Winzersekt Schäumender Aufschwung

Wer edel anstoßen will, süffelt zumeist Champagner. Sekt? Das klingt nach biedermeierlicher Beamtenfröhlichkeit. Dabei gibt es unter deutschen Schaumweinen inzwischen hochklassige Alternativen. Das perlt!


Manchmal muss es Champagner sein: Zumeist, wenn's mehr ums Prestige als um den Geschmack geht. Doch längst nicht jeder Champagnerwein ist das viele Geld wert, das die schäumenden Produkte aus der Champagne kosten. Mit Moët und Co. Zeichen setzen, das kann bei Empfängen und "Anlässen" Renommé-Punkte bringen. Zu Hause sollten Sie individuelle Flagge zeigen, und zwar mit Sekt aus heimischen Gebieten.

Winzersekt: Fassprobe in Mösheim, Kreis Alzey-Worms
DPA

Winzersekt: Fassprobe in Mösheim, Kreis Alzey-Worms

Das hochbegabte Kind hat auch einen Namen: "Winzersekt" ist nicht nur ein etwas nobleres Wort für das prickelnde Getränk, es unterstreicht auch, dass Sie wissen, wo sich in Sachen Wein was bewegt. Winzersekt steht für ein kleines, feines Nischenangebot, mit dem heimische Weinerzeuger auch im imagelastigen Schaumweinsegment gehobene Kreationen anbieten.

Nur knapp zwei Prozent unseres Sektmarktes gehören (nach Auskunft des deutschen Weininstitutes) dem sogenannten Winzersekt. Das sind die von einem einzigen Winzer nur aus Trauben eigener Weinberge erzeugte Schaumweine, meistens sortenrein von einer Rebsorte (also aus Riesling, Weißburgunder etc.) erzeugt, aber auch Cuvées aus mehreren Sorten sind am Markt.

Diese Sekte findet man kaum in Supermärkten, es sollte schon der Fachhandel konsultiert werden. Fast jeder Weinhändler führt ein paar Marken solch ambitionierter Sekte von "seinen" Winzern im Sortiment. Nicht alles, was das Etikett "Winzer" trägt, ist automatisch erste Klasse, interessant jedoch allemal.

Speziell in der sommerlichen Zeit der kühlen Erfrischungen sind Winzersekte viel delikater als das meiste, was uns bespielsweise unter der arg gebeutelten Marke "Prosecco" angeboten wird. Auch hier sind Spezialisten auf dem Vormarsch: Es gibt vielfach Winzer, die sich ganz speziell der Produktion außergewöhnlicher Sekte oder ganz bestimmten Rebsorten widmen.

Newcomer auf höchstem Niveau

Ausgefeilte Getränke kommen vom Pfälzer Weingut Andres und Mugler, dessen elegante Schaumwein-Kollektion sich durchaus mit besten Erzeugnissen aus Frankreich messen kann. Michael Andres und Steffen Mugler gründeten ihre Firma 1989, bewegten sich fast vom Start weg auf höchstem Niveau und bestehen bestens im internationalen Vergleich.

Neben den "normalen" Riesling-, Weißburgunder- und Blanc-De-Noir-Sekten bieten sie auch eigenwillige Cuvées aus Chardonnay und Auxerrois sowie aus Schwarzriesling und hellgekeltertem Spätburgunder an - und was sie machen, gelingt. Natürlich sind diese Kreationen nicht mehr ganz billig, aber zwischen zirka 15 und 18 Euro auf jeden Fall preiswert im Wortsinne.

Solche jüngeren Unternehmen haben durchaus Wurzeln hierzulande, denn Sekt von Spezialisten gibt es in Deutschland seit 180 Jahren: Das Haus Kessler, nach eigenen Aussagen älteste Sektkellerei Deutschlands, produziert in Esslingen seit 1826 First-Class-Schaumweine, sortenreine Jahrgangssekte, zum Teil auch nach der französischen "méthode champenoise", also flaschengegoren, handgerüttelt und staubtrocken.

In der Spitzengastronomie weiß man eh längst, was heimische Winzer können. Auch bei Jörg Müller, Sternekoch in Westerland auf Sylt, werden neben obligaten deutschen Weinen auch heimische Sekte ausgeschenkt.

Müllers "Offener" als Aperitif ist der Weißburgunder-Sekt vom Pfälzer Weingut Bergdolt in Neustadt-Duttweiler, das ohnehin speziell für Erzeugnisse aus dieser Rebsorte bekannt und berühmt ist. Blind verkostet, dürfte der Bergdolt-Sekt mit vielen Champagne-Kreszenzen mühelos mithalten können. Knackige Frische, feine Perlen und dezent ausbalancierte Frucht und Säure erfreuen unmittelbar - ideal, nicht nur als "Starter".

