Winterwetter Europa bibbert in Eis und Schnee

Zugefrorene Flüsse, gesperrte Straßen, unpassierbare Bahnstrecken: Der strenge Winter führt in ganz Europa zu Problemen. In Belgien mussten fast tausend Reisende in einem liegen gebliebenen Zug ausharren, in Südfrankreich sind mehr als 20.000 Menschen ohne Strom.


Hamburg - "Daisy" heißt das Tief, das mit jeder Menge Schnee und eisigen Windböen inzwischen Deutschland erreicht hat. In Bayern und Baden-Württemberg begann es am Freitagmorgen zu schneien, später zog "Daisy" in Richtung Nordwesten weiter und wird bis Samstag mancherorts für bis zu 20 Zentimeter Neuschnee sorgen. Winterdienste, Polizei und Feuerwehren bereiteten sich auf chaotische Verkehrsverhältnisse vor. Meteorologen fürchten, dass die Windböen von 70 Kilometern pro Stunde Schneeverwehungen zur Folge haben werden.

In Belgien haben rund tausend Reisende bei Dunkelheit und eisigen Temperaturen stundenlang in einem liegen gebliebenen Zug ausharren müssen. Grund für die Panne am späten Donnerstagabend war eine abgerissene Oberleitung auf der Strecke zwischen Brüssel und Gent, wie die belgische Nachrichtenagentur Belga am Freitag berichtete.

Weil auch in den Waggons der Strom ausfiel, saßen die Passagiere rund zwei Stunden in völliger Dunkelheit. Der Zivilschutz versorgte sie mit Decken und heißen Getränken. Später konnten die Reisenden in einen von einer Diesellok gezogenen Ersatzzug umsteigen. Pendler mussten noch im Berufsverkehr am Freitagmorgen Verspätungen hinnehmen. Bis spätestens Montag soll die Bahnstrecke komplett repariert sein.

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Briten, Spanier, Deutsche: Alle bibbern im Eiswinter
Frankreich: Ergiebige Schneefälle

In Frankreich haben ergiebige Schneefälle am Freitag den Verkehr in großen Teilen des Landes behindert. Mehrere Autobahnen wurden gesperrt, Lastwagen dürfen nicht mehr fahren. Örtlich mussten Schulen geschlossen werden, weil die Busse nicht fahren konnten. Im Hinterland der Côte d'Azur wurden Autobahnen streckenweise für Busse und Lkw gesperrt. In der Gegend um Arles und nahe Montpellier fiel für mehr als 20.000 Menschen der Strom aus, weil Leitungen unter der Schneelast zusammengebrochen waren. In Avignon und Orange waren in der Nacht zum Freitag an die 20 Zentimeter Schnee gefallen, auch die mittelalterliche Festung von Carcassone bot mit einer dicken Schneedecke einen ungewohnten Anblick.

Der Wetterdienst Météo France gab für den Osten Frankreichs und die Pyrenäen Schneewarnungen heraus. Nur langsam floss der Verkehr auch in der Bretagne und der Normandie. In Paris war der S-Bahn-Verkehr teilweise gestört

Der Winter brachte auch den Bahnverkehr unter dem Ärmelkanal teilweise zum Erliegen. Eurostar strich wegen des harten Winterwetters in England alle frühen und späten Verbindungen zwischen London und Paris beziehungsweise Brüssel. Die übrigen Züge hatten teils mehrstündige Verspätung. Am Donnerstag war ein Zug wegen eines Fehlers der Signaltechnik im Tunnel liegen geblieben.

Großbritannien: Bis zu minus 21,6 Grad

Und auch die Briten zittern im Eiswinter, die Temperaturen fielen in der Nacht auf rekordverdächtige Tiefstwerte. In den schottischen Highlands froren die Menschen bei bis zu minus 21,6 Grad, teilte der Wetterdienst mit. In anderen Landesteilen sanken die Werte ebenfalls derart stark, dass die Straßen sich in Rutschbahnen verwandelten. Das Streusalz wurde in manchen Gegenden knapp.

Die Zahl der Menschen, die vermutlich aufgrund des Wintereinbruchs seit der Vorweihnachtszeit umgekommen sind, stieg auf 22, nachdem ein Mann am Donnerstag in der Grafschaft Surrey tot in einem gefrorenen See gefunden worden war. Tausende Schulen gaben den Kindern frei. Außerdem wurde das Gas wegen der Rekordnachfrage knapp: Fast hundert größeren Firmen wurde am Donnerstag die Zufuhr gekürzt, teilte der Netzbetreiber National Grid mit. Die Firmen mussten auf andere Energieträger wie Kohle oder Öl umstellen.

Und es ist kein Ende in Sicht für den kältesten Winter seit 30 Jahren: Am Freitag soll es im Königreich weiter Minustemperaturen geben, auch rüstete sich der Osten Englands wieder für neuen Schnee. Auch kommende Woche soll es nach Angaben von Meteorologen bitterkalt bleiben.

Spanien: Schnee und Eisglätte

Schnee und Eisglätte haben auch den Spaniern am Freitag zu schaffen gemacht. Vor allem die Nordhälfte des Landes bekam die Folgen der angekündigten Polarkälte zu spüren. Auf den Straßen der Pilgerstadt Santiago de Compostela in Galicien kam es zu einem Chaos, weil der Schnee den Verkehr lahmlegte, wie der Rundfunk berichtete. Auch in Asturien, Kantabrien, dem Baskenland, Aragonien und Katalonien mussten zahlreiche Landstraßen wegen Schneefalls gesperrt werden.

Auf der Ferieninsel Mallorca sorgten Regen und Sturm für Probleme. Die starken Windböen knickten nach Rundfunkberichten Bäume und Werbeschilder um. Wegen schwerer See sei auch der Hafen von Palma vorübergehend geschlossen worden. Die Meteorologen sagten für die Balearen einen Rückgang der Temperaturen auf acht Grad sowie Schneefälle auf Meereshöhe voraus.

Für fast ganz Spanien galten am Freitag Unwetterwarnungen. Ausgenommen waren nur die Region Extremadura im Südwesten sowie die Kanarischen Inseln - dort herrschten frühlingshafte 20 Grad.

jdl/dpa/APD/AFP/ddp



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