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SCHÖNHEIT Wundercreme von Weißkitteln

Von Dieter Wellershoff
aus DER SPIEGEL 43/1997

Das Wort sagt alles: Kosmetik. Das klingt nach einer dünnen Schicht Lüge über einer traurigen Wahrheit, nach ein bißchen Farbe über den Spuren des Alterns. Viele Milliarden werden Jahr für Jahr dafür ausgegeben, der Natur mit kosmetischer Appretur ein Schnippchen zu schlagen, Glanz und Glamour auf die nackte Haut zu zaubern. Es sind ausgerechnet die angeblich so oberflächlichen Amerikaner, die jetzt mehr verlangen als den schönen Schein. Immer mehr Frauen bestehen auf Hautpflegemitteln unter dem Signum der Medizin, aus den Labors der Pharmaindustrie.

»Ein dermatologisches Produkt halten die Verbraucher für gut, weil es eine medizinische Basis hat«, sagt Stacey Narotzky, Direktorin der Medi-Cell Laboratories. Anders gesagt: Was nach bitterer Arznei aussieht, enthält das süße Versprechen der Heilung. Narotzkys Unternehmen hat gerade »Hydrox-C« auf den Markt gebracht, das Alphahydroxysäure und Vitamin C enthält, um Falten wegzuätzen und die Gesichtshaut zu straffen; die Verpackung erinnert dabei in charmanter Subtilität an handelsübliche Reinigungsmittel für Kontaktlinsen. Eine Gruppe von US-Dermatologen patentierte jüngst den körpereigenen Wirkstoff Dehydroepiandrosteron, kurz DHEA, der den schwindenden Feuchtigkeitsgehalt der Haut erhöhen soll. Unter dem - wissenschaftliche Forschung simulierenden - Namen »DHEA 14« vertreibt nun eine Firma aus Beverly Hills in perfekter medizinischer Aufmachung die Wundercreme. Ob Lüge oder Wahrheit, ob echte Wirkung oder schnöder Aberglaube - fest steht: Der Mythos ewiger Jugend lebt.

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