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Wintereinbruch: Schippen, räumen, Ruhe bewahren

Foto: Sean Gallup/ Getty Images

Winterwetter "Petra" überzieht Deutschland mit Schneeschleier

Tief "Petra" kommt auf Deutschland zu und wird für Schnee, Glätte und Eisregen sorgen. Meteorologen warnen vor Unfällen und raten: Warm anziehen, das Auto in der Garage lassen. Die gute Seite - die andauernde Kälte dürfte vielen Bundesländern weiße Weihnachten bringen.

Hamburg - Der Winter hat offiziell nicht mal begonnen, da haben viele Deutsche schon genug vom Verkehrschaos. Und es ist kein Ende abzusehen: Schon an diesem Donnerstag muss die Republik mit neuen Schneemassen rechnen.

Tief "Petra" wird über Deutschland hinwegziehen und bis auf Bayern kein Bundesland aussparen. Es bringt heftige Niederschläge und gefährliche Glätte:

  • In dieser Nacht auf Donnerstag wird es besonders in Ostdeutschland sehr kalt. Andreas Wagner vom Wetterdienst Meteomedia erwartet "in Teilen Brandenburgs und Sachsens nahe der Oder und Niederlausitz Tiefsttemperaturen von minus 15 bis minus 20 Grad. Dort müssen sich Autofahrer auf starke Glätte einstellen". Am Niederrhein, im Emsland und in Ostfriesland hingegen werden vorübergehend mildere Temperaturen zu Glatteis führen.
  • Erster Schneefall setzt Meteorologen zufolge am frühen Morgen im äußersten Nordwesten des Landes und an der Nordsee ein. "Am Vormittag erreicht der Schnee weite Teile Nordrhein-Westfalens, Niedersachsens und Schleswig-Holsteins", sagt Wagner. In ganz Schleswig-Holstein und Teilen Niedersachsens fällt am Donnerstag die Schule aus. Wegen des erwarteten starken Schneefalls finde an allen öffentlichen und berufsbildenden Schulen im Land kein Unterricht statt, teilte das Bildungsministerium in Kiel mit. Auch im niedersächsischen Landkreis Peine können sich Schüler nach Auskunft eines Stadtsprechers über einen unterrichtsfreien Tag freuen.
  • In Siegerland, Weserbergland und Ost-Holstein wird es "bis zum frühen Donnerstagabend sehr intensive Schneefälle von sechs bis zehn Zentimetern geben", sagt Wagner. Bei stürmischen Böen müsse mit Schneeverwehungen gerechnet werden. In höher gelegenen Autobahnabschnitten der Eifel oder des Sauerlands, dem Weserbergland oder Siegerland müssten sich die Autofahrer auf Probleme einstellen, der Verkehr könne zum Erliegen kommen.
  • Abends erreiche der Schnee dann auch Thüringen, Baden-Württemberg, Sachsen-Anhalt, Berlin, Sachsen und Brandenburg. Wagner: "Es wird also bis spätestens Freitagabend im ganzen Land stark geschneit haben." Einzige Ausnahme sei Bayern, wo es zunächst knackig trocken bleibe, bevor auch dort ab Freitagmorgen der Schnee den Berufsverkehr behindern könnte. In fünf der zehn sächsischen Landkreise sowie in Chemnitz fällt am Donnerstag der Schulunterricht aus. Das Kultusministerium begründete dies am Mittwoch mit dem starken Schneefall und dem dadurch erschwerten Schülertransport.

Meteorologe Wagner empfiehlt "für die Mittelgebirge Schneeketten, weil dort 20 bis 30 Zentimeter Neuschnee erwartet werden". Im Flachland müsse man mit 10 bis 15 Zentimetern Schnee rechnen. Generell gelte: "Wer Donnerstag nicht dringend das Auto braucht, sollte es stehen lassen." Berufspendler sollten früh losfahren, viel Zeit einplanen - sich auf Staus einstellen, eine Decke mitnehmen, außerdem heiße Getränke und Butterbrote. Es sei sehr wichtig vollzutanken, falls man auf der Autobahn stecken bleibe, sagt Wagner.

