Wirbel um Fotosession BBC gerät nach Queen-Debakel unter Druck

Skandal, Lüge, Vertrauensbruch: Der britische Fernsehsender BBC schlittert wegen des verunglückten Trailers zu einer Dokumentation über die Queen in die Krise. Das Medienecho auf die Präsentation der Szene, in der die Königin angeblich wütend eine Fotosession abbricht, ist verheerend.


London - "Die BBC hat zum Abgang der Queen gelogen", titelt das britische Massenblatt "Sun" heute. Die Kollegen von der "Daily Mail" sind nicht weniger zimperlich. "BBC kriecht bei der Queen zu Kreuze", lautet die Schlagzeile. Zudem, bemängelt das Blatt, habe die BBC einen ganzen Tag gewartet, bis sie sich entschuldigte. Namentlich nicht genannte Quellen aus dem Königshaus hätten versichert, bereits am Mittwochnachmittag habe ein Sprecher des Buckingham-Palastes auf die falsche Darstellung in dem Trailer hingewiesen - mit der Bitte um Richtigstellung.

Queen Elizabeth II. beim Fotoshooting mit Annie Leibovitz (BBC-Ausschnitt): Falscher Eindruck entstanden
AP/ BBC

Queen Elizabeth II. beim Fotoshooting mit Annie Leibovitz (BBC-Ausschnitt): Falscher Eindruck entstanden

BBC One hatte den Trailer zu der Dokumentation "A Year With The Queen" ("Ein Jahr mit der Queen") am Mittwoch Journalisten vorgestellt. Der Ausschnitt zeigte eine Szene aus einer Fotosession mit Starfotografin Annie Leibovitz, die der Königin vorschlägt, ihre Krone abzusetzen. Elizabeth II. reagiert äußerst indigniert. Direkt im Anschluss ist zu sehen, wie die Queen eilig den Raum verlässt. Die BBC hatte sich gestern dafür entschuldigt, den Eindruck erweckt zu haben, die Königin habe die Sitzung vorzeitig abgebrochen. Dies sei nicht der Fall gewesen, sondern die Produktionsfirma habe vielmehr die Szenen so aneinandergeschnitten, dass ein falscher Eindruck entstanden sei.

Auch die "Times" schloss sich der Kritik an. Nun, nachdem der Sender sich abermals habe entschuldigen müssen, sei die BBC in der "Vertrauenskrise". Vor wenigen Tagen hatte der öffentlich-rechtliche Sender bereits eine Strafe von umgerechnet rund 75.000 Euro zahlen müssen, weil der Gewinner eines Gewinnspiels in der Kindersendung "Blue Peter" erfunden war. Ein peinlicher Skandal sei das Ganze, schreibt der Autor. Die BBC-Führung habe nun Anweisung gegeben, alle Sendungen noch einmal explizit daraufhin zu überprüfen, ob "die Gefahr besteht, dass Zuschauer in die Irre geführt werden".

Inzwischen werden schon die ersten Rücktrittsrufe laut. Der offiziell verantwortliche Programmdirektor Peter Fincham wies derartige Forderungen allerdings zurück. Er habe zu dem Zeitpunkt, als er den Trailer präsentierte, nichts davon gewusst, dass er ein falscher Eindruck erweckt habe. "Ich habe das erst nachher erfahren, und deswegen habe ich mich dafür entschuldigt." Von seinem Posten zurücktreten will er nicht, es sei denn, BBC-Chef Mark Thompson fordere ihn dazu auf. Die Dokumentation soll im Herbst ausgestrahlt werden.

ffr/Reuters



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