Wochenendbilanz 17 Menschen sterben bei Unwettern

Verheerende Gewitterstürme über Europa haben am Wochenende mindestens 17 Menschen das Leben gekostet und Sachschäden in Millionenhöhe angerichtet.


Rettungskräfte beim Einsatz in Straßburg
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Rettungskräfte beim Einsatz in Straßburg

München - Am schwersten traf es Straßburg, wo am Freitagabend bei einem Freiluftkonzert 11 Menschen von einer umstürzenden Platane getötet wurden. Viele Menschen wurden verletzt. Noch am Sonntag lagen 41 von ihnen im Krankenhaus. Ein Kind liegt noch im Koma. Die Staatsanwaltschaft untersucht jetzt die Tragödie. In Süddeutschland fielen dem Unwetter mindestens sechs Menschen zum Opfer. In Tschechien, Österreich und Norditalien gab es ebenfalls Verletzte, Überschwemmungen und große Schäden. Die Sturmböen fegten mit bis zu 150 Kilometern pro Stunde über Europa.

Dutzende Besucher des Konzertes in einem Straßburger Vorort hatten unter Zeltdächern Schutz vor dem Unwetter gesucht, als eine riesige Platane vom Sturm umgerissen wurde und die Menschen unter sich begrub. "Es ging alles ganz blitzartig", erinnerte sich eine Konzertbesucherin im französischen Radio. "Als die ersten Tropfen fielen, hörten die Musiker zu spielen auf. Wir flüchteten unter zwei Zelte. Wir hörten Äste brechen. Leute riefen ‚Raus hier'. Ich hatte Glück und kam raus, dann fiel der Baum." Drei Stunden waren 130 Feuerwehrleute, 100 Polizisten sowie 30 Ärzte und Rettungssanitäter mit Bergungs- und Aufräumarbeiten beschäftigt.

Die Bilanz nach dem Sturm: Insgesamt mindestens 17 Tote und zahlreiche Verletzte
AFP

Die Bilanz nach dem Sturm: Insgesamt mindestens 17 Tote und zahlreiche Verletzte

Bayern

In Bayern starben durch das Unwetter mindestens vier Menschen, Dutzende wurden verletzt. Während einer Regatta auf dem Ammersee ging ein Katamaran mit vier Männern im Alter von 49 bis 61 Jahren unter. Nur zwei konnten sich retten, ein dritter Mann ertrank. Helfer suchten am Sonntag noch nach dem vierten Segler. Auf dem Starnberger See wurde ein 59-Jähriger vom Mast seiner Segelyacht erschlagen. In Kehlheim wurde ein 51 Jahre alter Rentner von einem durch eine Sturmböe hochgewirbelten Boot getötet. Im oberfränkischen Bad Alexandersbad kam bei einem Wolkenbruch ein 22-jähriger Helfer des Technischen Hilfswerks bei einem Autounfall ums Leben.

Baden-Württemberg

Zwei Sturmopfer waren in Baden-Württemberg zu beklagen. Am Sonntag erlag ein 62 Jahre alter Fahrradfahrer aus Kehl seinen Verletzungen, die er sich Freitagnacht beim Sturz über herabgefallene Äste auf dem Radweg zugezogen hatte. In Mannheim war am Freitagabend ein 66-Jähriger gestorben, als ein herabstürzender Ast die Windschutzscheibe seines Autos durchschlug.

Vielerorts mussten Straßen wegen Überflutungen oder umgestürzter Bäume ganz oder teilweise gesperrt werden. Entwurzelte Bäume und losgerissene Äste fielen auf Bahngleise und Oberleitungen und behinderten den Zugverkehr in Rheinland-Pfalz und Bayern. In den östlichen Bundesländern verlief die jüngste Gewitternacht zum Sonntag mit Sachschäden eher glimpflich. Zuletzt waren dem Orkan "Lothar" an Weihnachten 1999 in Deutschland 18 Menschen zum Opfer gefallen.

Papst kondoliert

Frankreichs Staatspräsident Jacques Chirac sprach den Familien der Todesopfer von Straßburg sein Beileid aus. Papst Johannes Paul II. versicherte den trauernden Familien "sein tief empfundenes Mitgefühl". Der französische Gesundheitsminister Bernard Kouchner, der den Unglücksort am Samstag besuchte, wies jede Verantwortung der Behörden für die Tragödie zurück. "Die Genehmigung für das Fest war Gerechtfertigt", sagte Kouchner, der das Unglück als "Schicksalsschlag" bezeichnete. Verkehrsminister Jean-Claude Gayssot sagte, Unwetter wie dieses seien schwer vorherzusehen.

Vom Sturm entwurzelte Bäume blockierten auch in Tschechien den Verkehr. Am stärksten betroffen waren die westlichen und nördlichen Landesteile. In Norditalien zerstörte der Sturm am Samstag Häuser, deckte Dächer ab, entwurzelte Bäume und verletzte rund 90 Menschen. Die Love Parade in Wien, bei der am Samstag tausende Raver durch die Innenstadt zogen, musste wegen einer Unwetterwarnung vorzeitig abgebrochen werden. Sturm und Hagel richteten in der Nacht zum Sonntag auch in Österreich schwere Schäden an.



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