Überblick.
Dunkle Wolken am Himmel über Stuttgart: Sturmtief Ylenia bringt Regen und starken Wind

Dunkle Wolken am Himmel über Stuttgart: Sturmtief Ylenia bringt Regen und starken Wind

Foto: Bernd Weißbrod / dpa

Zwei Orkantiefs in schneller Folge haben Unwetterwarnungen in vielen Teilen Deutschlands zur Folge. An der Nordsee besteht die Gefahr einer Sturmflut. Schon am Mittwochabend soll der Wind den Vorhersagen zufolge mächtig aufdrehen, teils könnte er Orkanstärke erreichen.

Warum die Unwetterwarnung?

Der Deutsche Wetterdienst (DWD) in Offenbach gab für Mittwochabend bis Donnerstagabend eine Unwetterwarnung  hauptsächlich für die nördliche Hälfte des Landes heraus. »Es fängt im Nordwesten an und zieht dann Richtung Südosten bis etwa zur Mitte Deutschlands«, sagte DWD-Meteorologe Adrian Lyser. Es seien Orkanböen mit einem Tempo von bis zu 120 Kilometern pro Stunde möglich. In einigen Regionen – etwa im Harz – gingen die Vorhersagen sogar darüber hinaus.

Ab Donnerstagnachmittag lässt der Wind von Tief »Ylenia« laut DWD zwar langsam nach. Die Verschnaufpause dürfte jedoch nur kurz sein. Bereits für Freitagmittag wird das nächste Orkantief – »Zeynep« genannt – von den Britischen Inseln kommend erwartet. Die Vorhersage sei zwar noch recht unsicher, allerdings dürfte es ab dem Abend sowie in der Nacht zum Samstag in einigen Regionen Deutschlands »wieder ordentlich zur Sache gehen mit orkanartigen Böen und Orkanböen«.

Laut DWD wird wahrscheinlich wieder vor allem die nördliche Hälfte betroffen sein. Doch die Prognosen seien hierbei nicht ganz sicher: »Die Modelle haben da immer noch sehr unterschiedliche Simulationen«, sagte der Pressesprecher und Meteorologe Andreas Friedrich. Die Wetterlage sei sehr dynamisch.

Dunkle Wolken über Siegen: Orkantiefs im Anmarsch

Dunkle Wolken über Siegen: Orkantiefs im Anmarsch

Foto: Rene Traut / IMAGO

Welche Gefahren drohen?

Vielerorts warnen die Behörden insbesondere vor dem Betreten von Parkanlagen und Wäldern, so etwa in den Millionenstädten Berlin und Hamburg. Feuerwehren gehen bundesweit in erhöhte Alarmbereitschaft und stellen sich auf zahlreiche Sturmeinsätze ein. Auch im Süden Deutschlands treffen die Behörden Vorkehrungen.

  • Nordseeküste: Sturmflut befürchtet

Das Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH) warnt  für die Nordseeküste vor der Gefahr einer Sturmflut in der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag. An der nordfriesischen Küste und im Weser- und Elbegebiet wird das Hochwasser ein bis anderthalb Meter höher sein als normal, wie das BSH mitteilte.

Im Hamburger Elbegebiet erreiche es Werte, die anderthalb bis zwei Meter höher als das mittlere Hochwasser lägen. Die Sturmflutgefahr besteht bis etwa 5.00 Uhr am Donnerstagmorgen.

Die Wyker Dampfschiffs-Reederei kündigte an , dass die Fahrten zwischen Schlüttsiel in Nordfriesland und den Halligen am Donnerstag nicht stattfinden.

An der Nordseeküste spricht man von einer Sturmflut, wenn das Hochwasser mindestens anderthalb Meter höher als normal aufläuft.

  • Berlin und Brandenburg: Orkan in der Hauptstadt

Auch in der Hauptstadt rechnet man mit einem Orkan. Bereits am Mittwoch fegen Wind- und Sturmböen über Berlin und Brandenburg hinweg. Abends sollen hier Windgeschwindigkeiten zwischen 80 und 110 km/h erreicht werden. Die amtliche Unwetterwarnung gilt zunächst bis Donnerstag, 18 Uhr. Der Berliner Bezirk Mitte warnte wegen morscher Bäume für Mittwoch und Donnerstag »ausdrücklich und dringend« vor dem Betreten von Parks. Zoo und Tierpark in Berlin machen aus Sicherheitsgründen am Donnerstag zu.

  • Vorsicht unter Bäumen

Meteorologen riefen dazu auf, Fenster und Türen zu schließen, Gegenstände im Freien zu sichern und Abstand von Gebäuden, Bäumen, Gerüsten sowie Hochspannungsleitungen zu halten. Generell solle man den Aufenthalt im Freien vermeiden, erklärte der DWD in Offenbach. Unter anderem in Thüringen wurde zudem vor Waldspaziergängen gewarnt.

Müssen die Kinder in die Schule?

Wegen der Unwetterwarnungen ist für Nordrhein-Westfalen am Donnerstag ein landesweiter Unterrichtsausfall angeordnet worden. Das kündigte Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP) am Mittwoch im Düsseldorfer Landtag an. Familienminister Joachim Stamp (FDP) appellierte zudem an alle Eltern, ihre Kinder am Donnerstag zu Hause zu betreuen statt in die Kita oder Kindertagespflege zu schicken.

Das Bildungsministerium im Saarland stellt den Schulbesuch in den nächsten beiden Tagen frei. »Bei extremen Witterungsverhältnissen entscheiden grundsätzlich die Erziehungsberechtigten am Morgen, ob der Schulweg für ihre Kinder zumutbar ist«, teilte das Ministerium mit. Volljährige Schüler entschieden selbst. Wer dem Unterricht fernbleibe, müsse die Schule benachrichtigen. Auch in den Schulen in Rheinland-Pfalz, Brandenburg, Schleswig-Holstein sowie Teilen Niedersachsens besteht am Donnerstag keine Präsenzpflicht.

ICE in Berlin (Archivbild): Warnung vor Streckensperrungen

ICE in Berlin (Archivbild): Warnung vor Streckensperrungen

Foto: Paul Zinken / dpa

Fährt die Bahn?

Die Deutsche Bahn  warnte am Mittwoch bereits vorsorglich vor möglichen Streckensperrungen und Zugausfällen. Auswirkungen des Unwetters auf den Bahnverkehr seien bundesweit möglich, erklärte das Unternehmen. Für den Zeitraum Donnerstag/Freitag würden Kulanzregelungen für die Gültigkeit bereits gekaufter Fernverkehrstickets gelten. Möglich seien eine flexiblere Nutzung über mehrere Tage oder kostenfreie Stornierung. Die Bahn riet, sich über mögliche Verspätungen oder Zugausfälle zu informieren.

Hatten wir nicht gerade erst einen schweren Sturm?

Bereits Ende Januar war das Sturmtief »Nadia« mit gefährlichen Böen über Nord- und Ostdeutschland gefegt und hatte Millionenschäden verursacht. Im brandenburgischen Beelitz kam ein Fußgänger ums Leben, weil ein großes Wahlplakat umgeweht wurde und auf ihn stürzte. Etwa eine Woche später waren Ausläufer von Sturmtief »Roxana« über Teile Deutschlands gefegt.

Nach Ansicht des DWD-Meteorologen Andreas Friedrich sind die erwarteten Stürme, was die Windspitzen angehe, mit Tief »Nadia« vergleichbar. Die aktuelle Lage sei aus seiner Sicht allerdings brisanter, »weil wir eine Kette von Sturmtiefs haben«.

ptz/dpa/AFP
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.