World Trade Center Der vermeidbare Tod von 121 Feuerwehrmännern

Beim Terroranschlag auf das World Trade Center am 11. September hätten die Leben vieler Feuerwehrmänner gerettet werden können, wenn die Kommunikation der Helfer reibungslos funktioniert hätte. Doch offenbar gab es reichlich Pannen.


Erschöpfter Feuerwehrmann am World Trade Center
DPA

Erschöpfter Feuerwehrmann am World Trade Center

Hamburg - Wie die "New York Times" berichtet, war schon Minuten nach dem Einsturz des Südturms klar, dass auch der Nordturm nicht mehr lange stehen würde. "Ich glaube nicht, dass er noch lange hält", soll der Pilot eines Polizei-Hubschraubers über Funk an seine Zentrale übermittelt haben. "Ich würde das gesamte Gebiet des zweiten Gebäudes evakuieren." 121 Feuerwehrmänner, die sich in eben diesem Gebiet befanden, bekamen die Warnungen jedoch nie zu Gehör - und kamen ums Leben, als schließlich auch der zweite Turm in sich zusammenstürzte. Zum einen gab es keinen gemeinsamen Funkverkehr von Polizei und Feuerwehr - zum anderen funktionierte der Funkkontakt zwischen den Feuerwehrleuten ohnehin nicht.

Fast zehn Monate nach der Katastrophe schließen Polizei und Feuerwehr gerade ihre internen Untersuchungen über die Einsätze jenes Tages ab. Die Ergebnisse sind ziemlich ernüchternd. Es müsse sich einiges ändern, damit die Rettungskräfte bei einem möglichen neuen Desaster gewappnet sind. Vor allem technische Schwierigkeiten hätten den Einsatzkräften zu schaffen gemacht, berichtet die "New York Times" und präsentiert gleich eine ganze Liste von Fehlerstellen:

  • Der Funkverkehr der Feuerwehr war ausgefallen. Das gleiche Problem war bereits 1993 beim ersten Anschlag auf das World Trade Center aufgetreten, der Fehler aber offenbar nicht behoben worden.
  • Zwischen Polizei und Feuerwehr gab es während des Einsatzes kaum Koordination. Auch Informationen über den Zustand der Gebäude und Gefahren wurden nicht weitergegeben.
  • Die meisten Feuerwehrmänner im Nordturm wussten nichts vom Einsturz des Südturms und der Dringlichkeit, das Gebäude zu verlassen. Einige warteten im Gebäude auf weitere Order - vergeblich.
  • Bis jetzt hat die Feuerwehr keinen Überblick, wie viele Feuerwehrmänner in die Türme geschickt wurden und wie viele darin umkamen.

Noch ist unklar, welche Konsequenzen die Behörden aus den Pannen am 11. September ziehen werden. "Keine Frage, dass es Kommunikationsprobleme während der Katastrophe gegeben hat", zitiert die "New York Times" Nicholas Scoppetta, den Feuerwehrbeauftragten der Stadt New York. Die Stadt beabsichtige jetzt immerhin, einen gemeinsamen Funkkanal für Feuerwehr und Polizei einzurichten.



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