Wintersturm Blizzard legt Flughäfen an US-Ostküste lahm

Eiskalte Stürme peitschen übers Land, die Behörden schlagen Alarm: Heftige Schneefälle haben den Verkehr an der US-Ostküste teilweise lahmgelegt. Die drei New Yorker Flughafen sind geschlossen. Auch auf deutschen Straßen bleibt es glatt.


New York - Die nördliche US-Ostküste versinkt im Schnee: Auf New Yorks drei großen Flughäfen geht seit Sonntagabend (Ortszeit) wegen eines Schneesturms nichts mehr. Starts und Landungen vom John-F.-Kennedy International Airport, vom Stadtflughafen LaGuardia und von Newark Liberty Airport sind eingestellt, sagte eine Sprecherin der zuständigen Behörde. Allein am Sonntag fielen mehr als 1400 Flüge aus. Der New Yorker Kennedy-Flughafen soll bis Montag um 5 Uhr Ortszeit geschlossen bleiben. Auch in Boston wurde der Flugverkehr völlig eingestellt.

Dutzende Zentimeter Schnee fielen in den vergangenen Stunden: In New York und Boston waren es mehr als 30 Zentimeter, bis zum Montag werden rund 50 Zentimeter erwartet. Der Zugverkehr zwischen den beiden Städten kam fast vollständig zum Erliegen. Auf den Straßen kam es zu zahlreichen Unfällen. Begleitet wurden die Schneefälle von einem Sturm mit Windgeschwindigkeiten von bis zu 90 Kilometern pro Stunde. In der Gegend von Boston gab es Hamsterkäufe: Viele Kunden deckten sich mit Feuerholz und Schaufeln ein, ebenso mit Milch und Brot.

Die Metropolen kämpfen gegen das Winterwetter an: New York, Boston und Philadelphia gaben Schneealarm. Der Bürgermeister von Boston, Thomas Menino, sagte, in der Stadt seien etwa 500 Räumfahrzeuge unterwegs. Sein New Yorker Kollege Michael Bloomberg rief die Bevölkerung zur Vorsicht auf. Auch die Bundesstaaten North Carolina, Virginia, Maryland und New Jersey riefen wegen der Schneemassen den Notstand aus, schreibt die "New York Times". Überlandbusse und Bahnen fuhren nicht. Und sogar im Süden der USA schlug der Winter zu: In South Carolina und Georgia gab es erstmals seit langem eine weiße Weihnacht.

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Winter in den USA: Schnee über Manhattan
Der heftige Sturm zieht im Laufe des Montags weiter Richtung Norden: An der Atlantikküste Kanadas werden bis zu 40 Zentimeter Neuschnee erwartet. Die Behörden warnen zudem vor vier bis sechs Meter hohen Wellen an der Küste - und riefen Autofahrer dazu auf, möglichst zu Hause zu bleiben.

Der Westen der USA leidet noch immer unter den Folgen der Regenfluten und Schlammlawinen. Nach einem gewaltigen Unwetter mussten die Kalifornier über Weihnachten kräftig aufräumen.

Vor allem im Osten von Los Angeles hatte eine Sturmfront vor den Feiertagen große Schäden angerichtet. Hunderte Einwohner im Süden des US-Staates konnten das Weihnachtsfest nicht zu Hause verbringen, weil ihre Häuser durch Sturm- und Erdrutschschäden dauerhaft unbewohnbar sind.

Deutschlandwetter: Bibberkalt und spiegelglatt

Extremes Wetter in den USA - auch in Deutschland behindern Schnee und Eis weiter den Verkehr. Vor allem im Norden sind die Straßen zum Teil spiegelglatt. Die von Eis und Schnee zuletzt stark beeinträchtige Bahn meldete in ihrer Online-Fahrplanauskunft so gut wie keine Verspätungen oder Zugausfälle mehr. Auf den zentralen Strecken quer durch Deutschland sind die Züge am Morgen pünktlich angekündigt.

Der Deutsche Wetterdienst DWD kündigt für Montagabend Schneefall im Norden und Osten an. In der Mitte Deutschlands sowie im Westen und Süden soll es trocken bleiben. Nachts unter freiem Himmel sind minus 20 Grad möglich. Der Kälte zum Opfer fiel ein 51 Jahre alter Obdachloser im rheinland-pfälzischen Trier, der Mann erfror am zweiten Weihnachtsfeiertag im Schlaf. Polizisten entdeckten ihn auf dem Hinterhof eines Einkaufsmarktes auf einer Matratze in Decken gehüllt.

Verkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) nahm die Bahn angesichts der jüngsten Probleme im Zugverkehr infolge des Winterwetters in Schutz. Die Bahn tue bereits viel, um die Zuverlässigkeit der Züge zu erhöhen. Aber: "Ich habe mehrfach gesagt, dass ich erwarte, dass die Züge bei plus vierzig Grad genauso wie bei minus vierzig Grad funktionieren müssen", sagte Ramsauer der Nachrichtenagentur dpa.

Dagegen kritisierte Niedersachsens Verkehrsminister Jörg Bode (FDP) die Bahn für das weihnachtliche Chaos. "Es kann nicht sein, dass man im Sommer vor Hitze nicht im Zug sitzen kann und der Zug im Winter gar nicht erst losfährt", sagte er der "Neuen Presse". Ziel müsse sein, dass das System Bahn funktionierte auch wenn mal Schnee falle und es minus zehn Grad kalt sei. Es stelle sich die Frage, ob an der Wartung gespart worden sei: "Dass so viele Weichen und Leitungen einfrieren, finde ich schon überraschend", sagte Bode.

Der FDP-Verkehrsexperte Patrick Döring hält Investitionen in neue Wagen für unverzichtbar: "Wir haben zu viel Fahrplan für zu wenig Material", sagte er der Zeitung. Der Bundestag werde mit Sicherheit über die Folgen reden: "Das ist Thema im Verkehrsausschuss." Auch die CDU-Bundestagsabgeordnete Rita Pawelski kritisierte, wegen des erhofften Bahn-Börsengangs sei an der Substanz gespart worden: "Jetzt zeigen sich die bösen Folgen", sagte sie der "Neuen Presse".

anr/dpa/AFP



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