Wundersuche Nonne könnte Papst selig machen

Johannes Paul II. kommt seiner Seligsprechung einen Schritt näher. Der Vatikan könnte jetzt eines der notwendigen Wunder entdeckt haben, die für eine Seligsprechung des vor einem Jahr gestorbenen Papstes nachgewiesen werden müssen - die Heilung einer an Parkinson leidenden Nonne.


Rom - Die Prüfung der möglichen Wundertat stehe "unmittelbar bevor", sagte der Postulator Slawomir Oder. Er berichtete, eine "relativ junge" französische Nonne, die wie der verstorbene Papst an der Parkinsonschen Krankheit gelitten habe, sei auf medizinisch unerklärliche Weise genesen. Da sie zuvor zu Johannes Paul II. gebetet habe, vermutet der Vatikan ein Wirken des Pontifex aus dem Himmel.

Von Parkinson gezeichneter Papst Johannes Paul II. (2003): Beschleunigter Weg in die Heiligkeit?
AFP

Von Parkinson gezeichneter Papst Johannes Paul II. (2003): Beschleunigter Weg in die Heiligkeit?

Die genesene Nonne ist dabei nur ein Beispiel von vielen. Das Internetforum "www.vicariatusurbis.org" erklärte, bei ihm seien 19.837 Hinweise auf Wunder eingegangen, die Johannes Paul II. zugeschrieben würden. Grundlage für eine Seligsprechung ist jedoch ein Wunder, das von dem Verstorbenen postum bewirkt wurde. Für die Heiligsprechung muss eine zweite Wundertat nachgewiesen werden.

Im Mai vergangenen Jahres hatte Papst Benedikt XVI. In der Lateranbasilika von Rom erklärt, das Seligsprechungsverfahren für seinen Vorgänger sei bereits im Gange. Damit lässt der Papst Karol Wojtyla ein beschleunigtes Verfahren angedeihen, denn üblicherweise müssen nach dem Tode eines Menschen erst fünf Jahre verstreichen, bis das langwierige Prozedere beginnen kann.

Heilig sind nach der katholischen Lehre zunächst einmal alle Menschen, die bereits im Himmel sind. Im engeren Sinne bezeichnet der Terminus jedoch diejenigen Christen, die von der Kirche in den Kanon der Heiligen aufgenommen wurden, das heißt deren Aufenthalt im Himmel amtskirchlich verbrieft ist und die von der Kirche aufgrund geleisteter Wunder oder eines Märtyrertodes als Vorbilder und Fürsprecher für alle Menschen für würdig befunden wurden.

Doch eine Selig- oder gar Heiligsprechung Johannes Pauls II. dürfte trotz aller Emsigkeit des zuständigen vatikanischen Sonderministeriums, der Congregatio de Causis Sanctorum, noch eine Weile dauern. In der Regel vergehen zwischen Selig- und Heiligsprechung mehrere Jahrzehnte. Besonders lang zieht sich der Prozess erfahrungsgemäß bei Päpsten hin. Schließlich gilt es zunächst einmal, das Leben des Kandidaten einer gründlichen Überprüfung zu unterziehen und sämtliche relevanten Zeugnisse und Schriftstücke zu begutachten. Das sind im Fall von Karol Wojtyla nicht wenige. Von 264 Päpsten wurden bislang 38 heilig gesprochen. 23 von ihnen flogen im Zweiten Vatikanischen Konzil jedoch wieder vom Universalkalender, der Liste der Heiligen, die von "wirklich allgemeiner Bedeutung" sind.



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