Wildtier-Alarm Der Bär ist weg - und überall

Irgendwo in Österreich soll er sich herumtreiben, der Braunbär. Inzwischen ist er untergetaucht, aber überall präsent. Während die einen mit ihm werben, sinnieren die anderen über Jagdmethoden. Ein paar Brüder haben sich sogar seinetwegen verkracht.


Hamburg - Als hätte er geahnt, dass man ihn sowohl in Österreich als auch in Bayern zum Abschuss freigeben hat: Seit der Nacht zum Montag ist der Bär spurlos verschwunden. "Wir vermuten, dass er über die Grenze nach Österreich zurück ist", sagte der Sprecher des Landratsamtes Garmisch-Partenkirchen, Wolfgang Olexiuk, heute. Sieben Jäger hatten den Bären am Tag zuvor in den bayerischen Wäldern gesucht.

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Roman Heflik

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Inzwischen hat man sich schon ausführlich Gedanken gemacht, wie man das Tier zur Strecke bringen will. So erwägt das bayerische Umweltministerium, auch Hunde bei der Suche einzusetzen. Anschließend könnte der Bär mit einer Narkosespritze aus einem Blasrohr betäubt und dann gefangen werden. Dieses Verfahren hat der Direktor des Münchner Tierparks Hellabrunn, Henning Wiesner, angeboten. Der Direktor hat bereits einige Erfahrung mit der Technik gesammelt: So betäubte er auch schon Pumas, Tiger und Elefanten per Blasrohr.

Die Methode würde auch die vielen Tierschützer glücklich machen, die sich heute wieder vehement dafür aussprachen, das Tier lebend zu fangen. So teilte etwa die Naturschutzorganisation Worldwide Fund for Nature (WWF) mit, sie unterstütze eine Initiative der Tierschutzorganisationen "Vier Pfoten" und "Stiftung Bären", ein Wildgehege für den Bären bereitzustellen. "Wir tun, was wir können, um den Bären lebendig zu erwischen", sagte WWF-Sprecher Christoph Heinrich.

Fangen oder schießen - so sehr bewegt die Frage die Gemüter, dass sich nun in Tirol zwei Brüder darüber zerstritten haben. Der Landesrat Anton Steixner hatte dort den Abschuss des Bären angeordnet, weil dieser "abnormes Verhalten" zeige. Sein Bruder Paul, oberster Jäger Tirols, hält den Schießbefehl dagegen für "völlig überzogen und gefährlich". Er kritisierte die Entscheidung des Bruders zudem als "völlig übereilt".

Während die einen sich streiten, freuen sich die anderen: Sowohl die Versicherungs- als auch die Reisebranche hat das Tier als Werbeträger entdeckt. So erklärten sich gleich mehrere Versicherungskonzerne heute bereit, die Kosten für die Schäden zu übernehmen, die der Bär im bayerisch-österreichischen Grenzgebiet angerichtet hat - und sicher hätten die Firmen nichts dagegen, wenn man ihre Namen an dieser Stelle erwähnen würde.

Clevere Hoteliers in Garmisch-Partenkirchen wiederum haben bereits ein Pauschalpaket geschnürt, um sich auf den vermuteten Touristen-Ansturm vorzubereiten. Für Kurzurlauber gibt es nun ein Drei-Tage-Angebot: Ab 169 Euro können sich abenteuerlustige Touristen mit Tourenführer und Lunchpaket auf die Spuren des Raubtiers begeben.

str/dpa/ddp/AFP



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