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20. Januar 2011, 19:01 Uhr

WM-Krake

Ein Denkmal für Paul, das Orakel

Das Aquarium in Oberhausen hat WM-Orakel Paul auf den Sockel gehoben: Der Riesenkrake thront ab sofort auf einem riesigen Fußball. Achtmal hatte er bei der WM 2010 die richtigen Spielergebnisse vorausgesagt. Sein Nachfolger schwimmt sich bereits warm.

Oberhausen - Mit acht richtigen WM-Tipps ist er berühmt geworden, jetzt hat Orakel-Oktopus Paul sein eigenes Denkmal: Ein Riesenkrake auf einem riesigen Fußball, alles zusammen zwei Meter groß und 150 Kilogramm schwer. "Wir haben uns lange Gedanken gemacht, wie wir Paul gedenken könnten, und auch seine weltweiten Fans haben sich ein Denkmal gewünscht", sagt Geschäftsführer Stefan Porwoll vom Oberhausener Sealife Aquarium und enthüllte am Donnerstag das Denkmal in einem fensterlosen Raum des Aquariums.

Die kunterbunte Kraken-Kugel in den Farben der WM-Teilnehmer ist im Land des Vizeweltmeisters Holland aus Styropor, Holz und Beton angefertigt worden. In der Kugel ist unterhalb des Krakenkopfs ein kleines Fenster. Dahinter steht eine mit Blattgold verzierte Urne - eine Mischung aus Oktopus und WM-Pokal. "Darin befindet sich ein kleines Holzdöschen, eigens aus Indonesien, mit Pauls Asche, das sind ungefähr 15 Gramm", sagt Porwoll. Mehr ist vom zwei Kilo schweren Paul nicht übrig geblieben.

Und das ist noch nicht alles in "Pauls Ecke": Der Boden ist einem Fußballfeld nachempfunden - daher auch der Name. An der Wand hängen vergrößerte Zeitungsausschnitte aus dem vergangenen Sommer, als der achtarmige Paul die Welt mit seinen stets richtigen Spielvorhersagen zur Fußballweltmeisterschaft verzückte. "Paul, der Weltstar" und "Paul, lass dich knutschen" lauten die Schlagzeilen. Auch die "Originalorakelboxen" - "ungewaschen", wie Porwoll betont - und mehrere Geschenke von Fans sind zu besichtigen, darunter ein kleines Fußballtrikot mit acht Armausschnitten.

Faule Eier für Paul und sein Zuhause

Wäschekörbe voll Fanpost hatte der im Oktober im Opa-Alter gestorbene Paul zu WM-Zeiten bekommen. Das nordwestspanische Städtchen Carballiño machte ihn gar zum Ehrenbürger. Aber Paul hatte auch Feinde: Der argentinische Nationaltrainer Diego Maradona verfluchte ihn, nachdem er die Niederlage der Argentinier gegen Deutschland vorhergesagt hatte. Kurz danach sagte Paul die Pleite der Deutschen gegen Spanien voraus, und das Oberhausener Aquarium wurde mit faulen Eiern beworfen.

Was Paul auch prophezeite, er war in aller Munde und entfachte eine unbezahlbare PR-Kampagne. Offiziell heißt es, mit Pauls Namen solle nur für Naturschutzprojekte geworben werden.

Wenige Räume weiter räkelt schon der nächste Oktopus seine acht Tentakel im Wasser: Nachfolge-Krake Paul II. Dessen Orakel-Zukunft ist noch ungewiss. Er wird erst noch auf hellseherische Fähigkeiten getestet.

jjc/dpa

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