Zeitgeschichte DDR bildete DKP-Kampfgruppen aus

Die Deutsche Kommunistische Partei (DKP) baute zwischen 1972 und 1989 insgeheim einen militärischen Arm für Sabotageakte und gezielte Tötungen auf - zu Killern ausgebildet wurden DKP-Kader in der DDR. Wieder zusammengesetzte Stasi-Aktenschnipsel aus der Birthler-Behörde werfen jetzt neues Licht auf den brisanten Pakt.


Innerdeutsche Grenze: Zur Guerillausbildung in die DDR
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Innerdeutsche Grenze: Zur Guerillausbildung in die DDR

Selbst im höchsten Machtgremium der DDR, dem SED-Politbüro, waren nur wenige Funktionäre über die Kampfausbildung sorgfältig ausgewählter DKP-Kader informiert. Die Durchführung lag bei Erich Mielkes berüchtiger "Arbeitsgruppe des Ministers/Sicherheit" (AGM/S), zuständig für die Koordinierung ultrageheimer Aktionen, darunter auch Liquidierungen.

In einem abgeschirmten Ausbildungscamp zwischen Scharmützelsee und Springsee im heutigen Brandenburg fanden jährlich sechs Ausbildungsgänge mit je zwei bis sechs Kämpfern statt, bei denen konspirativ in die DDR geschleuste West-Genossen im Schießen, Sprengen, Tarnen und Täuschen unterwiesen wurden. Geübt wurden etwa die "Zerstörung einer Fernmeldeeinrichtung bei Solingen" oder "das Legen eines Hinterhaltes mit anschließender Gefangenenbefreiung" im Hessischen. Auch das gezielte Töten von Personen gehörte zur Ausbildung.

Zusammensetzen von zerrissenen Stasi-Akten am Computer: Neue Details
DPA

Zusammensetzen von zerrissenen Stasi-Akten am Computer: Neue Details

Neu ist die Existenz der DKP-"Militärorganisation" (MO) nicht. Erstmals berichtete im Januar 1990 der SPIEGEL über die paramilitärische Untergrundorganisation der DKP, im kospirativen Sprachgebrauch der Genossen auch als "Linie Ralf Forster" bekannt. Als Folge der Veröffentlichung wurden im Herbst 1995 insgesamt 14 ehemalige MO-Angehörige wegen "Agententätigkeit zu Sabotagezwecken" beziehungsweise "Vorbereitung von Sabotagehandlungen" zu Geldbußen verurteilt. Für die westdeutschen Sicherheitsbehörden war die Aufdeckung der DKP-Guerillazellen eine Blamage, da sie von ihrer Existenz bis zur SPIEGEL-Veröffentlichung nichts gewusst hatten.

Nach Auskunft des Sprechers der Birthler-Behörde, Christian Booß, erlauben die mittlerweile zusammengetragenen Unterlagen nun ein "detaillierteres Bild" der Vorgänge, etwa hinsichtlich der Finanzierung, der Ausbildung und dem Inhalt von Absprachen zwischen SED und DKP. Nach wie vor gibt es jedoch keinen Beleg, dass die DKP-Truppe tatsächlich Anschläge verübte. "Über die praktische Seite wissen wir noch sehr wenig", so Booß gegenüber der Deutschen Presseagentur.



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