Der Ökonom Business as usual

Die Türme, die am 11. September einstürzten, gehörten zum World Trade Center, zum Welthandelszentrum von New York. Mit dem Gebäude brachen auch die Börsenkurse zusammen, Grenzen wurden geschlossen, in Asien Krieg geführt. Ökonom Volker Nitsch analysiert die Langzeitfolgen für den Welthandel.

Die Terroranschläge vom 11. September hatten auf den internationalen Handel zwei Effekte. Kurzfristig reduzieren terroristische Anschläge unmittelbar den Handel der betroffenen Länder. Der Effekt ist dabei umso markanter, je blutiger und häufiger die Anschläge ausfallen. Nach dem 11. September wurden in den USA zum Beispiel die Grenzen zeitweise komplett geschlossen. Diese Effekte sind relativ kurzlebig und laufen nach spätestens zwei bis drei Jahren aus.

Langfristig bewirkt Terrorismus eine Verstärkung der Sicherheitsmaßnahmen und damit einen Anstieg der Transportkosten. Cargo-Lieferungen der israelischen Fluggesellschaft El Al müssen beispielsweise vor dem Transport 24 Stunden am Boden verbleiben. Höhere Transportkosten bremsen den Handel; dieser Effekt ist allerdings schwer zu quantifizieren.

Langfristig haben die Anschläge vom 11. September den Welthandel nicht massiv verändert; das Scheitern der WTO-Konferenz dürfte beispielsweise weitaus gravierendere Auswirkungen auf den Welthandel haben. Als indirekte Folge der Anschläge gab es allerdings auf regionaler Ebene einige Verschiebungen in der Handelsstruktur - vor allem in Vorderasien, wo es seitdem insbesondere in Afghanistan, dem Irak und Pakistan zu deutlichen Veränderungen in den Außenhandelsbeziehungen kam.

Mehr lesen über
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.