Winzersekte: Pfalz, Mosel, Saar, Baden

Gerd Rindchen, engagierter und mit deutschen Gewächsen erfolgreicher Weinhändler und Sektspezialist aus Hamburg, schätzt die einschlägige Kompetenz bei deutschen Winzern inzwischen hoch ein. "Die deutschen Winzer sammeln zunehmend Erfahrungen mit Sekt, und mittlerweile gibt es eine große Vielfalt vorzüglicher Winzersekte aus Riesling, aber auch aus Burgunderreben, sprich an Champagner angelehnte Cuvées (Pinot noir weißgekeltert mit Chardonnay), aus Weißburgunder oder aus Elbling."

Auch in Deutschland ist natürlich nicht alles Spitze, was perlt, aber "gute Winzersektgebiete sind für mich die Pfalz, die Mosel und die Saar für Riesling und Elbling, Baden für die Burgunder", so Gerd Rindchen.

Vielfalt erwartet die Neugierigen: Es lohnt sich, die Sektfährte aufzunehmen, zumal erfreuliche Qualitäten manchmal sogar unter der Schallgrenze von 15 Euro zu haben sind. Natürlich werden die Preise anziehen, wie bei allen unter handwerklich anspruchsvollen Bedingungen erzeugten Weine, aber diese gehobene Qualität rechtfertigt das allemal.



insgesamt 6 Beiträge
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Seite 1
jhilli48 14.09.2008
1. Hochbegabtes Kind?
Ich würde sagen, daß das Kind "Winzersekt" längst seinen Windeln entwachsen, also nicht mehr nur einigen Wenigen bekannt, ist. Erwachsen noch nicht ganz, altklug vielleicht manchmal je nach Herkunft, aber ansonsten ein ziemlich pfiffiger Twen. Auf jeden Fall fast immer seinen Preis wert. Garantiert er doch, im Gegensatz zu manch perlender Discounter-Ware, Sekt-Genuß und keine Nebenwirkungen.
jayram 02.01.2009
2. Alter Hut
Hallo, habe Ihren Beitrag mit großem Interesse gelesen und bin enttäuscht. Was ist mit dem Rheingau? Ich kaufe seit 25 Jahren halbtrockenen und trockenen Sekt aus Flaschengährung, Das ist schon seit diesem Zeitraum nicht nur ein Geheimtipp. Der aus Riesling hergestellte Sekt ist ausgezeichnet und wie bereits erwähnt seit langem auf dem Markt. Schade das Sie so einseitig recherchiert haben. Es geht hier nicht um die großen Anbieter sondern um kleine Familienbetriebe. Vielleicht haben Sie ja mal Zeit das vor Ort zu recherchieren. Viel Spaß dabei - Prost auf 2009. Alles Gute wünscht Stefan Räbiger
W. Robert 02.01.2009
3. Schnäppchen
Sicherlich ist Kessler-Sekt sehr empfehlenswert, Einsteigern empfehle ich den "Jägergrün". Die echte Sensation ist mir aber im Verlauf der Silversterfeier untergekommen: Gekauft bei "Alnatura" erwies sich der "frizz Sekt brut" der Winzerei Knobloch aus Ober-Flörsheim als mittlere Sensation, nicht nur wenn man den Preis von 8.99€ berücksichtigt. Unbedingt kaufen :-)
het, 04.01.2009
4. Tipp?
Zitat von W. RobertSicherlich ist Kessler-Sekt sehr empfehlenswert, Einsteigern empfehle ich den "Jägergrün". Die echte Sensation ist mir aber im Verlauf der Silversterfeier untergekommen: Gekauft bei "Alnatura" erwies sich der "frizz Sekt brut" der Winzerei Knobloch aus Ober-Flörsheim als mittlere Sensation, nicht nur wenn man den Preis von 8.99€ berücksichtigt. Unbedingt kaufen :-)
Die Empfehlungen als Ergebnis einer Sylvesterfeier sind sicherlich mit Vorsicht zu genießen. Jeder Sekt/Champagner/Wein steht in einer Beziehung zur Tageszeit, Raumtemperatur (versuchen Sie mal jetzt ein Gläschen in freier Natur), ev. nikotingeschwängerter Raumluft, sowie ganz wichtig, dem Trinkgefäß.
het, 04.01.2009
5. Tipp?
Zitat von W. RobertSicherlich ist Kessler-Sekt sehr empfehlenswert, Einsteigern empfehle ich den "Jägergrün". Die echte Sensation ist mir aber im Verlauf der Silversterfeier untergekommen: Gekauft bei "Alnatura" erwies sich der "frizz Sekt brut" der Winzerei Knobloch aus Ober-Flörsheim als mittlere Sensation, nicht nur wenn man den Preis von 8.99€ berücksichtigt. Unbedingt kaufen :-)
Die Empfehlungen als Ergebnis einer Sylvesterfeier sind sicherlich mit Vorsicht zu genießen. Jeder Sekt/Champagner/Wein steht in einer Beziehung zur Tageszeit, Raumtemperatur (versuchen Sie mal jetzt ein Gläschen in freier Natur), ev. nikotingeschwängerter Raumluft, sowie ganz wichtig, dem Trinkgefäß.
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