Hausbesuch bei Designer-Duo Besau-Marguerre Ein Traum von Raum

Sie haben keine Ahnung, was Sie aus Ihrer Wohnung machen sollen? Sechs Designer helfen. Für SPIEGEL ONLINE führen sie durch die eigenen vier Wände. Diesmal: das Studio Besau-Marguerre aus Hamburg.

Von und Carina Wendland (Fotos)


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SPIEGEL ONLINE: Wie würden Sie Ihren Wohnstil beschreiben?

Eva Marguerre: Flexibel. Wir räumen regelmäßig um und haben ungern fixe Plätze für alles. Wir mögen es auch, wenige Möbel und viel freie Fläche zu haben. Wie im Esszimmer. Da darf der schöne Tisch auch in der Mitte des Raums stehen.

SPIEGEL ONLINE: Welches ist Ihr liebstes Einrichtungsstück?

Marguerre: Ich habe einen Stuhl, einen Freundschaftsstuhl, der im Flur bei uns steht. Eine sehr liebe Freundin von mir hat den gleichen - wir haben beide bei einer Shopping-Tour in einem Secondhand-Möbelladen entdeckt und jeweils einen mit nach Hause genommen.

Marcel Besau: Bei mir wechselt das immer, aber momentan bin ich ein großer Fan unseres Esstisches. Der stammt von dem Dachboden einer Schule. Den habe ich selbst aufgearbeitet. Ich mag ihn, weil er eine eigene Geschichte erzählt.

Zur Person
  • Carina Wendland
    Eva Marguerre, Jahrgang 1983, und Marcel Besau, Jahrgang 1980, haben Produkt- und Kommunikationsdesign in Karlsruhe und Wuppertal studiert. 2011 haben sie ihr gemeinsames Design-Studio Besau-Marguerre in Hamburg gegründet. 2014 wurden sie unter die Finalisten des German Design Award gewählt.

SPIEGEL ONLINE: Wie viele Ihrer eigenen Stücke stehen in der Wohnung?

Marguerre: Eine Zeit lang hatten wir gar keine eigenen Sachen in der Wohnung. Gerade als Designer ist man auch immer sehr kritisch mit den eigenen Produkten und kann die kaum neutral ansehen. Aber mittlerweile haben wir ein paar Sachen von uns hier, wie die Sitzpoufs im Wohnzimmer und den Hocker Nido.

Besau: Natürlich gefällt uns auch die Ästhetik, das ist einfach ein Stück von uns.

SPIEGEL ONLINE: Mit welchem Produkt kam der Durchbruch?

Marguerre: Der Nido-Hocker war unser erstes Produkt, mit dem wir überhaupt rausgegangen sind. Damit hatten wir auch gleich einen tollen Einstieg, weil die richtigen Magazine darüber berichtet haben. Der Hocker ist aus Glasfaser entstanden, was sonst oft im Bereich Flugzeug- und Schiffsbau verwendet wird. Auf der einen Seite ist es superleicht, auf der anderen aber auch extrem stabil und robust.

SPIEGEL ONLINE: Erinnerungsstücke horten - dafür oder dagegen?

Marguerre: Ich hänge nicht so sehr an Dingen, obwohl ich mich ja viel mit Dingen beschäftige. Tatsächlich gibt es nichts, was ich immer um mich haben muss. Mir ist es wichtiger, dass sich die Wohnung mit uns entwickelt als dass ich mir die Regale vollstelle mit Dingen, die mit Erinnerungen aufgeladen sind. Wir sind keine Fans von zugewucherten Regalen.

SPIEGEL ONLINE: Was ist das hässlichste Möbelstück in Ihrer Wohnung - und warum steht es noch da?

Marguerre: Die letzten Monate hingen unsere Mäntel an einer Klimmzugstange im Flur. Inzwischen haben wir eine ganz schlichte weiße Kleiderstange gekauft, bis uns irgendwann ein schöner, alter Schrank zuläuft. Wir improvisieren eher, bevor wir uns etwas in die Wohnung holen, was uns gar nicht gefällt.

SPIEGEL ONLINE: Woran darf ich auf einem Flohmarkt auf keinen Fall vorbeilaufen?

