Sturm auf die "Landshut" Die Nacht des Helden

Peter Horstmüller war 21, als er und seine GSG-9-Kameraden im Oktober 1977 die gekaperte Lufthansa-Maschine "Landshut" stürmten. Der Polizist berichtet auf SPIEGEL ONLINE zum ersten Mal von der legendären "Operation Feuerzauber" - dem spektakulärsten Einsatz seines Lebens.

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Berlin - Es ist nicht ganz leicht, einen Helden zu treffen. Man muss viele Telefonate führen, man muss Briefe schreiben oder E-Mails, man muss Menschen von dem Ansinnen überzeugen, dass es wichtig und richtig sein könnte, dem Helden zu begegnen. Man muss sie für diese Idee gewinnen, begeistern vielleicht. Und man muss reisen. Dann ist es ganz leicht, einen Helden zu treffen. Plötzlich steht er vor einem.

Er trägt Jeans, Jacket, ein gestreiftes Oberhemd. Über die Schulter hat er sich eine schwarze Tasche gehängt, wie die, in denen man Laptops verstaut. Der Held könnte Lehrer sein, Ingenieur oder Busfahrer. Er lächelt, streckt die Hand aus und stellt sich vor.

Der Held hat einen Namen, doch der darf nicht verraten werden. Er soll Peter Horstmüller heißen, seine Kameraden jedoch - und das ist 30 Jahre her - nannten ihn "Yeti", weil es in seiner Stube immer so kalt war.

Peter Horstmüller ist 51 Jahre alt, Polizeioberkommissar bei der Bundespolizei, die früher einmal Bundesgrenzschutz hieß, und lebt in Hessen. Er selbst, und das muss an dieser Stelle endlich gesagt werden, würde sich nie als einen Helden bezeichnen. Horstmüller hat laut Horstmüller lediglich "seinen Job gemacht, so wie ein Maurer, der eine Wand hochzieht".

15 Jahre in der wohl legendärsten deutschen Spezialeinheit

Das jedoch ist ebenso untertrieben wie ernst gemeint. Es sagt viel aus über die Bescheidenheit und das Selbstverständnis des Mannes, der 15 Jahre lang der wohl legendärsten deutschen Spezialeinheit angehört hat. Und mehr als das: Horstmüller war einer der 60 Männer, die mit der Befreiung der gekaperten "Landshut" am 18. Oktober 1977 den Mythos der GSG 9 erst begründet haben.

Die dramatischsten Tage im Leben des Polizeibeamten beginnen mit einer Lautsprecherdurchsage in der GSG-9-Kaserne in St. Augustin bei Bonn. In knappen Worten werden die Männer am 13. Oktober davon in Kenntnis gesetzt, dass der Lufthansa-Flug 181 von Palma de Mallorca nach Frankfurt gekapert wurde. "Sechs oder acht Kollegen sind sofort zum Flughafen gerast und dem Jet hinterher", erinnert sich Horstmüller.

Für die "Neuner", die sich seit der Schleyer-Entführung im Daueralarm befinden, beginnt ein unwirkliches Schauspiel. "Wenn ich ganz ehrlich bin, habe ich nicht damit gerechnet, dass wir die 'Landshut' stürmen werden. Ich habe auf ein unblutiges Ende gehofft", sagt Horstmüller. "Wir waren keine Killer. Keiner von uns wollte Menschenleben auslöschen." Die "Landshut" fliegt von Rom nach Zypern, Damaskus, Bahrein und Dubai. Polizeihauptwachtmeister Horstmüller verfolgt die Odyssee im Fernsehen.

Am 16. Oktober, Horstmüller meint, es sei morgens gewesen, wird die GSG 9 schließlich in Marsch gesetzt. 60 Männer, perfekt trainiert, bestens bewaffnet, hoch motiviert, besteigen die Lufthansa-Maschine "Stuttgart". "Wohin es ging, wussten wir nicht. Gelegenheit, uns von unseren Familien zu verabschieden, hatten wir auch nicht", sagt Horstmüller. Die Boeing 707 nimmt Kurs auf Afrika.

Horstmüller erinnert sich: "Die Stimmung im Flugzeug war recht locker. Wir haben Karten gespielt und gedöst." In Gedanken sei er immer wieder durchgegangen, "wie die 'Landshut' aussieht und wie man sie erstürmen kann. Wir hatten ja schon einige Male an dieser Maschine einen Zugriff trainiert".



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