Gestorben Wolodymyr Wakulenko, 49 oder 50

Im März vergrub er sein Tagebuch unter einem Baum im Garten. Am nächsten Tag nahmen wohl russische Soldaten den ukrainischen Schriftsteller in seinem Heimatdorf Kapytoliwka in der Region Charkiw mit, sie hatten sein Haus schon einmal aufgesucht. Danach wurde er seinen Verwandten zufolge nicht mehr gesehen.
Wolodymyr Wakulenko, der laut der ukrainischen Schriftstellervereinigung PEN am 1. Juli 1972 zur Welt kam und Vater eines autistischen Sohns im Teenageralter war, erlangte in der Ukraine vor allem Bekanntheit als Kinderbuchautor. Der Dichter schuf aber auch sein eigenes Genre, das man mit »Gegenliteratur« übersetzen könnte – ein Mix unter anderem absurder und postmoderner Einflüsse.
Er beteiligte sich an den Euromaidan-Protesten vor rund neun Jahren, meldete sich als Freiwilliger bei der ukrainischen Armee. Ende November zeigte ein DNA-Test, dass es sich bei einer der über 400 Leichen, die Mitte September in einem Massengrab im Wald nahe der ostukrainischen Stadt Isjum gefunden wurden, um die des Dichters handelt. Ein leitender Ermittler schrieb auf Facebook, Zeugen hätten Einschusslöcher im Körper des Toten bemerkt.
Wakulenkos Tagebuch unter den Baum im Garten hat eine Schriftstellerkollegin inzwischen ausgegraben, wie der ukrainische PEN-Präsident Andrej Kurkow vor einem Monat berichtete. Es hat länger als ein halbes Jahr in der vom Krieg erschütterten Erde überstanden. Ort, Zeit und genaue Umstände des Todes von Wolodymyr Wakulenko sind unklar.