Wunder von Manhattan Airbus verlor bei Notwasserung beide Triebwerke

Neue Einzelheiten zum Flugzeugunglück vor Manhattan: Experten zufolge hat der Airbus beim Sturz in den Hudson River beide Triebwerke verloren. Die Auswertung des Funkverkehrs gab zudem Aufschluss über die dramatischen Minuten vor der Notwasserung.

New York - Einen Tag nach dem Flugzeugunglück vor den Hochhäusern Manhattans versuchen Experten fieberhaft, die Einzelheiten zu rekonstruieren. Bei der spektakulären Notwasserung auf dem Hudson verlor der Airbus offenbar beide Triebwerke. Die Triebwerke befinden sich vermutlich auf dem Grund des Flusses, sagte Kitty Higgins von der nationalen Verkehrssicherheitsbehörde am Freitag bei einer Pressekonferenz in New York. Taucher versuchten derzeit, die versunkenen Flugzeugteile zu orten.

Die Maschine war am Donnerstag kurz nach dem Start vom New Yorker Flughafen LaGuardia nach Charlotte im Bundesstaat North Carolina in einen Gänseschwarm geraten, woraufhin beide Triebwerke ausfielen. Alle 155 Insassen des Airbus A320 überlebten das Unglück.

Vor der Notlandung hatte Pilot Chesley B. Sullenberger nach Angaben eines Gewährsmannes die Landung auf zwei Flughäfen erwogen. Sullenberger habe aber beide Vorschläge von Fluglotsen abgelehnt, weil er sich nicht in der Lage gesehen habe, den Airbus A320 dort sicher auf den Boden zu bringen, verlautete am Freitag aus informierten Kreisen in Washington. Dies gehe aus dem Funkverkehr Sullenbergers hervor.

Der Pilot informierte die Flugsicherung den Angaben zufolge über einen "doppelten Vogelschlag" und wurde aufgefordert, zum Flughafen LaGuardia zurückzukehren. Dies sei nicht möglich, antwortete Sullenberger. Auch eine Landung auf einem kleineren Rollfeld in Teterboro im Staat New Jersey kam für den Piloten nicht in Frage, wie der Gewährsmann weiter sagte. Er habe die Flugsicherung daraufhin über die geplante Notwasserung informiert.

Die Unglücksmaschine wurde am Freitagmorgen an einen Pier etwa sechs Kilometer von der Landestelle entfernt geschleppt. Der Rumpf lag voll unter Wasser, nur ein Flügel ragte heraus. Higgins zufolge soll am Samstag versucht werden, das Flugzeug mit einem riesigen Kran auf einen Schlepper zu heben. Zunächst werde man den Flugschreiber bergen und den Airbus dann zur weiteren Untersuchung an Land bringen, sagte sie.

Der Airbus A320

Der New Yorker Bürgermeister Michael Bloomberg zeichnete Sullenberger mit einem Schlüssel der Stadt aus. "Sein mutiges Handeln hat die Menschen dieser Stadt und Millionen rund um die Welt inspiriert." Die Besatzung hatte die Passagiere am Donnerstag nach der Notlandung innerhalb von wenigen Minuten aus der sinkenden Maschine bringen können. Fährschiffe und Rettungsboote nahmen sie auf. Der New Yorker Gouverneur David Paterson sprach vom "Wunder auf dem Hudson".

Auch US-Präsident George W. Bush gratulierte Sullenberger telefonisch für die gelungene Notwasserung. Bush habe den 57-Jährigen für seine erstaunlichen Fähigkeiten, seinen Mut und seinen heldenhaften Einsatz gelobt, sagte die Sprecherin des Weißen Hauses, Dana Perino.

amz/AP/dpa