Die Deutsche Bahn wird zusätzliches Personal, Spezialfahrzeuge und Schneefräsen bereithalten. Allerdings habe sich in den vergangenen Wochen gezeigt, dass bei heftigen Niederschlägen innerhalb kürzester Zeit solche Räumgeräte nichts ausrichten konnten, sagte eine Sprecherin SPIEGEL ONLINE. Die etwa 20.000 Weichenheizungen im Land würden nicht mehr funktionieren: Auch der Schienenersatzverkehr sei dann keine Alternative mehr. "Wenn extrem große Schneemengen niedergehen, sieht es auf den Straßen meist schlimmer aus als auf den Schienen - dann kommen auch keine Busse mehr durch." Die Reisenden sollten vorausschauend planen und lieber früher losfahren.

Am Freitag wird es besser - am Samstag wieder schlechter

Am Freitag beruhigt sich das Wetter dann, es wird nur noch vereinzelt schneien. Doch schon am Samstag wird es wieder kritisch - mit kräftigen Schneefällen im Westen, von der Eifel über Nordrhein-Westfalen bis Niedersachsen. Nach Süden und Osten hin wechseln sich Auflockerungen mit starker Bewölkung ab. Das Thermometer zeigt minus sechs Grad im Südosten und bis null Grad im Westen.

Schon an diesem Mittwoch hatten Schneefälle vor allem im Osten, in der Mitte und im Süden Deutschlands bei strengem Frost den Verkehr behindert. Der Münchner Flughafen strich bis Mittag mehr als 60 Flüge. In Sachsen wurde die A17 in Richtung Prag von Dresden bis zur Landesgrenze großräumig gesperrt. Bei der Bahn fielen am Vormittag zahlreiche Züge aus. In fünf der zehn sächsischen Landkreise sowie in Chemnitz fällt voraussichtlich bis Freitag der Unterricht aus.

In einigen Kommunen Nordrhein-Westfalens wird schon das Streusalz knapp. So reichen die Vorräte etwa in Münster nur noch bis zum Wochenende, in Bonn bis Montag, wenn sich das Wetter nicht doch noch grundlegend ändert. Salz ist zwar nachbestellt. Wann es geliefert wird, ist aber offen.

Weiße Weihnacht in höheren Lagen

Die gute Seite des Winterwetters: Auf weiße Weihnachten dürfen all jene hoffen, die nicht im Flachland leben. Im Bergland und Mittelgebirge, also in Gebieten über 400 Metern, ist die Wahrscheinlichkeit für perfektes Festtagswetter groß: "In diesen Regionen liegt bis zum 24. Dezember schon so viel Schnee - das müsste mit dem Teufel zugehen, wenn der bis Weihnachten noch abtaut", sagt Meteorologe Wagner.

Auch im Nordosten Deutschlands ist demnach die Chance auf weiße Weihnachten groß, denn dort sind mildere Temperaturen am unwahrscheinlichsten. Schon jetzt liegen in Schleswig-Holstein, Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg und Sachsen 20 Zentimeter Schnee. Für den Westen und Südwesten seien die Prognosen dagegen noch unsicher, sagt Wagner. Auch sein Kollege Peter Hartmann vom Deutschen Wetterdienst erwartet, dass zumindest der vierte Advent in Deutschland sehr wahrscheinlich mit Schnee gefeiert wird: "An Weihnachten hat vermutlich sowieso keiner mehr Lust darauf."

"Sehr kalte Luft im Gepäck"

Für die außergewöhnlich tiefen Temperaturen gibt es einen einfachen Grund: "Normalerweise ziehen Tiefdruckgebiete von Westen nach Osten, kommen über den Atlantik und bringen dann schon mildere Luft mit", sagt Andreas Wagner von Meteomedia. Tief "Petra" aber sei bei Grönland entstanden und steuere schnurstracks von Norden auf Deutschland zu. "Das Tief hat sehr kalte Luft im Gepäck, die sich über der Nordsee mit Feuchtigkeit auftankt. Deswegen ist dieses Tiefdruckgebiet besonders schneeträchtig."

Laut Deutschem Wetterdienst lagen die Temperaturen in den meisten Regionen Deutschlands in der ersten Dezemberhälfte um zwei bis fünf Grad unter den langjährigen Mittelwerten. Dies sei für die Wochen vor dem kalendarischen Winteranfang am 22. Dezember zwar zu kalt - aber noch weit entfernt von Extremwerten.

Deutliche Unterschiede gab es bei den Niederschlagsmengen. Während in Süddeutschland bis zur Monatsmitte schon deutlich mehr Niederschlag fiel als sonst im ganzen Dezember, kamen im Norden und Westen gerade mal 20 Prozent des Monatssolls zusammen.

ala/jus/dpa/dapd
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