Winterwetter Glatteis sorgt für Chaos auf den Straßen

Lastwagen stehen quer, kilometerlange Staus bilden sich: Schnee und Eisglätte haben den Betrieb auf Deutschlands Straßen stark beeinträchtigt. Betroffen waren vor allem Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen - hier ging auf einigen Strecken nichts mehr.

dapd

Hamburg - Und schon wieder sorgen Schnee und Eis in Deutschland für chaotische Zustände: Der Norden und die Mitte des Landes haben in der vergangenen Nacht heftig unter klirrenden Temperaturen und Niederschlägen gelitten. Auf spiegelglatten Straßen kam es zu zahlreichen Unfällen - vielerorts stellten sich Lkw auf Autobahnen quer, teilweise stand der Verkehr für Stunden.

Von Montagabend bis Dienstagmorgen gab es nach Polizeiangaben auf den Straßen Nordrhein-Westfalens insgesamt 703 witterungsbedingte Verkehrsunfälle, bei denen zwei Menschen schwer und 26 leicht verletzt wurden. Der Gesamtschaden belief sich auf rund 1,54 Millionen Euro.

Bei Oberhausen fuhren sich am Montagabend mehr als 30 Lastwagen fest. Besonders betroffen waren die Autobahn 42 und das Autobahnkreuz Oberhausen - hier besonders die A2 in Richtung Hannover. Die liegengebliebenen Lkw wurden zwar freigeschleppt, doch kurz darauf blieben die nächsten Lastwagen stecken. Immer wieder standen zahlreiche Lastfahrzeuge kreuz und quer auf der Fahrbahn. Es gab kilometerlange Staus. Zeitweise kamen sogar die Räumfahrzeuge nicht durch.

Die A1 musste nach einem Lkw-Unfall zwischen dem Kreuz Lotte/Osnabrück und Lengerich in Fahrtrichtung Münster für rund sieben Stunden gesperrt werden. Es gab bis zu drei Kilometer Stau. Bei Köln wurden die A3 und die A4 gesperrt. Auch auf der A45 und der A61 gab es Sperrungen.

In Niedersachsen bildete sich im Raum Hannover ein bis zu 46 Kilometer langer Stau. Auf der A2 standen mehrere Lastwagen quer. Die Menschen, die in der Kälte in ihren Fahrzeugen festsaßen, wurden vorsorglich von der Feuerwehr mit warmen Getränken und Decken versorgt. Erst später löste sich der Stau langsam auf. Auch im Landkreis Rotenburg (Wümme) wurde die A1 teilweise gesperrt, weil ein Lastwagen einfach nicht weiterkam.

Auch in Hamburg legten Schnee und Eis den Verkehr in weiten Teilen lahm. Innerhalb von zwei Stunden waren in den Mittagsstunden nach Informationen des Deutschen Wetterdienstes (DWD) rund vier Zentimeter Neuschnee gefallen. Mehr als 300 Unfälle seien seit dem Einsetzen des Schneefalls in der Hansestadt registriert worden, sagte eine Sprecherin der Verkehrsleitzentrale.

Am Abend war die Situation auf den Straßen noch angespannt, Autos und Fußgänger schlitterten über die Straßen. Die Telefonleitungen der Taxizentralen waren am Abend ständig besetzt - einige Fahrer ließen ihre Wagen lieber stehen. "Ich habe für eine Strecke, die sonst 20 Minuten dauert, eine Stunde und 40 Minuten gebraucht. Da habe ich einfach erst mal eine lange Pause eingelegt und den Funk ausgeschaltet", sagte eine Fahrerin in der Nacht.

"Wir haben das Wetter im Griff"

Aus dem hessischen Wiesbaden meldete die Polizei Problemen auf der Bundesstraße 49. Auch dort blockierten mehrere querstehende Lastwagen die Fahrbahn, ebenso auf der A3 bei Koblenz in Rheinland-Pfalz. Schlimm war es besonders an der Grenze zwischen beiden Bundesländern, weil auch hier mehrere Lastwagen quer standen und die Autobahn zwischenzeitlich voll gesperrt war.

