Winnenden-Gedenkfeier Bundespräsident fordert schärferes Waffenrecht

Bei der Gedenkfeier zum Amoklauf von Winnenden hat Bundespräsident Köhler weitere Beschränkungen für den Zugang zu Waffen gefordert. Der Innenexperte der CDU, Wolfgang Bosbach, wies diese Forderungen strikt zurück.
Bundespräsident Horst Köhler: "Wir können darauf achten, dass niemand abseits bleibt"

Bundespräsident Horst Köhler: "Wir können darauf achten, dass niemand abseits bleibt"

Foto: DDP

Winnenden - Bei der Gedenkfeier am Donnerstag in Winnenden sagte Bundespräsident Horst Köhler: "Es kann auch viel geschehen - noch mehr als bisher - damit gefährdete Menschen nicht an Schusswaffen gelangen und Schulen und ähnliche Orte noch besser vor Anschlägen geschützt sind."

Über die Frage, was getan werden könne und müsse, um solche Schrecken zu verhindern, habe er viele Gespräche geführt mit Psychologen und mit Experten für Waffenrecht, mit Abgeordneten und Ministern, mit Medienfachleuten und Polizisten, sagte der Bundespräsident. Er forderte die Politik auf, das Waffenrecht weiter zu verschärfen. Die jüngste Novellierung des Waffengesetzes durch den Bundestag sei ein Zeichen dafür, dass ein Umdenken begonnen habe. "Die Parlamente und die Regierungen des Bundes und der Länder sollten diesen Prozess weiter voranbringen und begleiten - und die Schützenvereine sollten ihnen dabei helfen", fügte er hinzu.

Am 11. März2009 hatte ein 17-jähriger ehemaliger Schüler an der Albertville-Realschule acht Schülerinnen, einen Schüler und drei Lehrerinnen erschossen. Auf seiner Flucht tötete er drei weitere Menschen und sich selbst. Die Waffe hatte er unverschlossen im Schlafzimmer seiner Eltern gefunden.

"Meine Frau und ich, wir sind hierhergekommen, um diesen Tag mit Ihnen zu teilen", sagte Köhler in seiner Ansprache. "Da ist viel Schlimmes, was wir teilen müssen: Einsamkeit. Leere. Sinnlosigkeit. Verzweiflung. Angst. Und auch Hass." Er nannte die Namen der toten acht Schülerinnen, des Schülers, der drei Lehrerinnen und der drei Männer, die der Täter auf seiner Flucht tötete. "Und ich füge auch heute hinzu: Auch die Familie des Täters hat ein Kind verloren. Auch für sie ist eine Welt zusammengebrochen", sagte Köhler.

"Wir können darauf achten, dass niemand abseits bleibt"

Köhler appellierte an die Gesellschaft, sich gemeinsam gegen eine drohende Verrohung zur Wehr zu setzen und Grenzen zu ziehen. Die Meinungen der Wissenschaft darüber, ob Videospiele Handlungsanleitungen für potentielle Täter seien, gingen auseinander. Das Staatsoberhaupt bat alle um einen achtsamen Umgang miteinander, um das Gefühl der Zusammengehörigkeit wachsen zu lassen. "Wir können darauf achten, dass niemand abseits bleibt. Wir können mehr Anteil nehmen aneinander, statt achtlos vorüberzugehen."

Der CDU-Innenexperte Wolfgang Bosbach hat Forderungen nach einer weiteren Verschärfung des Waffenrechts zurückgewiesen. Dieses sei in den vergangenen zehn Jahren drei Mal erheblich verschärft worden, sagte Bosbach am Donnerstag dem Nachrichtensender n-tv. Das Schießen mit Großkaliberwaffen sei inzwischen nur Volljährigen erlaubt. Diese Waffen könne man aber nicht generell aus der Hand von Privaten verbannen, da sie etwa bei der Jagd teilweise vorgeschrieben seien.

Nach Ansicht von Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) können auch stärkere Kontrollen von Waffenbesitzern allein Amokläufe nicht verhindern. Eine hundertprozentige Kontrolle von jedermann rund um die Uhr könne es nicht geben, sagte Herrmann im Bayerischen Rundfunk. Wer meine, einen Amoklauf allein durch Waffenkontrollen verhindern zu können, sei auf dem Holzweg. Auch Menschen, die überhaupt keinen Zugang zu Schusswaffen hätten, hätten schon Amokläufe begangen. Er wandte sich zudem dagegen, alle Sportschützen und Jäger unter einen Generalverdacht zu stellen.

Der Vorsitzende des Bundes Deutscher Kriminalbeamten (BDK), Klaus Jansen, warf der Politik dagegen in der "Neuen Osnabrücker Zeitung" vor, sie habe "vor der Waffenlobby kapituliert". Noch immer seien schwere Waffen im Privathandel legal, noch immer dürften Waffe und Munition in derselben Wohnung aufbewahrt werden. "Das Hobby des Schießsports hat in Deutschland nach wie vor Vorrang vor Menschenleben", sagte Jansen. Zudem hätten Stichproben in Baden-Württemberg ergeben, dass mehr als die Hälfte der Waffenbesitzer ihre Pistolen und Munition nicht wie vorgeschrieben unter Verschluss hielten.

jjc/apn/dpa
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.