Zehn Jahre nach dem Anschlag Gerichtsmediziner identifizieren weiteres Opfer des 11. September

Mit Hilfe eines Fußknochens konnten New Yorker Beamte eine Frau identifizieren, die bei den Anschlägen des 11. September im World Trade Center ums Leben kam. Sie war an dem Unglückstag nur deshalb im Büro, weil ihr Arbeitgeber sie vorzeitig aus dem Urlaub zurückholte.

Ruinen des World Trade Center: Mehr als 1000 Opfer konnten bislang nicht gefunden werden
AFP

Ruinen des World Trade Center: Mehr als 1000 Opfer konnten bislang nicht gefunden werden


New York - New Yorker Gerichtsmedizinern ist es zehn Jahre nach den Anschlägen vom 11. September 2001 gelungen, damals geborgene Leichenteile einem weiteren Opfer zuzuordnen. Bei einer erneuten Überprüfung der nach dem Einsturz der Zwillingstürme geborgenen Leichenteile hätten die Beamten Überreste einer damals 42-jährigen Bankangestellten identifiziert, teilte das Büro der New Yorker Gerichtsmedizin am Freitag mit. Die Frau arbeitete am Tag des Anschlags im World Trade Center.

Sie sei in ihrem Leben viel gereist, habe Kambodscha, Schweden und Bosnien besucht, wie "USA Today" berichtet. Am 9. September sei sie gerade mit ihrem Verlobten aus der Toskana zurückgekehrt. Sie arbeitete für das Bankhaus Keefe, Bruyette & Woods, dessen Büros sich im 89. Stockwerk des Gebäudes befanden. Neben ihrem Job bei der Bank engagierte sie sich für eine Suppenküche.

Die Gerichtsmediziner hatten lediglich einen Fußknochen der Toten und konnten sie damit nun identifizieren. "Es ist fast elf Jahre her", sagte die Schwester der Verstorbenen der Zeitung "New York Daily News". "Nach einer solchen Zeitspanne dachte ich, dass solche Dinge nur in der TV-Serie 'CSI' passieren."

Sie berichtete zudem, dass die Tote eigentlich am 11. September noch gar nicht zurück in New York sein wollte. "Sie war in Italien, um ihre Hochzeit zu planen, und sie kam eine Woche früher zurück, um eine Veranstaltung für ihre Firma zu planen." Die Nachricht von der Identifizierung helfe ihr nun, mit dem Familiendrama abzuschließen. "Ein bisschen beruhigt, ein bisschen erleichtert und ein bisschen dankbar", so beschrieb sie ihren Gemütszustand.

Mehr als 2750 Menschen wurden nach den Anschlägen auf die Zwillingstürme als vermisst gemeldet. Einschließlich der Bankerin konnten bislang 1633 Opfern zumindest Leichenteile zugeordnet werden. Von 1120 fehlt weiterhin jede Spur.

sto/dapd



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