Die A61 wurde am Dienstagmorgen in Richtung Koblenz ab dem Autobahnkreuz Ludwigshafen stundenlang voll gesperrt. Ein Lkw war auf schneeglatter Fahrbahn zwischen dem Autobahnkreuz Ludwigshafen und dem Autobahnkreuz Frankenthal ins Schlingern geraten und hatte nach Polizeiangaben die Schutzplanken durchbrochen. Die Zugmaschine blieb im Hang stecken, der Sattelauflieger blockierte die Fahrbahn vollständig.

Im Osten schien es so, als würde man mit dem Winter umgehen können. "Wir haben das Wetter im Griff", sagte ein Polizeisprecher im thüringischen Gera. In Sachsen berichteten die Behörden zwar von glatten Straßen, aber der Winterdienst sei im Einsatz und halte die Straßen frei. Nur in Westsachsen hätten sich binnen 24 Stunden 110 Unfälle ereignet.

In Baden-Württemberg und Bayern blieb es in der Nacht meist trocken. Von größeren Verkehrsproblemen blieben die Autofahrer dort verschont. Der Deutsche Wetterdienst (DWD) hatte neben dem Norden und Westen allerdings auch für den Osten und Süden wieder starke Schneefälle und Eis vorausgesagt.

Flughafen Düsseldorf gesperrt

Der Flughafen in Düsseldorf wurde am Montagabend wegen plötzlich einsetzenden Schneefalls gesperrt, um beide Rollfelder zu räumen, wie eine Flughafensprecherin sagte. Etliche Flüge wurden annulliert. Weitere Flüge wurden umgeleitet, die meisten nach Frankfurt am Main und Münster/Osnabrück. Gegen 21.30 Uhr wurde der Flugverkehr wieder aufgenommen. Es gab erhebliche Verspätungen.

Frankfurts Flughafenchef Stefan Schulte hat Vorwürfe eines mangelhaften Winterdienstes auf Deutschlands größtem Flughafen zurückgewiesen. Die Schwierigkeiten der vergangenen Tage seien nicht allein der Betreibergesellschaft Fraport zuzurechnen, erklärte er am Montagabend in Frankfurt. Vor allem der Hauptkunde Lufthansa hatte heftig kritisiert, dass die Flugzeuge nicht schnell genug enteist worden seien.

Schulte hielt hingegen den Fluggesellschaften vor, infolge der witterungsbedingt durcheinandergeratenen Umläufe nicht genügend Kabinen- und Bodenpersonal in Reserve gehabt zu haben. Etliche Flieger hätten allein deswegen nicht starten können, obwohl die Bahnen frei gewesen seien. Zudem hätten sie oftmals nicht fliegen können, weil zahlreiche Zielflughäfen in Europa gesperrt gewesen seien.

