Der Biowaffen-Fachmann Als die Pocken wieder auferstanden

Anthrax ist den meisten Laien wohl erst seit den Wochen nach dem 11. September ein Begriff. Die Angst vor biologischen Kampfstoffen ist gewachsen - und ein ganzer Wirtschaftszweig zum Leben erwacht. Die Millionen wären ohne die Anschläge anderweitig ausgegeben worden, meint Biotech-Experte Simon Moroney.


Der Komplex aus dem 11. September und den Anthrax-Vorfällen, die danach in den USA folgten, hat der Frage besondere Dringlichkeit verliehen, was die Biotechnologie zur Klärung der Sicherheitsfragen beitragen kann.

So rief die US-Regierung nach den Anschlägen das BioShield-Programm ins Leben, ein milliardenschweres Projekt, das die Forschung und Produktion von Mitteln gegen Krankheiten fördern soll, die Terroristen theoretisch durch den Einsatz von biologischen Waffen auslösen könnten. Durch dieses Programm gewannen bestimmte Bereiche der Biotechnologie an wirtschaftlicher Bedeutung, die vorher weniger bedeutend waren. So sind Impfstoffe gegen potentielle Bedrohungen durch Pockenviren, Anthrax oder Pesterreger heute ein dynamischer Geschäftszweig innerhalb der Biotechnologie.

So galten die Pocken als ausgestorben und Forschung und Entwicklung in diesem Bereich als Nebenbaustelle der Biotechnologie. Durch die Bioterrorismus-Debatte hat sich dies geändert. Zum einen haben verschiedene Länder ihre Vorräte an klassischen Pockenimpfstoffen aufgestockt, für mehrere hundert Millionen, und damit Firmen in diesem Bereich unverhofft lukrative Aufträge beschert. Gleichzeitig begann - gefördert durch eine Ausschreibung der US-Regierung - ein Kopf-an-Kopf-Rennen der britischen Firma Acambis und der deutschen Bavarian Nordic zur Entwicklung eines neuen, verbesserten Pockenimpfstoffs.

Neben direkten therapeutischen Gegenmaßnahmen bieten biotechnologische Ansätze auch die Möglichkeit, Sicherheitssysteme zur Detektion solcher Bedrohungen zu verbessern. Antikörpermoleküle beispielsweise werden derzeit verstärkt hierzu erforscht, dank ihrer Fähigkeit, jedes gesuchte Molekül sehr spezifisch erkennen zu können. Ebenfalls gibt es Ansätze, sie direkt zur Bekämpfung von Anthrax-Infektionen einzusetzen.

Verschiedenste Disziplinen der Biotechnologie finden so ihren Weg in Sicherheitsanwendungen - etwas, für das es früher schlicht keinen Markt gab.



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