Marguerre: Hier in Hamburg habe ich noch keinen Flohmarkt gefunden, der gut und günstig ist. Klar gibt es zwischendrin immer mal wieder wirklich tolle Sachen, zum Beispiel auf dem Schanzenflohmarkt. Der Trend geht dahin, dass viele Leute den Stil mögen und die alten Dinge schätzen. Aber dadurch zahlt man für die gebrauchten Sachen inzwischen mehr als für neue aus dem Möbelmarkt.

SPIEGEL ONLINE: Welche Tricks gibt es sonst noch für schmale Budgets?

Besau: In Karlsruhe waren wir oft in einem Laden, der schöne Möbel aus Wohnungsauflösungen heraussucht und dann aufarbeitet. Super war früher auch einfach Sperrmüll, unseren Küchentisch und die Stühle haben wir so bekommen. Noch besser ist aber der Ebay Kleinanzeiger. Es ist zwar aufwendig, weil man die Leute anschreiben und dann da hinfahren muss. Aber man kann wirklich gute Schnäppchen machen.

SPIEGEL ONLINE: Ikea - ja oder nein?

Marguerre: Wir haben in der Wohnung schon ein paar Möbel von Ikea, zum Beispiel diese Metall-Spinde, die sind einfach extrem praktisch. Die haben wir dann in verschiedenen Farben lackiert, um die ein bisschen individueller zu machen. Ich finde, wenn noch andere alte Möbel dazukommen, warum eigentlich nicht?

SPIEGEL ONLINE: Und was geht gar nicht?

Besau: Wichtiger als die Objekte ist ein Gespür für den Raum. Manchmal gibt es Möbelstücke, die sind eben so präsent, dass man denen mehr Raum geben muss. Wenn Menschen das nicht berücksichtigen, finde ich es störender als hässliche Kleinigkeiten.




insgesamt 18 Beiträge
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Polyprion 02.10.2014
1. Naja...
geschmacklich ist das bestenfalls die B-Designer-Garde. Viel IKEA, viel Kleinkram, Nippes, verliert sich im Klein-Klein, wirkt unfertig, unaufgeräumt und ungemütlich, dabei noch nicht einmal individuell, einfach nur Zeitgeschmack wie aus dem Möbelhauskatalog. Einzig die Werkstatt, die gefällt mir.
räbbi 02.10.2014
2.
Wenig drin, viel altes Zeugs und a bissale Nippes. Find ich ganz nett, aber wenn das Schule macht, richtet es ganze Industriezweige zu Grunde...denk doch mal wenigstens einer an das BIP ;)
Herr Mutzel 02.10.2014
3. genau ein Naja ...
Heute wird einem auch alles irgendwie als Design verkauft. Und dann hänge ich einen Faden mit einer Birne von der Decke bin ich also ein stillbewusster Mensch für hochwertige Gestaltung. Sorry nur weil das alles Produkte sind die in jedem »Designlädchen« ob in Zürich oder Hamburg oder Berlin zu finden sind, hat das für mich wenig mit eigenem Stilbewusstsein und hochwertiger Gestaltung zu tun. Am Schönsten finde ich noch die gute alte Ginflasche auf dem Schränkchen. Habe ich auch aber weil der Gin halt schmeckt und nicht als Zierde und Ausstellungsstück. Verdammt schöne Bilder und Arrangements keine Frage aber mir persönlich viel zu überladen und gewollt. Aber auch hier gilt jedem das Seine. Sympathisches Paar und muss zugeben auf die Werkstatt kann man ein wenig neidisch sein ...(und stimmt, als Designer nur Ikea in den Mund nehmen geht gar nicht und wenn man sich dann dafür warum auch immer irgendwie entschuldigen muss passt man die Möbel halt alle individuell noch an. Dabei dachte ich immer Ikea verkauft insbesondere Designprodukte und die Produktdesigner haben irgendwie genau den Job den ich man auch ausübt ...
michmich321 02.10.2014
4.
Sieht aus wie der nachgebaute Ikea Katalog. Möbeln Freiraum geben und dann alle ecken zustellen ist das gleiche? Alles kunterbunt zeugt auch nicht von viel wohndesign der sich abhebt. Alles der gleiche Einheitsbrei. Für mich nichts was Design ist.
k_murr 02.10.2014
5. Naja die Zweite
Ich sehe auch nur eine sehr geräumige helle Altbauwohnung mit hübschem Holzfussboden und hässlichen Fenstern die mit ganz okayem Geschmack vollgestellt wurde. Bis auf die Werkstatt eigentlich wirklich nicht der Rede wert...
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