ler/siu/dapd/dpa

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insgesamt 103 Beiträge
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Seite 1
mercator, 14.12.2010
1. Völlig Falsch !
Zitat von sysopLastwagen stehen quer, der Verkehr staut sich auf Kilometerlänge - Schnee und Eisglätte haben den Betrieb auf Deutschlands Straßen teilweise lahmgelegt. Betroffen waren vor allem Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen - hier ging auf einigen Strecken nichts mehr. http://www.spiegel.de/panorama/0,1518,734458,00.html
Völliger Quatsch ! Nicht Glatteis und Winterwetter sorgen für Chaos, sondern die Verkehrsteilnehmer, die damit nicht umgehen können ! (Was auch immer die Gründe dafür sein mögen). Schade, daß jetzt auch SPON nix mehr von Eigenverantwortlichkeit hält, sondern 'das Wetter', 'das Leben' und 'überhaupt' als Entschuldigung für menschliche Unfähigkeit einzelner herhalten müssen ......
Seifen 14.12.2010
2. Hatten die liegen gebliebenen Fahrzeuge
etwa keine Winterreifen? Man tat doch immer so, als ob die Winterreifenpflicht das Glätteproblem auf den Straßen lösen könne. Winterreifen sind zweifellos ein guter Beitrag zur Verkehrssicherheit. Aber ein noch wichtiger Beitrag sind ein gut funktionierender Streudienst und vorsichtige Fahrweise. Was den innerörtlichen Streudienst angeht, könnten die Gemeinden durch aus ihre Kapazitäten drastisch erhöhen, wenn sie auf das Potential arbeitsunwilliger Hartz IV-empfänger zurückgreifen. Die gesetzlichen Grundlagen stehen den Gemeinden zur Verfügung.
simin, 14.12.2010
3. es gibt kein schlechtes Wetter - nur schlechte Ausrüstung
diese out-door Weisheit lässt sich problemlos auf den Zustand unseres Winterdienstes übertragen. die auffallende Häufung von Katastrophen bei Schneefall und Temparaturen unter 0 in den letzten Jahren lässt sich nicht nur auf das Wetter schieben. Früher waren Winter auch länger, kälter und Schnee-reicher, aber nicht nur in den Medien, sondern auch vor der Haustür. Was allerdings keine Erwähnung in den Medien findet ist die immer schlechtere Ausrüstung des Winterdienstes. Hier wird Dank Privatisierung gespart wo es nur geht, Räumfahrzeuge, Angestellte im Winterdienst, Streugut, Enteisung von Zügen ... und fertig ist die Katastrophe. Früher war in meiner Stadt noch am selben Tag der Schnee auch auf Nebenstrassen geräumt, heute werden vereiste Nebenstrassen eine Woche später vom Tauwetter geräumt OK, bei Glatteis ist die Lage nicht so eindeutig, aber vielleicht sollte SPON das nächste mal schreiben: Winterwetter: Privatisierung sorgt für Chaos auf Autobahnen
nemesis001 14.12.2010
4. Soli
Jetzt wird der Soli auch noch für den Winterdienst genutzt. Unfassbar. Wir hier drüben schrotten unsere Autos auf glatten Straßen und die da Drüben nutzen einfach unseren Soli um ihre Straßen frei zu halten.
cosmo72 14.12.2010
5. Privatisierung und Berichterstattung
Vielleicht wird auch nur zunehmend "katastrophaler" berichtet über einen meteorologischen _Normalzustand_ der für diese Jahreszeit, in diesen Breiten, als Normal gelten sollte: man nennt das *Winter!* Zwei Gründe gibt es hierfür, na vielleicht sogar drei 1. Privatisierung - früher war Geld zum Räumen da, und das wurde auch gemacht - heute scheinbar nicht mehr zu "leisten". Gewinndruck vereist ehemals geheizte Weichen bei der Bahn, man plant zu exorbitanten Managergehältern Klimaanlagen zu schwach für den Sommer und Heizungen zu schlecht für den Winter in angeblich supermodernen Zügen, die auch kaum pünktlicher fahren als vor 30 Jahren. Auf Straßen werden Schneepflüge und Räumfahrzeuge eingespart, damit Kommunen Zinsen an die Banken abdrücken können... 2. die MegaUntergangskampagne der UNO und Weltfinanz, dass es ja eigentlich keinen Winter mehr geben wird, und Schneefall der Vergangenheit angehört - aber wenn wir alle nur schoen blechen, und Sie bereitwillig Vorschriften für alles und jedes akzeptieren, dann wird die Weltbank das Klima für sie retten, zusammen mit der UNO, die schon mit jeder durchschnittlichen kleinen Krise auf der Welt überfordert ist - dämmerts ? (http://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/0,1518,71456,00.html) http://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/0,1518,71456,00.html 3. Die "Ahnungslosen - irgendwas sensationelles muss ich ja schreiben-Heinis" in den Redaktionen, hmmm, aber an dutzende Sachen dürfen wir ja nicht ran ... http://www.youtube.com/watch?v=iHlc3k3deAM
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