Hinterbliebenen-Forderung Bundesanwaltschaft soll Fall Barschel neu aufrollen

Am 11. Oktober 1987 wurde der einstige schleswig-holsteinische Ministerpräsident Uwe Barschel tot in einer Hotelbadewanne in Genf entdeckt. Bis heute glaubt seine Witwe an Mord. Ein neues Gutachten soll die Bundesanwaltschaft nun dazu bringen, den Fall noch einmal zu untersuchen.


Hamburg - Knapp 20 Jahre nach dem Tod des früheren schleswig-holsteinischen Ministerpräsidenten Uwe Barschel hat der Anwalt der Familie, Justus Warburg, die Karlsruher Behörde aufgefordert, sie solle "im Fall Barschel strafrechtliche Ermittlungen in eigener Regie aufnehmen". Ein Sprecher der Bundesanwaltschaft habe auf Anfrage von "Bild am Sonntag" bestätigt: "Das Schreiben liegt uns vor, wir prüfen den Vorgang."

Uwe Barschel: Tod bleibt rätselhaft
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Uwe Barschel: Tod bleibt rätselhaft

Nach Informationen der Zeitung hat die Generalbundesanwältin den schleswig-holsteinischen Generalstaatsanwalt Erhard Rex bereits schriftlich um eine Stellungnahme gebeten. Barschel war in der Nacht zum 11. Oktober 1987 in der Wanne des Zimmers 317 des Genfer Hotels Beau Rivage tot aufgefunden worden.

Barschels Witwe Freya und sein Bruder Eike waren immer überzeugt, Uwe Barschel sei ermordet worden. 1998 hatte die Lübecker Staatsanwaltschaft das Todesermittlungsverfahren eingestellt. Ein geplantes Buch des damaligen ermittelnden Staatsanwalts Heinrich Wille habe Familie Barschel den Anlass für ihre Forderung nach neuen Ermittlungen gegeben. Wille habe mehrfach öffentlich geäußert, Barschel sei ermordet worden. Sein Buch mit dem Arbeitstitel "Der Mord an Uwe Barschel - das Verfahren" dürfe vorerst nicht veröffentlicht werden. Ein Gericht habe ihm dies auf Veranlassung seines Chefs, Generalstaatsanwalt Rex, verboten.

In dem Schreiben an Generalbundesanwältin Harms begründe Anwalt Warburg die Forderungen nach neuen Ermittlungen so: "Familie Barschel hat das Recht und den Anspruch auf Feststellung, Verhaftung und nach einem Gerichtsverfahren Verurteilung des oder der Mörder." Der Anwalt stütze sich unter anderen auf ein Gutachten des Toxikologen Hans Brandenberger. Dies belege, Barschel habe sich das tödlich wirkende Medikament Cyclobarbital gar nicht selbst verabreichen können. Details dazu sind allerdings nicht bekannt.

Generalstaatsanwalt Rex ist skeptisch: "Barschels Tod bleibt rätselhaft. Ob er jemals aufgeklärt wird, bleibt offen. Es gibt Indizien für Selbstmord und Mord. In den letzten zwei Jahren haben wir 20 neue Hinweise überprüft, leider ohne Ergebnis."

Im Juni hatte Wille in einem Interview erklärt, nach menschlichem Ermessen könne es nur Mord gewesen sein. Doch heute sehe er keine Anhaltspunkte mehr dafür, die 1998 eingestellten Ermittlungen wieder aufzunehmen. "Die einzige Möglichkeit wäre die, dass jemand, der den Mord begangen hat, dies gesteht und wir das Geständnis prüfen könnten", sagte Wille. Im Fall Barschel habe es sich offenbar um einen höchst professionellen Mord gehandelt, der vermutlich mit Kenntnis staatlicher Stellen vollstreckt worden sei.

"Es gibt wohl Wissensträger, sei es im Ausland, sei es im Bereich der CIA", sagte Wille. Er selbst sei bei den Ermittlungen an Grenzen gestoßen. Mit den Mitteln des Rechtsstaats sei der Todesfall Barschel nicht aufklärbar gewesen.

Die Barschel-Affäre gilt als einer der größten Politik-Skandale der Nachkriegszeit. Sie hat über mehr als zehn Jahre die Landespolitik in Schleswig-Holstein geprägt. Vor dem Tod des damals 43-jährigen Barschel im Oktober 1987 hatte die sogenannte Waterkantgate-Affäre mit Bespitzelung von Oppositionspolitikern, einem gebrochen Ehrenwort und schließlich dem Rücktritt Barschels das Land erschüttert.

ffr/ddp/AP



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