Weltgesundheitsorganisation Expertenkommission soll über Genmanipulation am Menschen beraten

Der Fall der mutmaßlich genmanipulierten Babys in China sorgt für Aufregung. Nun will die WHO die Frage klären, ob solche Behandlungen in Erwägung gezogen werden dürfen oder nicht.

Präsentation des chinesischen Forschers He Jiankui
ALEX HOFFORD/EPA-EFE/REX

Präsentation des chinesischen Forschers He Jiankui


Der Chef der Weltgesundheitsorganisation (WHO) will Genom-Manipulation an Keimzellen nicht von vornherein als Therapie bei Krankheiten ausschließen. Im November hatte ein chinesischer Forscher die angeblich erste Geburt von Babys mit manipulierten Genomen in China bekanntgegeben. Dies hatte weltweit einen Sturm der Entrüstung ausgelöst.

Die WHO sei dabei, ein Expertengremium einzuberufen, um alle Aspekte der umstrittenen Technik zu untersuchen, sagte WHO-Generalsekretär Tedros Adhanom Ghebreyesus in Genf.

"Genom-Editierung wirft ethische, soziale und Sicherheitsfragen auf", sagte Tedros. "Es ist gut, wenn Experten sich hinsetzen und sich aller Fragen annehmen, um zu sehen, wie die Methode eingesetzt werden kann." Ausgangsfrage müsse sein, ob solche Methoden überhaupt in Erwägung gezogen werden sollen.

Forscher He Jiankui von der Southern University of Science and Technology in Shenzhen hat nach eigenen Angaben das Genom der vor Kurzem geborenen Zwillingsmädchen Lulu und Nana bei der künstlichen Befruchtung manipuliert, um sie vor einer möglichen Infektion mit dem Aids-Erreger zu schützen.

sth/dpa



insgesamt 2 Beiträge
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markus333 04.12.2018
1. Patente einschränken
Bevor man über solche Dinge diskutiert, sollte man durch ein reformiertes Patentrecht erst mal sicherstellen, dass nicht am Ende diejenigen, die alle roten Linien überfahren haben, milliardenschwere Patente in USA und der EU zugesprochen bekommen. Verbrechen lohnen sich hier oft, weil z.B. das Europäische Patentamt extraterritorial ist, damit keinem nationalen Recht unterliegt und oft schlicht formal urteilt. Moral kommt in diesem Kontext nicht vor.
rohfleischesser 04.12.2018
2.
Ich kann an dem Verhalten des Arztes nichts Verwerfliches erkennen. Er hat mit dieser Aktion einem Paar bei einem Kinderwunsch geholfen, bei dem offenbar ein Partner HIV-positiv war. Ob erfolgreich oder nicht - technisch ist das vom Ansatz her mit CRISPR/cas inzwischen längst machbar und nichtmal mehr ein besonders großer Aufwand. Die Ethikkommission möge sich auskäsen. Ich würde es jedoch begrüßen, neben den obligatorischen in der Sache ahnungslosen, aber von der Heiligkeit des Lebens brabbelnden Kirchenmännern mit folgerichtig prinzipiellen Bedenken auch ein paar Worte sachkundiger Mediziner in der Debatte zu vernehmen, die einmal die Tragweite der möglichen Zukunftsanwendungen skizzieren - positiv wie negativ.
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