Superjet-Absturz in Indonesien Russlands Prestigeobjekt zerschellt an Vulkan

Für die zivile russische Luftfahrt ist es ein Alptraum: Der neue Superjet 100 ist auf einem Demonstrationsflug in Indonesien abgestürzt. Die Trümmer des Prestigeprojekts hängen nun an der Felswand eines Vulkans. Die Einsatzkräfte haben den Unglücksort mittlerweile erreicht, Überlebende gibt es nicht.

AFP/ Indonesian Air Force

Jakarta - Es sollte Werbung für das Vorzeigeprojekt der zivilen russischen Luftfahrt werden, doch es endete in einer Tragödie: Der Suchoi Superjet 100 ist bei einem Demonstrationsflug über Indonesien abgestürzt, die Trümmer des Mittelstreckenfliegers liegen nun verstreut an der steilen Felswand des inaktiven Vulkans Salak. An Bord waren bis zu 50 Menschen. Keiner der Insassen überlebte das Unglück, wie die Rettungskräfte mitteilten.

Die Besatzung eines Helikopters hatte die Wrackteile am Donnerstagmorgen an der steilen Felswand entdeckt. Inzwischen haben Einsatzkräfte die Umgebung des Unglücksorts erreicht und laut einem Sprecher auch erste Leichen entdeckt. Die Bergung sei jedoch nur mit Hubschraubern möglich.

Die Absturzstelle liegt in unwegsamem Gelände an den Hängen des 2200 Meter hohen Salak, etwa 50 Kilometer südlich der Hauptstadt Jakarta. Rund tausend Helfer waren den Angaben zufolge an der Suche beteiligt.

Der Superjet 100 war am Mittwoch etwa 20 Minuten nach dem Start vom Radar verschwunden. Die Unglücksregion liegt oft in Dunstschwaden. Die Crew hatte in ihrem letzten Kontakt gebeten, die zugewiesene Flughöhe zu verlassen und auf 1800 Meter sinken zu dürfen. Der Grund für dieses Manöver ist noch ebenso unklar wie die Absturzursache. Unter den Insassen waren neben der russischen Crew vor allem Vertreter von Fluggesellschaften und einige Journalisten.

Ausgerechnet am "Tag des Sieges"

In Russland wurde das Unglück fassungslos aufgenommen. Die Redakteure der Kreml-nahen Boulevardzeitung "Twoj Den" ("Dein Tag") wollten es noch nicht wahr haben, als sie in der Nacht zum Donnerstag die Schlagzeilen ihres Blattes machten. "Russischer Flieger Suchoi Superjet 100 unter mysteriösen Umständen verschwunden", schrieben sie.

Das Unglück geschah ausgerechnet am "Tag des Sieges". An dem Feiertag gedenkt Russland des Sieges über Hitlerdeutschland. In Moskau marschierten 14.000 Soldaten bei der traditionellen Militärparade am Kreml vorbei. Mit modernen Raketensystemen, die über den Roten Platz rollten, wollte die Führung demonstrieren: Das Land ist militärisch und technologisch immer noch eine Großmacht.

Der Absturz ist ein schwerer Schlag für das prestigeträchtigste Industrieprojekt von Präsident Wladimir Putin, der am Montag triumphal in den Kreml zurückgekehrt war. Vielleicht ist es sogar ein vernichtender Schlag für das ambitionierte Superjet-Projekt.

Mit der neuen Maschine wollte Russland an die Erfolge sowjetischer Flugzeugingenieure anknüpfen. Im roten Riesenreich waren einst Iljuschin-, Antonow- oder Tupolew-Flieger entwickelt worden. Der Superjet 100 war das erste im neuen Russland konzipierte Flugzeug, die erste neue Passagiermaschine seit dem Zusammenruch der Sowjetunion.

Vorreiter für die Modernisierung des Landes

Russland, dessen Wirtschaft noch immer stark abhängig ist von Rohstoffexporten, will die Luftfahrtindustrie zum Vorreiter für die Modernisierung des Landes machen. Bis 2025 will die Regierung 42,5 Milliarden Euro in die Entwicklung stecken. Russlands Flugzeugbauer sollen neben Airbus und Boeing zum "dritten Kraftzentrum der globalen Luftfahrtindustrie" werden und 10 Prozent des Weltmarkts erobern.

