Winterwetter Unfälle fordern Tote und viele Verletzte

Chaos nach dem erneuten Wintereinbruch: Auf den Autobahnen in Süddeutschland ging nichts mehr. Bei Unfällen kamen drei Menschen ums Leben. Eine Massenkarambolage in einem Tunnel forderte 15 Verletzte. Zehntausende Reisende saßen zeitweise auf den Flughäfen fest.


Hornberg/Karlsruhe/Stuttgart - Bei der Unfallserie im Virngrundtunnel bei Ellenberg im Ostalbkreis waren laut Polizei rund 20 Autos beteiligt. Unter anderem prallten ein Sattelzug und ein Omnibus beim Versuch, noch rechtzeitig zu bremsen, gegen die Wand des 460 Meter langen Tunnels. Mehrere Menschen wurden schwer verletzt.


Beim Zusammenstoß von zwei Autos in der Nähe von Ettenheim im Ortenaukreis (Baden-Württemberg) kam ein zwölf Jahre alter Junge ums Leben. Er saß auf der Rückbank eines Autos, dass auf einen entgegenkommenden Wagen prallte. Ein junges Mädchen und die 40 Jahre alte Fahrerin des Autos wurden schwer verletzt, im anderen Wagen erlitten der 25-jährige Fahrer und mehrere weitere Personen leichte Verletzungen. Der Mann war auf schneeglatter Straße in einer Kurve auf die gegenüberliegende Fahrbahn geraten.

In Karlsruhe kam eine Frau ums Leben, als ein 29-jähriger Autofahrer auf geräumter und gestreuter Straße in einer Kurve ins Schleudern kam und mit dem Wagen gegen einen Baum prallte. Die 30-jährige Beifahrerin starb. In Baden-Baden schleuderte eine 65-jährige Autofahrerin mit ihrem Wagen auf einen Gehweg und erfasste dort eine 70-Jährige. Diese wurde in das Flussbett der Oos gestoßen und schwer verletzt.

Bei Hornberg im Ortenaukreis blieb ein Zug im Schnee stehen, nachdem herabhängende Äste den Stromabnehmer der Elektrolok beschädigt hatten. 130 Fahrgäste mussten aussteigen und durch den Schnee zu bereitgestellten Ersatzbussen laufen. Laut Polizei wurde niemand verletzt. Die Rettungsaktion habe etwa eine Stunde gedauert. Betroffen von der riesigen Schneeverwehung war die Strecke nach Triberg im Schwarzwald.

Staus in ungekanntem Ausmaß

Die heftigsten Schneefälle, die seit Jahren im März registriert wurden, haben heute vor allem in Bayern für Chaos auf den Straßen gesorgt. Auf schneebedeckten Autobahnen steckten vor allem Skiurlauber und Heimkehrer in kilometerlangen Staus fest. Im Allgäu kritisierte die Polizei die unzureichende Winterausrüstung von Urlaubern. Sie blockierten die Straßen auch für die Streufahrzeuge. Der Deutsche Wetterdienst (DWD) warnte vor weiteren starken Schneefällen.

Auf der Inntal-Autobahn und den Autobahnen 8 und 99 staute sich der Rückreiseverkehr aus den Skigebieten nach Norden am Samstag laut Polizei auf knapp 70 Kilometern Länge. In die Gegenrichtung waren es zeitweise rund 80 Kilometer Stau. Auf der A7 vor Füssen erreichte der Stau 20 Kilometer Länge. Im Anschluss blockierten liegen gebliebene Fahrzeuge den Verkehr. Extrem war die Lage auch in Nordbayern, wo sich der Verkehr auf der Autobahn Frankfurt-Nürnberg auf 70 Kilometern staute. In der Nacht registrierte die Polizei in Unterfranken mindestens 250 Unfälle. Solch flächendeckende massive Behinderungen habe es bisher noch nie gegeben, berichtete die Polizei.

Auf den bayerischen Straßen und Autobahnen waren wegen des Streiks der Gewerkschaft ver.di statt der sonst üblichen fünf Fahrzeuge nur drei Wagen der Autobahnmeistereien im Einsatz. Nach Einschätzung der Polizei war der Streik aber nicht die Ursache für das Verkehrschaos. Die Notdienstbesatzungen der Räumdienste hätten kritische Stellen auf den Autobahnen rasch geräumt, berichtete die Polizei in Bayreuth.

Auch in Baden-Württemberg machte den Autofahrern Schnee und Eis zu schaffen. Vielerorts blockierten liegen gebliebene Lastwagen die Steigungen. Laut Innenministerium in Stuttgart kam es vor allem wegen des Reiseverkehrs in und aus den Skigebieten zu Staus, die auf der A5 bei Karlsruhe und auf der A8 bei Ulm zeitweise 20 Kilometer lang waren. Auf der A 3 und A 7 rund um Würzburg mussten zahlreiche Autofahrer die Nacht in ihren Fahrzeugen verbringen, weil der Verkehr zum Erliegen kam. Es ereigneten sich mindestens 250 Unfälle. Das Rote Kreuz versorgte die liegengebliebenen Autofahrer mit Tee und warmen Decken.

Flughäfen wieder fast bei Normalbetrieb

Auf den Flughäfen normalisierte sich unterdessen die Lage, nachdem am Vortag mehr als 140 Flüge annulliert werden mussten. Schätzungen zufolge waren bis zu 20.000 Reisende betroffen, etwa tausend mussten in Hotels übernachten. Weil die gestrichenen Flüge nicht ersetzt wurden, mussten viele Passagiere umbuchen oder mit dem Zug fahren. Ein Lufthansa-Sprecher sagte in Frankfurt am Main, man habe heute noch einige Ausfälle wegen der gestern ausgefallenen Flüge. Betroffen seien ausschließlich Inlands- und einige Europaverbindungen. Außerdem mussten die Rollbahnen immer wieder für Streufahrzeuge gesperrt werden.

Am Flughafen Stuttgart hieß es zwar: "Bei uns läuft alles normal." Einzelne Flüge wurden aber gestrichen, weil die Zielflughäfen verschneit waren. Auf dem Münchner Flughafen gab es keine größeren Störungen. Das galt auch für den Flughafen Hahn in Rheinland-Pfalz.

Verantwortlich für das Schnee-Chaos ist laut Meteorologen das Tief "Xandra", dem noch in der Nacht das Tief "Yuna" folgt. Vor allem im Süden Baden-Württembergs und Bayerns drohten deshalb weitere Schneemassen. Der Deutsche Wetterdienst gab für zahlreiche Landkreise in Schwaben, Ober- und Niederbayern eine Unwetterwarnung heraus.

ffr/har/dpa/ddp/AP



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