Wiederverheiratete Katholiken Bistümer tun sich schwer mit Freiburger Vorstoß

Die deutschen Bischöfe reagieren mehrheitlich verhalten auf den Freiburg Vorstoß zum Umgang mit geschiedenen und wiederverheirateten Katholiken. Eine vorsichtige Annäherung gibt es im Erzbistum Bamberg: Dort sollen die Pfarrer selbst entscheiden dürfen.

Bamberger Erzbischof Schick: "Vor Ort auf der Ebene der Pfarrei entscheiden"
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Bamberger Erzbischof Schick: "Vor Ort auf der Ebene der Pfarrei entscheiden"


Bamberg/Freiburg - Die katholische Kirche in Deutschland ringt um eine Neupositionierung beim Umgang mit Geschiedenen. Ein Vorstoß des Erzbistums Freiburg, Wiederverheiratete zu Beichte und Kommunion zuzulassen, stieß auf ein gemischtes Echo. Während der Erzbischof von München und Freising, Kardinal Reinhard Marx, auf Distanz ging, gab es von seinem Bamberger Kollegen Ludwig Schick vorsichtige Unterstützung.

Ein Sprecher von Marx bezeichnete den Vorstoß zurückhaltend als "Beitrag zu einem noch nicht abgeschlossenen Diskussionsprozess". Marx wolle in dieser schwierigen Frage eine Lösung im Einklang mit der Weltkirche.

"Geschiedene und Wiederverheiratete haben ihren Platz in der Kirche und dürfen nicht ausgegrenzt werden", heißt es in einer Stellungnahme des Erzbistums Bamberg. Die Kirche müsse ihnen barmherzig und "dem Evangelium gemäß" begegnen. "Wie das konkret geschieht, muss vor Ort im Einzelfall auf der Ebene der Pfarrei entschieden werden."

Auf Nachfrage bestätigte Bistumssprecher Harry Luck, damit liege die Entscheidung beim jeweiligen Pfarrer. Ob diese Freiheit auch die Zulassung zur Kommunion umfasse, ließ er offen. Erzbischof Schick ist Mitglied in einer von der Bischofskonferenz eingesetzten Arbeitsgruppe zum Umgang mit wiederverheirateten Geschiedenen. Im Januar soll die Kommission ihren Bericht vorlegen.

Kritik am Freiburger Alleingang

Verhaltener reagierte man im Bistum Speyer: "Wir nehmen die Inhalte dieser neuen Handreichung aus der Erzdiözese Freiburg mit Interesse zur Kenntnis", erklärte der Bistumssprecher Herr. Beim Umgang mit Geschiedenen gebe es "keine Patentrezepte und keine einfachen Lösungen". Das Bistum Speyer werde mit der gebotenen Ruhe und Sorgfalt prüfen, ob von der Freiburger Handreichung positive Anregungen und Impulse für die Seelsorge im Bistum Speyer ausgehen können.

Kritik kam aus Eichstätt, wo man offenbar wenig begeistert ist vom Vorpreschen in Freiburg: "Richtlinien für pastorales Handeln im Zusammenhang mit der Frage des Kommunionempfangs sollten einheitlich geregelt und nicht von jeder Diözese individuell formuliert werden", hieß es in einer Mitteilung des Bistums. "Die Glaubwürdigkeit und pastorale Klugheit erfordert gerade in dieser Frage eine einheitliche Praxis über Bistumsgrenzen hinweg."

Die Reaktionen aus Speyer, Eichstätt und München zeigen: Man tut sich schwer mit dem Freiburger Schritt in die Lebenswirklichkeit der Gläubigen. Klare Aussagen will keiner treffen, man zieht sich zurück auf die Position, dass es einen Alleingang in dieser Frage nicht geben soll.

Bei der Deutschen Bischofskonferenz wollte man die Initiative nicht kommentieren; stattdessen verwies Sprecher Matthias Kopp auf die Arbeitsgruppe zum Thema.

"Hoffnung für betroffene Ehepaare"

Der Osnabrücker Bischof Franz-Josef Bode sagte: "Alle intensiven Bemühungen um eine möglichst differenzierte Seelsorge für und mit wiederverheiratet Geschiedenen sind zu begrüßen, so auch die im Erzbistum Freiburg." Das Bistum Hildesheim wies darauf hin, dass es eine Öffnung wie nun in Freiburg angekündigt bereits seit mehr als 20 Jahren praktiziere.

Positiv nahm den Vorstoß aus Freiburg die Reformbewegung "Wir sind Kirche" auf. "Jetzt besteht für viele betroffene Ehepaare wieder Hoffnung", sagte Sprecherin Sigrid Grabmeier. Die neue Regelung befreie "nicht wenige ungehorsame Pfarrerdavon, weiterhin etwas zu tun, was pastoral notwendig war und auch getan wurde, aber offiziell nicht erlaubt war". Die lebenslange Ausgrenzung vom Sakramentenempfang und anderen kirchlichen Vollzügen widerspreche dem christlichen Gebot der Barmherzigkeit, heißt es in einer Stellungnahme der Gruppe.

Das Zentralkomitee der deutschen Katholiken begrüßte den Vorstoß. "Es werden Wege aufgezeigt, wie für Menschen, denen der Glaube wichtig ist, wieder der Weg geöffnet werden kann zur vollen Teilnahme am kirchlichen Leben", sagte Präsident Alois Glück dem Bayerischen Rundfunk. Die Katholische Frauengemeinschaft befürwortete eine Öffnung für Wiederverheiratete. Man hoffe, dass die Freiburger Handreichung "Beispielcharakter hat und sich weitere Diözesen anschließen", sagte die Vorsitzende Maria Theresia Opladen.

Die Diözese Freiburg hatte am Montag angekündigt, geschiedenen Katholiken nach einer erneuten Heirat nicht mehr grundsätzlich die Kommunion und andere Sakramente zu verwehren. Eine Wiederheirat nach einer Scheidung gilt in der katholischen Lehre als Sünde. Die katholische Kirche diskutiert zurzeit zahlreiche Reformen, nachdem Papst Franziskus im September eindringlich zu einem Kurswechsel aufgerufen hatte.

rls/bim/dpa



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