Stasi-Mitarbeit Adlon-Direktor gibt auf

Der Leiter des renommierten Berliner Adlon-Hotels hat seinen Posten aufgegeben. Der Schritt war die Konsequenz aus den anhaltenden Stasi-Vorwürfen, die gegen den 44-Jährigen erhoben wurden. Erstmals gab er zu, als IM "Benjamin" Spitzeldienste für die Stasi geleistet zu haben.


Berlin - "Ich bedauere sehr, dass ich damals dem Druck nicht standgehalten habe und entschuldige mich", erklärte Thomas Klippstein.

Adlon-Chef Klippstein: Deckname "Benjamin"?
DPA

Adlon-Chef Klippstein: Deckname "Benjamin"?

Zuvor hatten er und die Geschäftsführung der Kempinski-Hotelgruppe, dem das Adlon gehört, die Konsequenzen aus Veröffentlichungen über die mögliche Stasi-Tätigkeit des 44-jährigen Rostockers gezogen. Kempinski-Präsident Reto Wittwer entsprach Klippsteins Bitte um Entbindung von seinen Aufgaben mit sofortiger Wirkung.

Klippstein hatte bis kurz vor der Wende im Hotel Neptun in Warnemünde gearbeitet und war dort vom Staatssicherheitsdienst der DDR angeworben worden. Das Neptun gehörte zu den wichtigsten Hotels in der DDR, in dem oft Prominente aus der Bundesrepublik, Westeuropa und den USA residierten.

Nach Unterlagen der Birthler-Behörde, die der dpa vorliegen, hat Klippstein 1988 eine Verpflichtungserklärung zur Stasi-Mitarbeit unterschrieben. Er war unter dem Decknamen "Benjamin" geführt worden. Für ihn sei es in den Jahren 1988 und 1989 "für einen kurzen Zeitraum im Alter von 25 Jahren" darum gegangen, "meine Familie zu schützen, die zu diesem Zeitpunkt unter intensivster Beobachung der Stasi stand". Die Ausbildung am Empfang im Hotel Neptun habe er begonnen, weil ihm - wegen der Selbständigkeit seiner Eltern - "eine Weiterführung meiner Schulausbildung zum Abitur vom sozialistischen Regime untersagt wurde".

Er habe keine Möglichkeit gesehen, sich dem System zu widersetzen, sagte Klippstein. Die jetzige Bitte um sein Ausscheiden aus der Kempinski-Gruppe habe er zum Schutz seiner Familie und der Adlon-Mitarbeiter getroffen, sowie um Schaden vom Hotelunternehmen abzuwenden. In seiner Erklärung bat der Ex-Hotel-Direktor, dass differenziert werde zwischen "dem Fehler, den ein junger Mensch gemacht hat, und meiner Leistung und meiner Arbeit der vergangenen 17 Jahre". Klippstein hatte im April 2005 die Leitung des Berliner Luxus-Hotels übernommen.

jto/jjc/dpa



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