Zur Ausgabe
Artikel 24 / 71
Vorheriger Artikel
Nächster Artikel

Kritischer Bericht zum Cum-ex-Skandal »Zeit«-Herausgeber warnte befreundeten Banker

Mit Cum-ex-Geschäften brachten Finanzakteure den Staat um Milliarden. Als die Warburg-Bank ins Zentrum von »Zeit«-Recherchen rückte, wandte sich Herausgeber Joffe an den Miteigentümer der Bank.
aus DER SPIEGEL 19/2022
Herausgeber Joffe: Brief an einen Freund

Herausgeber Joffe: Brief an einen Freund

Foto: Wolfgang Rattay / REUTERS

Der »Zeit«-Mitherausgeber Josef Joffe hat die Hamburger Privatbank Warburg vorab vor kritischer Berichterstattung der Wochenzeitung zum sogenannten Cum-ex-Skandal gewarnt. Das geht aus einem persönlichen Brief hervor, den Joffe im Januar 2017 an Max Warburg schrieb, den Miteigentümer der Bank.

Aus: DER SPIEGEL 19/2022

Ein gefährlich kaputtes Land

Wladimir Putins Armee blamiert sich in der Ukraine, Russland steht in der Welt fast ohne Freunde da, die Wirtschaft ist anfällig, und die gebildete Jugend flieht in Scharen. Ist nicht nur Russlands Militär wie ein Potemkinsches Dorf, sondern auch sein Machtsystem? Und macht das die Atommacht bedrohlicher?

Lesen Sie unsere Titelgeschichte, weitere Hintergründe und Analysen im digitalen SPIEGEL.

Zur Ausgabe

Anlass für den Brief war offenbar eine Beschwerde des Bankers über einen »Zeit«-Artikel aus dem November 2016 , in dem es um die umstrittenen Steuertricks des Bankhauses ging. Joffe hebt in dem Brief hervor, er habe sich um »Schadensbegrenzung« für Warburg bemüht: »Ich habe Dich gewarnt, was in der Pipeline steckte«, so Joffe wörtlich.

Seiner »Intervention« sei es zu verdanken gewesen, dass der Artikel »geschoben wurde und die Bank Gelegenheit erhielt, Widerrede zu leisten«. Joffe erinnert zudem daran, dass er den Banker »angefleht« habe, wegen der Vorwürfe »eine exzellente PR Agentur« zu engagieren. Beide Männer verband eine lange Freundschaft.

Joffe bestreitet Einflussnahme

Auf SPIEGEL-Anfrage bestritt Joffe, Einfluss auf die Berichterstattung genommen zu haben. Er habe der Redaktion lediglich geraten, »der Warburg Bank eine Gelegenheit zu geben, sich zu äußern«. Zugleich habe er Max Warburg animiert, »mit unseren Reportern zu reden«. Die Veröffentlichung sei deshalb um etwa eine Woche verschoben worden.

Nach Joffes Darstellung habe er den Brief geschrieben, weil Max Warburg die Freundschaft beendet hatte. Eine »Zeit«-Sprecherin erklärte auf Anfrage ebenfalls, der Herausgeber habe keinen Einfluss auf die Berichterstattung genommen.

Die Warburg Bank hatte sich im Rahmen der Cum-ex-Praxis zu Unrecht Steuern erstatten lassen. Die Bank bestreitet bis heute Straftaten. Der Bundesgerichtshof entschied indes im vorigen Jahr, die Cum-ex-Praxis sei grundsätzlich illegal. Sie war jahrelang in der Finanzszene verbreitet und brachte den Staat um Milliarden.

Zwei ehemals hochrangige Warburg-Banker wurden inzwischen zu mehrjährigen Freiheitsstrafen verurteilt. Im Hamburger Rathaus will ein Untersuchungsausschuss klären, ob die Stadt die alteingesessene Bank zeitweise zu Unrecht schonte. An diesem Freitag muss der Hamburger Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD) als Zeuge aussagen.

Zur Ausgabe
Artikel 24 / 71
Vorheriger Artikel
Nächster Artikel
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.