Winter "So eine extreme Wetterlage kommt nur alle zehn Jahre vor"

Minustemperaturen, Glatteis und Schnee: Ein plötzlicher Wintereinbruch hat in Teilen Europas für Chaos und zahlreiche Unfälle gesorgt. In Frankreich und Serbien erschwerten Streiks im öffentlichen Nahverkehr die Lage.

DPA

Hamburg - Schnee- und Eisglätte haben am Donnerstag in Teilen Deutschlands zu erheblichen Verkehrsbehinderungen geführt. Einige Straßen und Autobahnabschnitte mussten vorübergehend gesperrt werden. Auf spiegelglatten Fahrbahnen gab es für viele Autofahrer unfreiwillige Rutschpartien, die aber überwiegend mit Blechschäden endeten.

In Schleswig-Holstein kam es wegen heftigen Schneefalls zu zahlreichen Verkehrsunfällen, bei denen nach Polizeiangaben zwei Menschen leicht verletzt wurden. 21 Schulkinder entkamen in einem Linienbus nur knapp einem Unglück. Wie die Polizei mitteilte, geriet auf einer Landstraße bei Eckernförde nördlich von Kiel ein Kleinbus auf verschneiter Fahrbahn ins Rutschen. Der Fahrer des entgegenkommenden Linienbusses mit den Schulkindern konnte rechtzeitig ausweichen, geriet aber mit dem Fahrzeug in den Straßengraben. Die Feuerwehr konnte die Insassen des Busses weitgehend unverletzt bergen.

Auch in Baden-Württemberg gab es zahlreiche witterungsbedingte Unfälle. Besonders betroffen war die Autobahn 81 im Landkreis Ludwigsburg, wo innerhalb von zwei Stunden mehr als 40 Unfälle gemeldet wurden. Bei Heidelberg wurden Autobahnausfahrten und Landstraßen wegen spiegelglatter Fahrbahnen kurzzeitig gesperrt.

In Nordrhein-Westfalen wurden die meisten Unfälle verursacht, weil Autofahrer wegen Schnee- oder Eisglätte von der Fahrbahn abkamen und mit entgegenkommenden Fahrzeugen zusammen prallten oder im Straßengraben landeten. Die allermeisten Unfälle verliefen aber laut Polizei glimpflich.

Verkehrschaos in Paris und Belgrad

Im Großraum Paris hat der erste Schneefall in diesem Winter ein Verkehrschaos ausgelöst. In und um die Metropole bildeten sich am Donnerstag mehr als dreihundert Kilometer Stau, die Stadtautobahn war größtenteils dicht, wie die Verkehrsleitzentrale mitteilte. Am Flughafen Charles-de-Gaulle waren die meisten Flüge etwa zwei Stunden verspätet, mehrere Verbindungen wurden gestrichen. Ein Teil der Stadtbusse in Paris fiel aus. Die Lage war auch deshalb so chaotisch, weil die Bahnführer einer S-Bahn, die quer durch Paris führt, seit acht Tagen streiken.

In Serbien hat ein unbefristeter Streik der Taxifahrer gegen die geplante Einführung von automatischen Fahrpreisanzeigen in ihren Wagen begonnen. Mehrere tausend Fahrzeuge blockierten das Zentrum von Belgrad und verursachten im - durch starke Schneefälle ohnehin beeinträchtigten - Straßenverkehr der Hauptstadt Chaos.

"Die extreme Kälte ist besonders kompliziert"

Wintersportler dürfen sich freuen: Für den deutschen Alpenraum und den Bayerischen Wald rechnen die Meteorologen mit bis zu zehn Zentimetern Neuschnee und damit guten Perspektiven für den Skispaß in den Bergen.

Der Höhepunkt der Kältewelle ist in Deutschland noch nicht erreicht. "Der kommt Freitag und Samstag", sagte Andreas Friedrich vom Deutschen Wetterdienst (DWD) in Offenbach. In der Nacht sei mit Dauerfrost in der ganzen Republik zu rechnen. Aber auch tagsüber steigen die Höchsttemperaturen etwa in Dresden und im Erzgebirge voraussichtlich auf maximal minus 10 Grad. Dabei kann es immer wieder schneien. Anfang kommender Woche soll es milder werden.

Noch immer ist unklar, ob es eine weiße Weihnacht geben wird. Von Tauwetter bis Dauerschnee sei so gut wie alles drin, sagte Friedrich. "Die extreme Kälte ist besonders kompliziert", erklärte der Meteorologe, "so eine extreme Wetterlage kommt nur alle zehn Jahre oder seltener vor".

siu/dpa



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