"Massive Überflutungen" befürchtet Drohender Dammbruch - Stadt in England evakuiert

In Großbritannien haben Tausende Menschen ihre Wohnungen verlassen, weil ein Staudamm brechen könnte. Helfer versuchen, die Katastrophe noch abzuwenden. Die Behörden stellen sich auf den Ernstfall ein.

Danny Lawson/PA/AP

Die englische Stadt Whaley Bridge droht von den Auswirkungen eines möglichen Dammbruchs verwüstet zu werden. Einsatzkräfte haben Tausende Menschen in Sicherheit gebracht, in der Nacht hatten die Behörden zudem einen Hubschrauber zur Unterstützung angefordert.

Der Transport-Helikopter vom Typ "Chinook" werfe schwere Säcke mit einer Mischung aus Sand, Kies und Schotter ab, um umliegende Wasserläufe umzuleiten, berichteten Lokalmedien. Auf diese Weise solle Druck von der Staumauer des Toddbrook Reservoirs genommen werden, berichteten unter anderem die Agentur PA und der Sender BBC.

Die stellvertretende Polizeichefin der Region, Rachel Swann, wollte sich nicht zu den Erfolgsaussichten des Einsatzes äußern. "Derzeit ist die Zukunft des Damms ungewiss", sagte sie, "daher möchte ich die Menschen an die Gefahr erinnern, die ihnen droht, sollte der Damm brechen."

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Drohender Dammbruch: Das Drama von Whaley Bridge

Durch tagelange heftige Regenfälle sei das Toddbrook Reservoir nahe dem Städtchen südöstlich von Manchester schwer beschädigt worden, teilte die Umweltbehörde mit. Der Pegel des Flusses River Goyt könne schnell steigen, sollte Wasser aus dem Staudamm austreten.

Ein Vertreter der Flussbehörde sagte, man könne "frühestens nach 24 Stunden" sagen, ob ein Dammbruch ausgeschlossen werden könne. Experten befürchteten zudem, dass ein beschädigter Überlauf endgültig zusammenbrechen und "massive Überflutungen" auslösen könne. Die Feuerwehr versucht, mit Hochleistungspumpen den Pegel des Stausees zu senken - dieser soll etwa 1,3 Millionen Tonnen Wasser enthalten.

Es bestehe Lebensgefahr, warnte die Polizei. Menschen sollten der Gegend fernbleiben. Viele der etwa 6500 Einwohner von Whaley Bridge versammelten sich in einer Schule im Nachbarort Chapel-en-le-Frith, um dort weitere Informationen zu erhalten. Sie sollten ihre Haustiere und auch Medikamente mitnehmen.

"Wie eine Geisterstadt"

Die Polizei rief alle Anwohner auf, bei Freunden und Verwandten in der Umgebung Unterschlupf zu suchen. Den übrigen Menschen sei in den umliegenden Ortschaften Unterkunft in Pubs und Gemeindehallen angeboten worden, hieß es laut BBC. Wegen der Gefahrenlage wurden in der Umgebung mehrere Straßen sowie Bahnstrecken gesperrt. Zudem wurde in der Nähe der Stadt ein Pfadfinderlager mit 4500 Teilnehmern aus 23 Ländern abgebrochen.

Teile des Orts seien "wie eine Geisterstadt", berichtete ein Einheimischer der BBC. "Das ist hier ziemlich verlassen." Einwohner gingen davon aus, dass im Falle eines Dammbruchs ihr Ort weitgehend zerstört würde. Die Wassermassen flössen dann direkt durch den Ort, sagte der Anwohner David Holt dem Sender Sky News.

Auf Luftaufnahmen ist eine erhebliche Beschädigung des Staudamms an einer Stelle zu erkennen. Das Toddbrook Reservoir stammt Berichten zufolge aus dem 19. Jahrhundert. Kem Mehmet von der Polizei in Derbyshire betonte, dass es Pläne für jedes Szenario gebe - auch für den Fall des Dammbruchs.

mxw/dpa

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