RAF Eine Bilanz des Terrors

Mehr als zwanzig Jahre lang - vom Ende der sechziger bis Mitte der neunziger Jahre - erschütterte der Terror der RAF die Bundesrepublik. Im vergangenen Jahrzehnt tobte dann der Streit um Schuld und Sühne im deutschen Rechtsstaat. Eine Bilanz des Terrors in Zahlen:


33 Todesopfer

Mindestens 33 Menschen bezahlten den RAF-Terror unmittelbar mit dem Tod: Als erstes Opfer starb der Polizist Norbert Schmid 1971. Das letzte Opfer der RAF war Michael Newrzella, GSG9-Beamter, bei der Festnahme von Wolfgang Grams in Bad Kleinen.

21 - gestorben im "Kampf"

Auch etliche RAF-Mitglieder verloren durch den eigenen Terror ihr Leben. Gewaltsam kamen mindestens 21 Terroristen um: durch Selbstmord (zum Beispiel Ulrike Meinhof), Hungerstreik (zum Beispiel Holger Meins), bei Festnahmen (der letzte: Horst Ludwig Meyer) oder bei Anschlägen.

26 Lebenslange

Deutsche Gerichte verhängten gegen 26 RAF-Terroristen lebenslange Freiheitsstrafen wegen Mordes, Mordversuchen, blutigen Banküberfällen, einige wurden gar zu mehrfach lebenslang verurteilt, darunter Christian Klar oder Brigitte Mohnhaupt. Das letzte Urteil erging gegen Birgit Hogefeld 1998.

200 Gezeichnete

Etliche Menschen leiden noch heute unter den Folgen des RAF-Terrors. Mehr als 200 Menschen wurden durch den RAF-Terror verletzt, die seelischen Schäden nicht mitgezählt.

1500 Unterstützer

Die RAF hatte über Jahrzehnte viele Mitglieder und Unterstützer. Insgesamt wurden rund 1500 Menschen rechtskräftig verurteilt. Etwa ein Drittel wegen ihrer Mitgliedschaft, zwei Drittel wegen Unterstützung der Vereinigung.

250.000.000 Euro Sachschaden

Nach einer Berechnung des Journalisten Butz Peters entstand durch den RAF-Terror ein Sachschaden von 500 Millionen Mark, nach heutiger Rechnung rund 250 Millionen Euro. Allein bei mindestens 31 Banküberfällen sollen RAF-Terroristen 7 Millionen Mark erbeutet haben.

11.000.000 Seiten Ermittlungen

Polizei, Staatsanwaltschaften, Bundesanwaltschaften ermittelten in Sachen RAF. Die Ermittlungsdetails füllen laut Peters mehr als 11 Millionen Seiten Papier.

104 "konspirative Wohnungen"

Die RAF-Terroristen fanden immer wieder neuen Unterschlupf, den die Polizei nicht immer entdeckte: Insgesamt sollen es 104 konspirative Wohnungen gewesen sein. Ermittler gehen allerdings davon aus, dass sie nur die Hälfte der RAF-Verstecke entdeckt hat.

180 gestohlene Fahrzeuge

Rund 180 gestohlene Fahrzeuge gehen laut Ermittlern auf das Konto der RAF. Auch hier ist die Dunkelziffer erheblich höher.

1.000.000 Tatwerkzeuge

Im Laufe der Ermittlungen sicherten die Behörden eine Million RAF-Gegenstände, Ausweise, Gewehre, Munition, Stadtpläne, Sprengstoff, Briefe.

Vier Flüchtige

Auch knapp zehn Jahre nach der Selbstauflösung der RAF 1998 fehlt von vier Mitgliedern immer noch jede Spur: Das BKA fahndet nach wie vor nach Daniela Klette, Ernst Volker Staub und Burkhard Garweg. Ebenfalls von der Bildfläche verschwunden ist Friederike Krabbe.

Etliche ungeklärte Fragen

Die RAF ist Geschichte, und doch sind viele Fragen bis heute ungeklärt. Wer erschoss Arbeitgeberpräsident Hanns-Martin Schleyer oder Generalbundesanwalt Siegfried Buback? Wer steckte hinter der dritten RAF-Generation? Die Klärung dieser Fragen hängt stark von der Aussagebereitschaft ehemaliger RAF-Terroristen ab. Bislang zeigten sich die meisten auch nach ihrer Entlassung zugeknöpft. Einen Hoffnungsschimmer gab es zuletzt nach Bekanntwerden von Hinweisen zum Mord an Buback: demnach soll Klar nicht unmittelbar an der Tat beteiligt gewesen sein.

aci

Mehr zum Thema


© SPIEGEL ONLINE 2007
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.