Zum Flaggschiff dieser Expansionspläne sollte der Superjet werden, der in Russland bereits im Linienbetrieb eingesetzt wird. Bis zu 1000 Flugzeuge des Typs möchte Russland verkaufen, 70 Prozent davon sollen ins Ausland gehen. Deshalb war die nun verunglückte Maschine nach Südostasien aufgebrochen: In Kasachstan, Pakistan, Laos und Vietnam standen Demonstrationsfüge auf dem Programm. In Indonesien waren zwei geplant, der erste Flug war ohne Zwischenfälle verlaufen. Auf dem zweiten verschwand die Maschine plötzlich vom Radar.

hut/beb/dpa/AP



insgesamt 128 Beiträge
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Seite 1
kein Ideologe 10.05.2012
1. man lernt nicht
152 (Flugzeug) (http://de.wikipedia.org/wiki/152_(Flugzeug)#Absturz_der_152.2FI_V1) Showeinagen mit Prototypen sind gefährlich. Und, daß die Verkäufer mehr als die Techniker zu sagen haben, ist nicht an die gesellschaftlichen Verhältnisse gebunden.
deus-Lo-vult 10.05.2012
2. ...
Zitat von sysopAFP/ Indonesian Air ForceFür die zivile russische Luftfahrt ist es ein Alptraum: Der neue Superjet 100 ist auf einem Demonstrationsflug in Indonesien abgestürzt. Die Trümmer des Prestige-Projekts hängen nun an der Felswand eines Vulkans. Die Einsatzkräfte haben den Unglücksort mittlerweile erreicht. http://www.spiegel.de/panorama/0,1518,832381,00.html
Himmel.... als ich "Superjet" las und "Prestigeobjekt" hatte ich etwas erwartet, dass in Konkurrenz zu A380 und 747 treten könne. Dieser "Superjet" taugt ja gerade mal für Flüge zwischen München und Hamburg...
olaf313 10.05.2012
3.
Zitat von sysopAFP/ Indonesian Air ForceFür die zivile russische Luftfahrt ist es ein Alptraum: Der neue Superjet 100 ist auf einem Demonstrationsflug in Indonesien abgestürzt. Die Trümmer des Prestige-Projekts hängen nun an der Felswand eines Vulkans. Die Einsatzkräfte haben den Unglücksort mittlerweile erreicht. http://www.spiegel.de/panorama/0,1518,832381,00.html
Chinesische und russische Flugzeuge sollen mal schön die Einheimischen testen, ich setze mich in keines dieser Dinger rein
snigger 10.05.2012
4. untersuchungsbericht abwarten
Zitat von sysopAFP/ Indonesian Air ForceFür die zivile russische Luftfahrt ist es ein Alptraum: Der neue Superjet 100 ist auf einem Demonstrationsflug in Indonesien abgestürzt. Die Trümmer des Prestige-Projekts hängen nun an der Felswand eines Vulkans. Die Einsatzkräfte haben den Unglücksort mittlerweile erreicht. http://www.spiegel.de/panorama/0,1518,832381,00.html
so wie das auf dem foto von SPON aussieht, war es 30 bis 100meter zu tief ... weil in einem beitrag auf das bodenverfolgungsradar hingewiesen wurde: so wie sich mir dort die landschaft präsentiert, hätte das mit sicherheit nicht den unfall nicht verhindert. der bewaldete felsgrat erklärt auch, wieso es solange dauert, bis die rettungskräfte dort sind. ich bin sicher, dass die blackbox geborgen und ausgerwertet werden wird. warten wir also das ergebnis ab. den angehörigen der toten spreche ich mein mitleid aus.
lecksmiamasch 10.05.2012
5. So ist es.
Zitat von deus-Lo-vultHimmel.... als ich "Superjet" las und "Prestigeobjekt" hatte ich etwas erwartet, dass in Konkurrenz zu A380 und 747 treten könne. Dieser "Superjet" taugt ja gerade mal für Flüge zwischen München und Hamburg...
Aus Wiki: "In der Auslegung ähnelt der SSJ den Embraer E-Jets, der Bombardier CSeries sowie der gescheiterten Dornier 728. Er soll die in Russland noch zahlreich eingesetzten Tupolew Tu-134 und Jakowlew Jak-42 ersetzen." Alles klar? Der Markt für "Jumbos" ist sehr begrenzt und eigentlich bereits gesättigt. Die Entwicklung eines weiteren Flugzeugs in der Größenordnung des A380/B747 macht schlicht und ergreifend keinen Sinn und ist auch finanziell kaum zu stemmen.
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