Verzweifelte Fluchtpläne Briefe von Anne Franks Vater entdeckt

Verzweifelt hatte der Vater von Anne Frank versucht, die Flucht seiner jüdischen Familie aus den von Deutschland besetzten Niederlanden zu organisieren. Das zeigen etwa 80 bislang unveröffentlichte Briefe von Otto Frank. Demnächst sollen sie für die Öffentlichkeit freigegeben werden.


New York - Jahrzehnte lang lagen rund 80 Briefe von Otto Frank unentdeckt im Archiv des YIVO-Instituts für jüdische Forschung in New York: Die Einrichtung hatte die Schriftstücke angeblich in den Jahren 1948 bis 1974 von einer amerikanischen Hilfsorganisation für hebräische Immigranten erhalten. Doch erst vor eineinhalb Jahren seien die Dokumente Otto Franks dann entdeckt worden, berichtet jetzt das US-Magazin "Time" im Internet. Der Fund sei bislang verschwiegen worden, um unter anderem das Urheberrecht zu klären.

Die Briefe des jüdischen Familienvaters sind "Times.com" zufolge an Verwandte, Freunde und Behörden adressiert und wurden zwischen dem 30. April 1941 und dem 11. Dezember 1941 verfasst.

Seit 1934 war die Familie Frank in Amsterdam im Exil, im Sommer 1942 drohte die Deportation. Vater Otto hatte für diesen Notfall vorgesorgt: Die Familie versteckte sich in der Dachkammer des Hinterhauses seiner Firma vor der NS- Besatzungsmacht. Über zwei Jahre harrte die Familie dort aus. Aus den Fluchtplänen war nichts geworden.

Ein Fluchtplan: Über Spanien, Portugal, Frankreich in die USA

Zu dem Fund im YIVO-Archiv gehören auch zwei Briefe eines US-Verwandten und Freundes von Otto Frank, Nathan Straus Jr. Sie wurden verfasst, als das US-amerikanische Konsulat in den Niederlanden geschlossen wurde, und zeigen einen Fluchtplan Otto Franks: Die Route sollte über Spanien nach Portugal führen, wo er Visa für Paris besorgen und schließlich mit seiner Familie in die USA oder nach Kuba reisen wollte. Die Dokumente sollen laut "Time.com" am 14. Februar freigegeben werden.

Anne Frank kam 1945 mit 15 Jahren im Konzentrationslager Bergen-Belsen ums Leben: Sie starb an einer Typhus-Erkrankung. Ihr Vater Otto überlebte den Krieg, kehrte in die Niederlande zurück und veröffentlichte 1947 erstmals die Tagebuch-Aufzeichnungen seiner Tochter. "Das Tagebuch der Anne Frank" wurde in mehrere Sprachen übersetzt und millionenfach verkauft.

fba/AP



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