Der Tourismus-Experte Nur die USA-Einreise wäre einfacher

Touristen werden wie Sträflinge gefilzt, früher harmlose Urlaubsländer scheinen plötzlich zu gefährlich - kaum eine Branche dürfte so unter dem 11. September gelitten haben wie die Tourismusindustrie, möchte man meinen. Stimmt nicht, sagt Fachmann Karl Born.

Die potentielle Gefahr durch radikal-islamistische Attentäter war schon vor 9/11 bekannt, zumindest stand sie als "worst case" in den mittelfristigen Optimismus-Pessimismus-Szenarien der großen Reiseveranstalter.

Wenn es 9/11 nicht gegeben hätte, dann hätte es trotzdem die Attentate von Bali, Djerba, Ägypten und Madrid gegeben - vielleicht sogar einige mehr in dieser Größenordnung.

Der Ölpreis ist einer der wichtigsten Kostenfaktoren im Tourismus, er beeinflusst damit stark die Nachfrage. Er wäre wahrscheinlich nicht so exorbitant hoch wie heute - aber wohl doch hoch. Schließlich gab es die Pläne der US-Administration für eine Invasion im Irak schon vor dem 11. September. Die Sicherheitsrestriktionen im Tourismus wären ohnehin gekommen, aber wahrscheinlich nicht so hart für die Einreise in die USA wie jetzt. Damit wären auch die Sicherheitskosten für die Branche etwas geringer.

Sättigungstendenzen im Tourismus, zumindest Europa betreffend, waren aber schon vor 2001 erkennbar, wenngleich die meisten Tourismusmanager das noch nicht wahrhaben wollten. Ohne 9/11 wäre der Einbruch nicht derart heftig gewesen, letztlich aber wäre heute die Anzahl der Reisenden (zumindest für Europa) nicht bedeutend anders.

Wie alternative Entwicklungen durch unvorhersehbare andere Großereignisse wieder in andere Bahnen verschoben werden können, zeigt das Beispiel Südostasien. Diese Region war einer der touristischen "Gewinnler" durch die Anschläge von New York und Washington, dieser Boom wurde aber durch den Tsunami gebremst. Die Entwicklung der Zielgebiete in mittlerer Entfernung zu Deutschland wäre insgesamt nicht sonderlich anders. Die sogenannten islamischen Länder, die derzeit unter Nachfragemangel leiden, wären auch durch die oben genannten "mittelgroßen" Attentate unterproportional nachgefragt.

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